Sonntag, 20.04.2008

DFB-Pokal

Party "light" bei den Bayern

Berlin - Der erwartete Sieger FC Bayern feierte seinen ersten Saison-Titel mit gebremstem Schaum, die weit stimmungsvollere Party ging bei Pokal-Verlierer Borussia Dortmund ab.

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© Getty

Zwar hatte Münchens Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge nach dem 14. Cup-Erfolg des nationalen Rekordmeisters aufgefordert, "die Sau rauszulassen", doch spätestens beim Dessert mit Beeren auf Champagner-Gelee waren die Gedanken schon bei den zwei nächsten Trophäen.

"Wir dürfen es nicht übertreiben, denn wir haben am Donnerstag ein wichtiges Spiel im UEFA-Cup", sagte Oliver Kahn nach seinem sechsten Erfolg im nationalen Vereinspokal mit Blick auf das anvisierte Triple.

Erleichtert hatten die Rekord-Pokalsieger beim 2:1 (1:1, 1:0) nach Verlängerung gegen überraschend aufmüpfige und gleichwertige Dortmunder den ersten eingeplanten Titel eingestrichen. Als Kahn die zwölfeinhalb Pfund schwere Trophäe um 22.42 Uhr im goldenen Konfettiregen in den Berliner Abendhimmel reckte, empfand der 38-Jährige nicht nur eine "schöne Mischung aus Wehmut und Hochstimmung", sondern auch besonderen Dank für den Doppel-Torschützen Luca Toni.

Kahn lobt Toni

Der Italiener wird mit seiner Tor- nun offenbar auch zur Titelgarantie der Münchner. "Ich habe selten einen Stürmer erlebt, der die Chancen so kaltblütig verwertet", sagte Kahn nach einigen Weißbierduschen über den Weltmeister.

Nach 35 Toren in 41 Pflichtspielen war der vom "Titan" gepriesene Toni selbst heiß auf weitere Taten: "Fantastisch, Hammer. Jetzt versuchen wir das Triple perfekt zu machen."

Schon am Donnerstag soll der nächste Schritt mit einem erfolgreichen Hinspiel im UEFA-Pokal-Halbfinale gegen Zenit St. Petersburg folgen. Im Gegensatz zum öffentlichen Empfang des BVB im Dortmunder Rathaus wurde in München auf offizielle Feierlichkeiten verzichtet.

Gebremste Party

Kahn und Toni ließen es mit dem russischen Meister im Hinterkopf beim Pokal-Bankett in den Räumen des Hauptsponsors ruhig angehen. Dabei hatte Trainer Ottmar Hitzfeld, der mit Trophäe Nummer 16 einen Titelrekord in Deutschland aufstellte, seine Jungs bis zum Training am Montagnachmittag von der Leine gelassen.

"Wir haben erst in fünf Tagen wieder ein Spiel, von daher können wir regenerieren und die Sau rauslassen. Ab Montag gibt es nichts mehr zu feiern, weil wir uns dann wieder voll auf den Fußball konzentrieren", sagte der Disziplin-Fanatiker nach seinem dritten Erfolg in und dem Abschied von Berlin.

Die Festrede von Rummenigge glich einer Lobeshymne auf den scheidenden Hitzfeld: "Es ist ein besonderes Jahr, dass wir mit unserer Mannschaft und Dir, lieber Ottmar, erleben. Wir haben viel Geld investiert. Was die Mannschaft abliefert, ist fantastisch und macht uns alle stolz und glücklich", schwärmte Rummenigge, der im einstigen Telegrafenamt die erste Titel-Zigarre der Saison genoss und die Party für eröffnet erklärte: "Feuer frei."

BVB "Sieger der Herzen"

Wenige hundert Meter weiter wurden die nach großem Kampf knapp geschlagenen Dortmunder aufmunternd von mehreren hundert Fans empfangen. Trotz der Enttäuschung über den verpassten Coup war das Team um Mladen Petric, der mit dem Last-Minute-Ausgleich erst die Verlängerung ermöglichte, erleichtert, aber vor allem stolz.

"Ihr habt zwar keinen Pokal, aber jede Menge Sympathien gewonnen", rief Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke den müden Profis eine halbe Stunde nach Mitternacht im Ballsaal des noblen Hotels Ritz-Carlton zu - der Dank galt auch dem viel gescholtenen Trainer Thomas Doll.

Doll selbst konnte aber erst sehr viel später wieder lächeln. Zu sehr hatten die aufkommenden Gerüchte von seiner bevorstehenden Ablösung durch den Mainzer Jürgen Klopp und die Diskussion um seine Person an ihm genagt. "Ich finde es einfach respektlos, dass man sich in der heutigen Medienlandschaft selbst an einem Finaltag Gedanken über einen Trainer macht", sagte der 42-Jährige, der in den nächsten Wochen weiter auf dem Prüfstand steht.

 Zuversicht will das Team, das in der neuen Saison nach fünf Jahren in den UEFA-Cup zurückkehrt, aus dem nur knapp verpassten Pokalsieg ziehen. "Das kann eine Initialzündung für uns gewesen sein. Wir wissen, dass wir Gas geben müssen", sagte Kapitän Christian Wörns nach der guten Vorstellung, die über 10 Millionen Zuschauer am Fernsehen mitverfolgten.

Erster Titel für Klose und Poldi

Während Kahn seine reichhaltige Trophäensammlung erweiterte, gab es unter seinen Teamkollegen einige "Titel-Frischlinge". Miroslav Klose oder Lukas Podolski durften sich über die erste Club-Trophäe freuen.

"Viele haben heute zum ersten Mal einen Pokal in den Händen gehalten und ich hoffe, dass sie jetzt gierig auf weitere werden", sagte Rummenigge.

Franck Ribery war nach seinem erst zweiten Vereinstitel gar so sehr aus dem Häuschen, dass er schon vor dem offiziellen Siegerfoto mit dem "Pott" durchbrannte. Nach dem Wunsch von Manager Uli Hoeneß soll er das noch zweimal in dieser Saison tun: "Wenn wir wirklich drei Titel gewinnen sollten, das kann man im Sport nicht toppen." Die Aufschrift auf dem Bankett-Dessert "Auf zum nächsten Titel" war ganz nach seinem Geschmack.


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