Markus Babbel darf VfB-Coach bleiben

Von Stefan Rommel
Mittwoch, 28.10.2009 | 15:45 Uhr
Markus Babbel ist beim VfB Stuttgart das schwächste Glied in der Kette - darf aber bleiben
© Getty
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Die Krise in Stuttgart sprengt die bekannten VfB-Dimensionen. Trainer Markus Babbel trägt sicherlich einen großen Teil der Schuld. Aber es gibt auch andere, die in den letzten Monaten versagt haben und jetzt ihre Fehler nicht eingestehen wollen. Das sieht offenbar auch der Vorstand so, denn: Markus Babbel darf bleiben.

"Ich habe den Eindruck, dass unsere Entwicklung ähnlich ist wie in der Wirtschaft. Hier wie dort haben wir den Tiefpunkt überwunden. Es geht aufwärts, auch wenn wir noch lange nicht da sind, wo wir hinwollen."

Die Aussage steht, sie steht seit knapp einer Woche. Dieter Hundt hat sie nach dem 1:3 des VfB Stuttgart gegen den FC Sevilla formuliert.

Babbel darf bleiben

Der Aufsichtsratschef hat schon viel erlebt mit dem VfB, aber so eine vertrackte Situation wie momentan noch nie. Die Mannschaft ist vom Champions-League-Himmel abgestürzt in die seichten Niederungen des Abstiegskampfs, in der Königsklasse droht das Aus, im DFB-Pokal ist es nach dem 0:1 bei Greuther Fürth bereits perfekt.

Stuttgart alimentiert den teuersten Kader der Vereinsgeschichte und einen Trainer, der noch gar keiner ist. Einen Azubi quasi, der aber die Mannschaft trotz aller Misserfolge zumindest noch so weit erreicht, dass seine Angestellten alles versuchen.

Das ist ein gutes Zeichen und es war der Rettungsanker für den Trainer. Denn nach einer Sitzung von Präsident Erwin Staudt, Finanzvorstand Ulrich Ruf und Sportvorstand Horst Heldt am Mittwochvormittag bestätigte Heldt, dass der VfB weiter auf Babbel und sein Trainerteam setzen werde - ohne Frist oder Ultimatum.

Klinsmann kein Thema

"Wenn Ratlosigkeit bei uns vorherrschen würde, würden wir handeln. Wir haben mit dem Trainerteam und dem gesamten Vorstand die Situation analysiert und diese Entscheidung getroffen: Wir werden weiter an diesem Team festhalten. Wir sind überzeugt, dass das Team mit der Mannschaft aus der Krise herausfinden wird. Markus Babbel vermittelt den Eindruck, dass er es kann. Es gibt keine Frist für ihn."

Medienberichte, wonach sich Präsident Staudt bereits zu ersten Gesprächen mit Jürgen Klinsmann getroffen haben solle, verwies Heldt ins Reich der Fabeln. "Sie sind es nicht wert, sie zu kommentieren", so Heldt.

Dass die Freundschaft zu Babbel für die Entscheidung pro Babbel maßgeblich gewesen sein könnte, dementierte Heldt: "Meine Freundschaft zu Markus Babbel hat damit nichts zu tun, auch wenn wir nebeneinander wohnen. Wenn wir nicht überzeugt wären, dass er der Richtige für uns ist, hätten wir die Entscheidung nicht so getroffen. Aber die Situation ist nicht einfacher geworden."

(Blog: Warum der Babbel-Rauswurf falsch wäre)

Heldt rückt in den Fokus

Babbel in der öffentlichen Wahrnehmung und bei den Fans nicht der einzige Sündenbock für eine Malaise, wie sie den VfB in ihrer Gesamtheit seit über drei Jahrzehnten nicht mehr getroffen hat.

Vielmehr rückt im Zusammenhang mit Diskussionen um den Coach auch immer mehr der erst vor einem halben Jahr zum Vorstand Sport beförderte Sportdirektor Horst Heldt in den Fokus. Der zeigte sich nach dem Aus beim Zweitligisten völlig konsterniert, brachte am Mikrophon von SKY nur bruchstückhafte Satzfetzen zur Sprache.

Heldt weiß sehr genau, dass sein Schicksal ganz eng verbunden ist mit dem von Babbel. Und das nicht nur räumlich, weil beide in der Tat im selben Haus wohnen.

Nur Babbel sagt die Wahrheit

Ausgestattet mit neuer Macht hat Heldt den Trainer nach der überragenden Rückrunde auch für die Zukunft auf der Bank durchgeboxt - wohl wissend, dass es ein schmaler Grat werden wird mit der Vierfachbelastung aus Bundesliga, Champions League, DFB-Pokal und Trainerlehrgang in Köln.

Ganz zu schweigen von den zeitlichen Überschneidungen. Neulich hatte Heldt Verfechter dieser These noch als "Ahnungslose" abgestempelt.

In den letzten Spielen blieben alle Verantwortlichen in geduckter Position und im festen Glauben, dass irgendwann schon die Wende kommen würde. Wie ein Schüler, der sich vor der Abfrage zu Stundenbeginn drücken will.

Einzig Babbel stellte sich auch öffentlich seinen Fehlern, hinterfragte viele seiner glücklosen Entscheidungen und ist sich auch jetzt nicht zu schade, seine prekäre Situation offen zu beleuchten.

Wo bleibt das Krisenmanagement?

Vom Rest der Führungsriege, angefangen bei Heldt, über Hundt und den auffällig unauffälligen Präsident Erwin Staudt, vernimmt man solch selbstkritische Töne nicht. Wo bleibt das Krisenmanagement? Wo die ehrliche Aufbereitung der Lage?

Der VfB Stuttgart hat in dieser Saison gegen - bei allem Respekt - deutlich schwächere Gegner wie die Rangers, Urziceni, Köln, Hannover, Nürnberg oder Fürth nicht gewinnbringend bestehen können. Die Gründe dafür liegen zu Teilen beim Trainer - aber eben nicht nur.

Die Leistungen der Mannschaft sind im Grunde nur ein Sinnbild für den gesamten Verein, dem wie dem kickenden Personal eine starke Hand abgeht, die jetzt entschlossen die Geschicke an sich reißt.

Aus der Mannschaft hat sich nur Torhüter Jens Lehmann klar zum Trainer positioniert, Kapitän Thomas Hitzlsperger ließ diese Chance verstreichen. Dabei wäre genau jetzt die Zeit echter Führungskräfte gekommen.

Der von Hundt vor einer Woche herbeigesehnte Tiefpunkt hat sich nochmals dramatisch nach unten verschoben. Der VfB Stuttgart ist nämlich genau da, wo er nie sein wollte: Am Boden. Aber immerhin noch mit einem Cheftrainer in Amt und Würden.

Babbel: "Ich weiß nicht, wie der Verein zu mir steht"

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