Der schleichende Abgang des Thomas D.

Von Für SPOX.com in Berlin: Thomas Gaber
Sonntag, 20.04.2008 | 15:39 Uhr
Fußball, Bundesliga, DFB-Pokal, Borussia Dortmund, Thomas Doll, Michael Zorc, Jürgen Klopp, Joachim Watzke, Rauball
© Getty
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Berlin - Hans-Joachim Watzke verschwand unerkannt. Dr. Reinhard Rauball nahm den Hinterausgang. Die Dortmunder Vereinsführung gab den wartenden Journalisten im Berliner Olympiastadion keine Möglichkeit, lästige Fragen zu stellen.

Immerhin gab Manager Michael Zorc ein Statement zum schwebenden Verfahren um die Zukunft von BVB-Trainer Thomas Doll ab.

Angesprochen auf das vom Fernsehsender "N24" verbreitete Gerücht, dass Doll am Saisonende von Jürgen Klopp abgelöst werde, sagte Zorc: "Ich muss darauf nicht reagieren. Das ist ein Schneeballsystem, das sich selbst in Gang setzt. Wir haben keine Trainerdiskussion."

Die besten Bilder des Finales 

Watzke dementiert Klopp-Gerücht

Der Frage, ob man Doll versichert habe, über das Saisonende hinaus Trainer in Dortmund zu bleiben, wich der Manager aus: "Nochmal: Wir haben keine Trainerdiskussion, weder intern noch extern. Thomas Doll hat Vertrag. Schluss, Punkt."

Der wurde erst im Januar vorzeitig bis 2010 verlängert, doch Dolls vorzeitige Demission wird immer wahrscheinlicher. Im Gespräch ist eine festgeschriebe Abfindung von 450.000 Euro, für die Bundesliga eine durchaus moderate Summe. 

Zwar brach Geschäftsführer Watzke auf dem Dortmunder Bankett im Berliner Hotel Ritz-Carlton sein Schweigen und entkräftete das Klopp-Gerücht: "Da ist absolut nichts dran. Wir haben mit keinem anderen Trainer gesprochen."

Glaubt man dem Dementi, scheidet  auch der mit dem BVB in Verbindung gebrachte Frank Pagelsdorf (vorerst) aus.

Kein klares Bekenntnis

Doch wie Zorc wollte auch Watzke die Frage, ob Doll am 1. Juli noch Dortmund-Coach ist, nicht  beantworten. Ein klares Bekenntnis zum Trainer sieht anders aus. Und das Gerücht, dass Doll bereits am Donnerstag vor dem Pokal-Finale seine Entlassung mitgeteilt wurde, steht ebenfalls im Raum.

Der respektable Auftritt seiner Borussia gegen die Bayern brachte Doll zwar viel Schulterklopfen ein, doch er macht seinen Arbeitsplatz nicht sicherer.

Das ganze Hickhack um seine Person hat bei Doll tiefe Spuren hinterlassen. "Es ist wohl in der Mediengesellschaft so, dass man sogar am Pokaltag über den Trainer spekuliert. Ich halte das für respektlos", sagte er auf der Pressekonferenz nach dem Spiel.

Wörns kritisiert Kollegen

Doch Doll vermisst Wesentlicheres: die Rückendeckung der Vereinsführung. Sein Verhältnis zu Rauball und Watzke ist empfindlich gestört, daran ändert auch die gut inszenierte Umarmung von Watzke während der Siegerehrung nichts.  

Als Rauball bei der Medaillenvergabe auf Doll einredete, wirkte der Trainer reichlich desinteressiert.

Im Gegensatz zur Klubführung hat Doll in der Mannschaft noch Freunde. "In diesem Finale hat man das Potential dieser Mannschaft gesehen. Einige sollten sich hinterfragen, ob sie immer alles für diesen Verein gegeben haben", sagte Christian Wörns im Gespräch mit SPOX.com.

Gegen die Bayern hat der BVB kapiert, worum es geht und sich so teuer wie möglich verkauft. Die Katastrophen-Saison kann aber nicht mal die Tatsache, dass Dortmund in der nächsten Saison im UEFA-Cup spielt, retten. Der Eindruck monatelanger Konzeptlosigkeit auf dem Platz bleibt.

Watzke appelliert an die Mannschaft  

Schon am kommenden Freitag geht es für den BVB in Frankfurt darum, ein endgültiges Abdriften in die Abstiegszone zu vermeiden. Watzke nutzte die Gelegenheit, einen Appell an die Mannschaft zu richten: "Ich hoffe, dass ihr nun auch in der Bundesliga zeigt, wie gut ihr eigentlich seid."

Thomas Doll können aber selbst Siege nicht mehr helfen.

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