Die Angst der Bayern vor sich selbst

Von Für SPOX in der Allianz Arena: Andreas Lehner
Donnerstag, 11.02.2010 | 08:56 Uhr
Bayerns Franck Ribery feiert den Treffer zum 3:2 gegen Greuther Fürth
© Getty
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Gegen Fürth machten sich die Bayern selbst das Leben schwer. Ein Dauerzustand sollte das nicht werden. Dafür läuft Franck Riberys Aufbau vielversprechend weiter. Die Spieler der zweiten Reihe haben aber ein Problem.

Louis van Gaal hatte sich während der Dauerdiskussion über Arjen Robbens lange Unterhose auch mal mit dem Schuhwerk seiner Spieler beschäftigt. Wie mit der Mode bei Frauen sei das, und noch nicht mal gut abgestimmt.

Es ist nicht überliefert, was Franck Ribery von den modischen Ansichten seines Trainers hält, aber als er nach dem 6:2-Sieg gegen Greuther Fürth in den Katakomben verschwand, trug er mit seiner Sportkleidung wenig abgestimmte Moon-Boots. Seine gelben Treter, die zum Trainingsauftakt noch entzündete Zehen verursacht hatten, hatte er in der Hand.

Hauptverantwortlich für den Schuhwechsel war sein Trainer. Der hatte ihn in der 73. Minute nämlich vom Platz genommen. Van Gaal baut ihn weiterhin langsam auf.

Ribery überrascht über die Auswechslung

Die Arme fragend ausgebreitet ging Ribery auf seinen Trainer zu, die Sprechblase mit dem "Warum?!" über seinem Kopf konnte man sich denken. "Ich war nur überrascht, dass ich raus musste, weil mich der Coach in der Halbzeit noch gefragt hatte, ob ich 90 Minuten durchhalte. Und ich hätte gekonnt", sagte Ribery.

Also suchte der Franzose in der Kabine das Gespräch mit van Gaal. "Ich verstehe die Entscheidung, weil wir in den nächsten Wochen alle drei Tage ein Spiel haben. Es gibt keine Probleme", erklärte der Franzose.

"Franck ist noch nicht zurück"

Ob er am Samstag gegen Dortmund wieder in der Startelf stehen wird, ist offen und hängt auch von der Verfassung des vom Magen-Darm-Virus befallenen Ivica Olic ab.

Noch war Ribery in vielen Aktionen die fehlende Spielpraxis und Spritzigkeit anzumerken.

Er bereitete zwar das 1:0 von Müller vor und traf zum 3:2 selbst, hatte in den Eins-gegen-Eins-Situationen gegen den schnellen und aggressiven Stephan Schröck aber seine Probleme.

"Wir wissen alle, dass Franck auf sehr hohen Niveau spielen kann, aber über 90 Minuten ist das noch schwierig", sagte Kapitän Mark van Bommel: "Franck ist noch nicht zurück."

Bayern staunt über Fürth

Aber nicht nur Ribery hatte Probleme mit seinem Gegenspieler, die ganze Bayern-Mannschaft kam mit der extrem aggressiven Spielweise der Fürther in Halbzeit eins nicht zu Recht. Van Gaal attestierte dem Gegner sogar "überragenden Fußball" im ersten Abschnitt.

Der Trainer war zur Halbzeit dementsprechend "sehr böse", die Ansprache fiel aber gar nicht mal so laut aus, weil "wir alle selbst wussten, dass wir nicht gut gespielt haben", wie Mario Gomez versicherte. Die Bayern seien sogar staunend in der Kabine gesessen, ob der Spielweise des Gegners.

In der zweiten Halbzeit war die Mannschaft wacher und stärker im Zweikampf. "Da haben wir dann normalen Fußball gespielt", wie van Bommel es nennt, "die Fürther haben in der zweiten Halbzeit für ihr Tempo bezahlt."

Auch weil sie in den ersten 45 Minuten zu viele Chancen liegen ließen. Anstatt 2:1 hätte es auch 4:1 für die Gäste stehen können. Sportdirektor Christian Nerlinger hatte eine berechtigte "Angst, dass es schief geht".

Die gleichen Fehler wie in Wolfsburg

Die Bayern agierten nach der Führung zu unkonzentriert, spielten oft die falschen Bälle und wählten die falschen Lösungen. Van Gaal hatte diese Lässigkeit schon in Wolfsburg angemahnt, stieß dabei aber wohl auf halbtaube Ohren. "Das müssen wir dringend abstellen", forderte Doppel-Torschütze Müller, weil es nicht immer gut geht wie gegen Wolfsburg und Fürth. Dieser Schlendrian ist im Moment der einzige Gegner der Bayern.

Die Bälle gingen im Mittelfeld zu schnell verloren, die Offensivspieler Ribery, Müller und Robben wurden nicht richtig angespielt. Vor allem Anatolij Tymoschtschuk, der für Schweinsteiger mal wieder im Zentrum ran durfte, hatte große Schwierigkeiten.

Das Spiel war zwar bei seiner Auswechslung vom Spielstand her schon wieder ausgeglichen, doch schon zuvor stand sein Ersatz David Alaba zusammen mit seinem Kollegen aus der zweiten Mannschaft Diego Contento an der Außenlinie bereit.

Alabas Einwechslung: Van Gaals Zeichen an Tymoschtschuk

Ein deutliches Zeichen von van Gaal an den Ukrainer, den ebenfalls ausgetauschten Christian Lell und an den sich weiter aufwärmenden Hamit Altintop.

Der Trainer setzte mal wieder auf die Jugend - und hatte mal wieder Recht. Alaba bereitete Riberys Führungstreffer durch aggressives Zweikampfverhalten tief in der gegnerischen Hälfte vor. Dort war Tymoschtschuk in seinen 59 Minuten nie aufgetaucht.

"Alaba ist ein guter Spieler und noch nicht so alt", stellte van Bommel fest. Stimmt, 17 volle Jahre genau. Deshalb sind sie in München auch bedacht, den Österreicher nicht zu früh ins Rampenlicht zu stellen. "Diego Contento hat das auch super gemacht", sagte van Bommel nach jeder Frage, die Alaba galt.

Und als der 17-jährige Wiener nach dem Spiel in den Katakomben stand und etwas zu lange mit den Reportern plauderte, kam Nerlinger und beendete das Gespräch.

Dabei hatte Alaba ganz brav geantwortet, dass er nicht mit einer Einwechslung gerechnet hatte und einfach sein Spiel gespielt habe. In weißen Schuhen. Was natürlich modisch, aber nicht gut abgestimmt war.

SPOX-Analyse: Louis van Gaal war sehr böse

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