Bayern-Fans provozieren 1860

"Der Hass wurde noch mal gesteigert"

Von Thomas Gaber
Mittwoch, 27.02.2008 | 11:16 Uhr
Bayern, 1860
© Imago
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München - Der Begriff Derby geht auf die Idee von knapp 2.000 verrückten Engländern zurück.

Im 12. Jahrhundert duellierten sich die Einwohner der Grafschaft Derbyshire und Ashbourne, einem benachbarten Kaff, im Shrovetide-Fußballspiel. Es ging darum, einen Ball über ein 5 Kilometer langes Spielfeld ins gegnerische Tor zu transportieren.

Die Regelkunde war recht überschaubar. Außer Morden und fahrlässigem Töten war alles erlaubt, der Ball durfte allerdings nicht in Taschen oder Rucksäcken versteckt werden. Der Ehrenkodex verbot es den Teams zudem, Friedhöfe, Gräber, private Gärten und Gedenkstätten zu betreten, geschweige denn zu schänden. 

Mal-Attacke der Bayern-Fans

Diese Regel gilt für das 204. Münchner Derby zwischen dem FC Bayern und dem TSV 1860 München (20.30 Uhr im SPOX-TICKER) zumindest für die Roten offenbar nicht.

In der Nacht von Montag auf Dienstag verschafften sich Bayern-Fans Zugang zum Grünwalder Stadion, der heiligen Stätte der Blauen, strichen Teile der Westkurve rot-weiß an und versahen die denkmalgeschützte Anzeigentafel mit dem Schriftzug FC BAYERN.

"Das war eine gezielte Provokation und ist für einen Löwen-Fan schwierig in Worte zu fassen. Das Grünwalder ist unser Stadion. Der totale Hass auf die Roten ist dadurch natürlich noch mal gesteigert worden", sagte Steffen Kläne, 1. Vorsitzender von Pro1860, der Interessenvertretung aller Löwen-Fans, im Gespräch mit SPOX.com.

1860-Fans kündigen Vergeltung an 

In verschiedenen Internet-Foren kündigten die Fans von 1860 Vergeltung an. "Hände abhacken", "Tod und Hass" oder "Allianz-Arena-Abbruchparty" waren noch die harmlosesten Begriffe. Die Münchner Polizei wurde in erhöhte Alarmbereitschaft gesetzt. 500 Beamte werden beide Fan-Lager auf dem Weg ins Stadion begleiten.

Kläne wollte Ausschreitungen vor dem Derby trotzdem nicht ganz ausschließen, hofft aber auf die Besonnenheit der Fans. "Ich gehe davon aus, dass nichts passieren wird. Die Polizei hat entsprechende Vorkehrungen getroffen denn es hilft letztlich niemandem was, wenn die Polizei durchgreifen muss und viele, überwiegend friedliche Fans festgenommen werden."

"Es könnte knallen" 

Thomas Emmes vom Fanprojekt München erwartet allerdings Probleme: "Vor dem Spiel könnte es in der Innenstadt knallen." Ab 14 Uhr treffen sich die Bayern-Fans am Münchner Vikualienmarkt, ab 17 Uhr hat Pro1860 ein paar Hundert Meter weiter ans Sendlinger Tor geladen.

"Rote und Blaue sollten die Treffpunkte der anderen besser meiden", ließ die Münchner Polizei verlauten, die aber "auf alle Eventualitäten vorbereitet ist". Jegliches Gewaltpotential soll schon im Keim erstrickt erstickt werden.

Die Hemmschwelle der Gewalt in beiden Fan-Lagern sank in den letzten Jahren allerdings drastisch. Nach Spielen zwischen beiden Regionalligamannschaften war es immer wieder zu Ausschreitungen gekommen. 38 Löwen-Fans erhielten nach einer Straßenschlacht mit der Polizei Stadionverbote.

Besondere Brisanz 

Für Kläne hat das Pokal-Derby eine besondere Brisanz. "Das letzte Pflichtspiel war vor vier Jahren. Diese Freundschaftsderbys kann man komplett vergessen. Diesmal geht es endlich wieder um was." Für die Löwen-Fans freilich mit einem erfolgreichen Ausgang.

"Das Spiel wird über den Kampf entschieden. Unsere Jungs werden über sich hinauswachsen und die Roten werden uns unterschätzen. Wir gewinnen das Spiel. Daran gibt es überhaupt keinen Zweifel. Viele unserer Spieler sind mit dem Derby aufgewachsen und wissen, worum es geht. Die Roten können noch so viele bessere Einzelspieler haben, das wird ihnen nichts helfen", sagt Kläne.

Den Roten soll es so ergehen wie Derbyshire. Die feinen Pinkel aus der Grafschaft waren Ashbourne meist haushoch überlegen. Doch die Dorfkicker erkämpften sich den einen oder anderen Sieg.

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