Völler: "Das hört sich blöd an"

Von Für SPOX in Berlin: Stefan Moser
Freitag, 29.05.2009 | 17:38 Uhr
Während sich Frank Baumann auf sein letztes Spiel freut, steht Bruno Labbadia gehörig unter Druck
© Getty
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Den Finalisten ist die bisherige Saison offenbar selbst peinlich. Doch beide wollen Wiedergutmachung. Für Bremen und Leverkusen ist es auch ein Endspiel um die Zukunft.
 

Der letzte, der es fertigbrachte, Wasser in Wein zu verwandeln, sitzt heute zur Rechten Gottes und wird seit fast 2000 Jahn jeden Sonntag in hunderten von Liedern besungen.

Am Samstag im Pokalfinale zwischen Bayer Leverkusen und Werder Bremen (19.45 Uhr im LIVE-TICKER und Internet TV) wird einer der beiden Mannschaften zwar ein vergleichbares Kunststück gelingen, doch das Liedgut wird sich anschließend auf einen ausgelutschten Gassenhauer von Queen beschränken - und der Sieger wird auf dem Bankett später bestenfalls zur Rechten von DFB-Präsident Theo Zwanziger sitzen.

Auch wird der Ruhm keine 2000 Jahre überdauern. Mit einem Pokaltriumph können beide Klubs zwar eine äußerst schale Saison am Ende noch veredeln - doch ein fader Beigeschmack wird bleiben.

Bremen und Leverkusen: Die spielstärksten Mannschaften der Liga?

Zu ernüchternd ist das Fazit nach dem bisherigen Saisonverlauf - und zwar für beide Mannschaften."Mit Bremen und Leverkusen treffen die vielleicht spielstärksten Teams Deutschlands aufeinander", sagte Bayer-Manager Rudi Völler auf der Abschluss-Pressekonferenz am Freitag in Berlin - und verschluckte sich fast selber an dem Satz.

"Ich weiß, das hört sich jetzt vielleicht blöd an", fügte er beschwichtigend hinzu, "es spielt ja der Neunte gegen den Zehnten.

"Mit einer, wie Völler sagt, "desaströsen Auswärtsbilanz" stürzte der Tabellenführer des 12. und 13. Spieltags ins gefühlte Elend ab und verpasste damit zum zweiten Mal in Folge die direkte Qualifikation für das internationale Geschäft.

Frank Baumann: Entschuldigung für ein enttäuschendes Jahr

Und auch Werder enttäuschte in der Liga. Vor der Saison äußerten die Verantwortlichen noch selbstbewusst Titelambitionen. Nach der Saison steht mit Rang 10 die schlechteste Platzierung in der zehnjährigen Amtszeit von Manager Klaus Allofs und Trainer Thomas Schaaf.

Von einem Fußballfest zur Krönung der Saison war auf der Pressekonferenz entsprechend nichts zu spüren. Die Gäste auf dem Podium waren angespannt, nervös und einsilbig.

Werder-Kapitän Frank Baumann hielt das Eröffnungsplädoyer und entschuldigte sich zu allererst für ein "enttäuschendes Jahr" - obwohl er danach gar nicht gefragt wurde.

Ob er denn keine Wehmut verspüre, weil er mit dem Finale am Samstag seine Karriere beenden wird, wollte ein Journalist eigentlich wissen. "Ach", sagte Baumann, "das spielt keine Rolle."

Geld aus der Europa League spielt untergeordnete Rolle

Eine Rolle spiele dagegen der Druck, der auf beiden Mannschaften lastet. Denn es spielt nun mal nur der Neunte gegen den Zehnten, was auch bedeutet, dass sich nur der Sieger über die berühmte "Hintertür" für den europäischen Wettbewerb qualifizieren kann.

Eine Konstellation, die es 1996 Jahren nicht mehr gab. Damals hieß das Finale Kaiserslautern gegen Karlsruhe. Danach aber war jeweils auch immer der Verlierer sicher qualifiziert.

Dabei betonten beide Seiten, dass der finanzielle Gewinn aus der Qualifikation für die Europa League nur eine untergeordnete Rolle spiele.

"Die garantierten Einnahmen sind mit den Champions-League-Geldern nicht zu vergleichen, für unsere wirtschaftliche Planung spielt das keine Rolle", sagte etwa Allofs.

Rauswurf für Labbadia bei Niederlage?

Viel wichtiger sei der internationale Wettbewerb für die Entwicklung der Spieler und die generelle sportliche Perspektive. Vor allem die Bayer-Funktionäre betonen immer wieder, wie wichtig die europäische Bühne für den Ausbau des Fußball-Standorts Leverkusen ist. Das Spiel am Samstag ist insofern auch ein Endspiel um die Zukunft.

Ohne internationale Auftritte fürchten die Verantwortlichen, die ohnehin recht dünne Fan-Basis zu verlieren - was gerade durch den Stadion-Ausbau ein strategisches Desaster wäre. Nicht zuletzt deshalb musste Trainer Michael Skibbe im letzten Jahr gehen, als er den UEFA-Cup verpasst hatte.

Und nicht zuletzt deshalb steht auch der jetzige Trainer Bruno Labbadia möglicherweise schon vor seinem letzten Spiel. "Ich blende das alles aus", kommentierte der 43-Jährige trotzig die anhaltenden Gerüchte.

Bayers Coach erinnert an Lauterns Erfolg von 1990

Stattdessen versuchte wenigstens er, ein wenig Feststimmung zu erzeugen. "Ein Pokalfinale ist etwas Besonderes, ein Riesen-Erlebnis", sagte Labbadia und erinnerte an das Finale 1990, als er selbst den 1. FC Kaiserslautern mit zwei Treffern zum Sieg schoss - gegen Werder Bremen.

Und natürlich werden auch die Gewinner am Samstag die Sektkorken knallen lassen. Doch vermutlich werden sie nach einer kurzen Feier auch mit ordentlichen Kofschmerzen erwachen - wenn es um die Gesamtbeurteilung der abgelaufenen Saison geht.

Ganz so einfach lässt sich Wasser eben doch nicht in Wein verwandeln lassen. Und für die Verlierer gilt ohnehin: Die Saison war Essig.

Die voraussichtlichen Aufstellungen

Leverkusen: Adler - Castro, Friedrich, Sinkiewicz, Kadlec - Rolfes - Renato Augusto, Vidal, Barnetta - Kießling, Helmes

Bremen: Wiese - Fritz, Prödl, Naldo, Boenisch - Baumann - Frings, Özil - Diego - Almeida, Pizarro

DFB-Pokal: Daten und Fakten

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