Fussball

Es wird langsam ungemütlich

Von Florian Bogner
Der FC Bayern verlor in Düsseldorf gegen Leverkusen bereits das vierte von acht Rückrundenspielen
© Getty

Der FC Bayern wird von Leverkusen teilweise vorgeführt und scheidet aus dem DFB-Pokal aus. Hoeneß spricht von einem "ersten echten Rückschlag", der Boulevard fragt ketzerisch, wie viele Niederlagen sich Klinsmann noch erlauben darf. Der Vorstand steht vor einer Charakterprobe.

Uli Hoeneß hat ein feines Gespür für öffentliche Auftritte. Im öffentlich-rechtlichen TV, vor einem Millionen-Publikum, ziemt es sich angesichts der aktuellen Lage der Bayern nicht, auf den Putz zu hauen. Dass beim FCB was im Argen liegt, muss man ja nicht durch die ganze Nation posaunen.

Also sprach der Bayern-Manager nach der 2:4-Niederlage bei Bayer Leverkusen äußerst besonnen ins blaue Mikrofon. "Das macht jetzt überhaupt keinen Sinn, sich hier vor Millionen von Leuten zu profilieren und die Mannschaft in Sack und Asche zu hauen", meinte Hoeneß weise.

Die Hoeneß'sche Körpersprache

Was er dabei wirklich dachte, stand auf einem anderen Blatt. In solchen Situationen lohnt es sich, auf Hoeneß' Körpersprache zu achten. Die sagt meistens mehr aus als Worte, der Grad der Erregung ist seinem Antlitz sehr gut zu entnehmen. Und Hoeneß' Schweißperlen auf der Stirn, kombiniert mit geschürzten Lippen, verhießen am Mittwochabend eher: Es wird langsam ungemütlich. Für alle Beteiligten.

Die Diskussion um Trainer Jürgen Klinsmann, deren Ursache man beim FC Bayern allzu gerne nur den Medien zuschieben möchte, ist jedenfalls durch das Ausscheiden im ersten Wettbewerb nicht eben kleiner geworden. Schon gar nicht, wenn man nach dem Spiel sah, wie der Bayern-Trainer sichtlich angeschlagen um Erklärungen rang.

Da fallen dann Sätze wie: "Jeder ist kritisch genug zu sagen: In der ersten Stunde hat ein bisschen was gefehlt." Sätze, die man auch schon nach anderen Niederlagen hörte.

Oder es werden Durchhalteparolen ausgegeben: "Wenn Niederlagen da sind, ist es beim FC Bayern normal, dass Kritik aufkommt. Dem muss man sich stellen und das tue ich auch" - was ebenfalls keine Neuigkeit ist.

Charakterfrage für den Vorstand

Die "Bild" fragte am Donnerstag sogleich recht plakativ: "Wie lange lassen ihn die Bosse noch verlieren?" Glaubt man ihren Aussagen dieser Tage: Noch sehr lange. Denn würde man Klinsmann jetzt entlassen, würde das einer Bankrott-Erklärung von Hoeneß und Rummenigge gleich kommen.

Im vergangenen Sommer verkündete man einträchtig, das "Projekt Klinsmann" sei auf zwei Jahre ausgelegt. Zwei Jahre, die man ihm zugestehe. Die Frage ist nur: zu welchem Preis? Hoeneß und Rummenigge werden sich fragen müssen, ob ein Jahr ohne Titel schon ein Kündigungsgrund ist.

Aber was passiert, wenn der FC Bayern am Ende titellos doch nur Vierter wird und man sehenden Auges ins Verderben gerannt ist? Der Vorstand steht vor einer Charakterprobe - und einer scheint dabei nicht so recht mitzuspielen.

Hoeneß giftet gegen Beckenbauer

Franz Beckenbauer forderte nämlich schon vor dem Leverkusen-Spiel eine Konsequenz aus den schlechten Leistungen. Hoeneß daraufhin - diesmal bei Premiere - sehr giftig: "Konsequenz? Da muss ich mich mal mit ihm unterhalten, wie er das gemeint hat. Aber wenn man Kaiser ist, redet man ja in einer Sphäre, die wir hier unten manchmal gar nicht verstehen."

Lasst mir um Himmels Willen den Trainer in Ruhe, ist Hoeneß' oberste Pflicht dieser Tage. Ein Kampf gegen Windmühlen? Vor der Abfahrt des Bayern-Busses aus der Düsseldorfer Arena waren von den Zuschauern jedenfalls erneut "Klinsmann raus!"-Rufe zu vernehmen. Laut dem Manager ja nicht unbedingt die "vox populi" und deswegen nicht repräsentativ.

Doch wer hat denn nun Schuld an der Krise? Hoeneß räumte schließlich doch ein, dass das 2:4 "der erste richtige Rückschlag" war, "weil wir aus einem Wettbewerb ausgeschieden sind". Außerdem sagte der 55-Jährige Dinge wie: "Wir werden nicht auf die Spieler draufhauen. Morgen müssen wir ja mit denselben Spielern wieder weiterarbeiten" und "wir haben nur die Spieler, die wir jetzt haben". Vor den Gegentoren erkannte er zum wiederholten Male "sehr starke individuelle Fehler".

Klose: "Wir setzen seine Forderungen nicht um"

Heißt im Umkehrschluss: Der Kader genügt den Ansprüchen nicht. Wenn der Vorstand sich schon darauf beruft, dass man Ausfälle von Luca Toni und Philipp Lahm nicht kompensieren könne, ist das eigentlich ein Armutszeugnis.

Dazu bekannte selbst der sonst so linientreue Miroslav Klose in Düsseldorf die Unfähigkeit, die Anforderungen des Trainers auf dem Platz zu erfüllen. "Der Trainer tut und macht und versucht uns einzustellen, aber auf dem Platz setzen wir das nicht um", sagte der Nationalstürmer frustriert.

In Düsseldorf ließ Klinsmann wieder im 4-5-1 spielen. Sein Signal: Das Mittelfeld soll in numerischer Überlegenheit das Spiel besser kontrollieren, dazu die Abstimmung zur Abwehr mit zwei defensiven Mittelfeldspielern (Ottl, van Bommel) besser klappen, der einzige Stürmer (Klose) durch eine Dreierreihe dahinter (Altintop, Borowski, Ribery) entlastet werden.

Hitzfeld kritisiert die Mannschaft

Was dabei raus kam, formulierte Premiere-Experte Ottmar Hitzfeld ungewohnt kritisch: "Das Mittelfeld war bis auf van Bommel enttäuschend. Sie waren einfach viel zu passiv und kamen oft einen Schritt zu spät. Spritzigkeit und Durchschlagskraft in der Offensive waren nicht da." Kurzum: Über weite Strecken des Spiels sei die Leistung seines Ex-Teams "blamabel" und "diskussionswürdig" gewesen.

Klinsmann nannte das Ganze lapidar "Dinge, die im Fußball vorkommen." Seine Erklärung: "Ob ich das jetzt verstehe oder nicht: Wir waren nicht konsequent genug."

Die Konsequenzen der Führung lassen freilich noch weiter auf sich warten. "Wenn wir jetzt den Kopf in den Sand stecken, dann geraten unsere anderen Ziele in Gefahr", sagte Hoeneß zum Abschluss und fragte sich wohl insgeheim selbst, wie lange man den Trainer noch verlieren lassen kann.

Leverkusen - Bayern: Das Spiel in der Analyse

Werbung
Werbung
Werbung
Werbung