Leere Worte vor dem Schicksalsspiel

Von Haruka Gruber/Oliver Wittenburg
Dienstag, 30.10.2007 | 16:09 Uhr
© Getty
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München - Es war eines jener Bekenntnisse, die im Prinzip völlig gehaltlos sind. "Mirko Slomka genießt mein vollstes Vertrauen und das des Vorstandes. Wir arbeiten sicherlich noch sehr lange mit ihm zusammen", sagte jüngst Josef Schnusenberg.

Schnusenberg mag kein Medienprofi sein, aber nach etlichen Jahren im Vorstand des FC Schalke 04 weiß auch der Klubpräsident, was nötig ist, um vor einem wichtigen Spiel wie den der Königsblauen gegen Hannover 96 in der 2. Runde des DFB-Pokals (19 Uhr im LIVE-TICKER) etwas Ruhe in den Verein zu bringen.

Ruhe, die abhanden gekommen ist, seit Schnusenberg selbst vor dem letzten Bundesliga-Spieltag gegen Werder Bremen (1:1) diese Worte diktierte: "Setzen wir die nächsten Spiele in den Sand, haben wir alle ein gemeinsames Problem."

Wobei mit "alle" insbesondere Slomka gemeint war, wie Schnusenberg freimütig zugab: "Ob ich meine Kritik am Trainer erweitern muss, werden die nächsten Wochen zeigen. Wir wollen wieder in die Champions League kommen, wir wollen international und im Pokal überwintern."

Übersetzt heißt das: Bei einem Ausscheiden gegen 96 steht Slomka erneut zur Disposition, Bekenntnis hin oder her.

Alles Wissenswerte zum Schalker Spiel und zu den sieben weiteren Pokalpartien am Dienstagabend im SPOX-Guide:

FC Schalke 04 - Hannover 96

Für Slomka war der Pokal bislang kein gutes Pflaster. Zwei Mal scheiterte er mit S04 in der zweiten Runde: 0:6 in Frankfurt noch als Co-Trainer, zuletzt 2:4 n.V. bei Zweitligist Köln. Die 96er verteilen artig Blumen vor dem Match. Trainer Dieter Hecking: "Schalke war das schwerste Los im Topf. Insofern ist das Spiel ein guter Gradmesser für uns." Im Topf waren auch noch die Bayern, Werder und der HSV, aber das nur nebenbei...

Karlsruher SC - VfL Wolfsburg

In einer ansonsten traumhaften Saison gab's den ersten Schicksalsschlag für den KSC. Bei Torhüter Markus Miller bestätigte sich der Verdacht auf Kreuzbandriss. Jetzt muss es der in Sachen Profi-Fußball fast völlig unbeleckte Franzose Jean-Francois Kornetzky richten. Wolfsburg hat nach den zuletzt guten Ligaergebnissen die Saisonziele neu definiert. Marcelinho: "Wir können die Champions League erreichen. Das ist mein voller Ernst. Alte und neue Spieler wachsen immer besser zusammen. Wir können hier was erreichen."

Hansa Rostock - Kickers Offenbach

Offenbach ist vielleicht nicht unbedingt ein Angstgegner für Hansa, aber in den wenigen Spielen, die es bislang zwischen beiden Teams gab, haben sich die Kickers meist gut aus der Affäre gezogen. Dreimal begegnete man sich schon in Rostock, zweimal gewannen dabei die Gäste - einmal in der Zweitliga-Saison 05/06, einmal im DFB-Pokal in der gleichen Spielzeit. Da war das immerhin ein Achtelfinale, und Offenbach kam nach Elfmeterschießen weiter. Ob die Kickers, die in den letzten fünf Spielen nur zwei Punkte holten und in der 2. Liga von Platz drei auf elf durchgereicht wurden, allerdings für eine Überraschung gut sind, darf bezweifelt werden.

Wuppertaler SV - Hertha BSC Berlin

Vielleicht schafft die aber der Wuppertaler SV. Immerhin hat man am Wochenende Cottbus II in der Regionalliga Nord mit 1:0 bezwungen und damit einen Negativlauf von drei Pleiten am Stück gestoppt. Auch die Hertha ist in die Erfolgsspur zurückgekehrt. Dem 2:0 über Bochum am Samstag gingen vier Spiele mit der Ausbeute von nur einem Punkt voraus. Gegen Wuppertal wird's unter Umständen trotzdem nicht einfach, weil neben Pechvogel Lucio auch Gilberto (Wadenprobleme) und Pantelic (Oberschenkel) auszufallen drohen.

Alemannia Aachen - VfL Bochum

Um den Negativlauf der letzten acht Pflichtspiele (2 Remis, 6 Niederlagen) zu unterbinden, setzt Bochums Trainer Marcel Koller auf eine einfaches Rezept: "Ball annehmen. Passen. Laufen. Aber nicht dribbeln und den Zauberpass spielen wollen. Jetzt heißt es nur noch Ärmel hochkrempeln und den Platz umpflügen! Und zwar für jeden!" Da Kollers Pendant Guido Buchwald in etwa dasselbe predigt - "Wir werden aggressiv nach vorne agieren, versuchen das Spiel von Beginn an offensiv zu gestalten und aktiv zu bestimmen" -, könnte es einen echten Pokalfight geben.

1899 Hoffenheim - SpVgg Greuther Fürth

Wie das Spiel laufen wird, ist vorher schon klar: Fürth geht 2:0 in Führung, Hoffenheim kämpft sich heran und schafft kurz vor Schluss den Ausgleich. So war das zuletzt immer in den Ligaspielen. Allerdings immer auswärts und nun spielt die Truppe von Ralf Rangnick ja daheim und außerdem ist Pokal und der hat sowieso seine eigenen Gesetze. Ein einziges Mal übrigens gab es Hoffenheim gegen Fürth schon mal. 2002 war das, erste Pokalrunde. Hoffenheim gewann 4:1 und lag dabei nicht einmal zurück.

TSV 1860 München - 1. FSV Mainz 05

Gern üben sich Trainer in Fußball-Deutschland in Understatement, was man vielleicht nachvollziehen kann, aber nicht gut finden muss. Eine lobenswerte Ausnahme bildet aber Löwen-Coach Marco Kurz, der vor der Partie gegen Mainz mit der Parole überraschte, "dass das Finale unser Endziel sein muss". Den Münchener Durchmarsch ins Finale verhindern wollen Jürgen Klopp und seine Mannen. Im Liga-Vergleich vor einigen Wochen hat der FSV beim 3:0 den Bayern klar die Grenzen aufgezeigt. Ob das wieder gelingt? Mit Milorad Pekovic fällt ein wichtiger Mittelfeldspieler kurzfristig bei den Mainzern aus. Dafür kehrt allerdings der beste FSV-Torjäger dieser Saison, Daniel Gunckel (6 Treffer), ins Team zurück.

Werder Bremen II - FC St. Pauli

Nach seinem erfrischenden Saisonstart holte der FC St. Pauli nur einen Sieg aus den letzten sechs Spielen. Vor allem in der Offensive drückt der Schuh, wo es an Inspiration und Durchschlagskraft mangelt. Von Mangel kann bei Werder II keine Rede sein, insbesondere was die Abteilung Attacke betrifft. Da stehen Trainer Thomas Wolter ausnahmslos Spieler mit UEFA-Cup, Champions-League-, ja sogar WM-Erfahrung zur Verfügung. Schindler und Harnik werden wohl anfangen, gut möglich, dass Ivan Klasnic den Joker gibt.

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