Beck schießt DFB-Youngster ins Finale

Von Florian Bogner / Stefan Rommel
Freitag, 26.06.2009 | 22:44 Uhr
Deutschlands U-21-Team steht im Finale der Europameisterschaft 2009
© Getty

Die deutsche U 21 hat erstmals seit 1982 wieder ein EM-Finale erreicht! Dank eines Tores des Hoffenheimers Andreas Beck (48.) siegte die Elf von Trainer Horst Hrubesch in Helsingborg mit 1:0 (0:0) gegen Italien.

Nach einer klar unterlegenen ersten Halbzeit war das Tor des Rechtsverteidigers Beck praktisch die erste gefährliche Offensivaktion des DFB-Nachwuchs' gewesen. Anschließend rettete die deutsche Abwehr gegen die immer müder werdenden Italiener den knappen Vorsprung über die Zeit.

"In der Defensive haben wir sehr gut gestanden. Bei meinem Tor habe ich nur den Torhüter vor mir gesehen und einfach abgezogen. Das ist ein Wahnsinnsgefühl", sagte Torschütze Beck. "Wir hatten Manu und etwas Glück. Er ist ein Ausnahmetorhüter", sagte Trainer Horst Hrubesch und gab gleich die Losung für das Endspiel aus: "Jetzt wollen wir auch das Finale gewinnen."

Am Montag gegen England

Gegner im Finale am Montag ist England, dass Gastgeber Schweden mit 8:7 (3:3, 3:3, 3:0) nach Elfmeterschießen aus dem Turnier warf. Dann hat das DFB-Team die historische Chance den Titel-Hattrick perfekt zu machen. Die U 19 (2008) und die U 17 (2009) sind derzeit amtierene Europameister.

Die Briten waren auch Gegner bei der bisher einzigen Final-Teilnahme 1982, als ein Team um Lothar Matthäus, Rudi Völler und Pierre Littbarski nach Hin- und Rückspiel unterlag (1:3 und 3:2).

In der Vorrunde hatte sich Deutschland gegen England im letzten Spiel ein 1:1-Unentschieden erkämpft.

Der SPOX-Spielfilm:

Vor dem Anpfiff: Deutschland muss auf Kapitän Sami Khedira (Wade) verzichten. Ihn ersetzt Fabian Johnson, dazu kehrt Marko Marin für Patrick Ebert in die Startelf zurück. Links hinten ist Sebastian Boenisch wieder fit, er ersetzt Marcel Schmelzer.

Bei Italien fehlen in Paolo De Ceglie (verletzt) und Claudio Marchisio (Gelbsperre) zwei Drittel des Stamm-Mittelfelds. Dafür ist Mario Balotelli nach abgesessener Rotsperre im Angriff zurück.

7.: Giovinco zieht aus 20 Metern ab, der Ball flattert ein wenig, kommt aber genau auf Neuer. Der wehrt mit den Fäusten zur Ecke ab.

8.: Ecke Giovinco von rechts, Kopfball Motta an die Latte! Neuer reißt die Arme hoch, ist auch noch irgendwie dran. Beck klärt schließlich für die deutsche Defensive.

18.: Wieder Ecke Giovinco, wieder ist Motta mit dem Kopf da. Neuer kratzt den Ball von der Linie, Acquafresca fummelt den Nachschuss abgefälscht per Bogenlampe auf die Latte.

20.: Gelb für Dejagah. Er lässt sich im Strafraum der Italiener fallen - klare Schwalbe und zu Recht Gelb. Damit ist Dejagah im nächsten Spiel gesperrt.

44.: Schon die achte Ecke für Italien - und wieder wird's brandgefährlich. Bocchetti kommt aus der zweiten Reihe zum Schuss und Marin klärt auf der Linie.

Halbzeitfazit: Deutschland klar unterlegen, hat den italienischen Angriffen über die agilen Giovinco und Balotelli nur wenig entgegen zu setzen. Auch bei Standards brennt es immer wieder lichterloh.

48., 0:1, Beck: Aus heiterem Himmel! Beck hält von halbrechts aus etwa 25 Metern drauf, der Ball fliegt in Richtung langes Eck und setzt kurz vor dem Tor noch auf. Consigli kommt nicht heran. Schöner Schuss, aber nicht ganz unhaltbar!

54.: Marin muss nach einem Foul behandelt werden - es geht nicht weiter! Ben-Hatira kommt.

73.: Italien macht Druck, wieder gibt's Ecke und wieder rettet die deutsche Abwehr nach einem Kopfball von Andreolli erst auf der Linie.

78.: Freistoß für Italien. 28 Meter vor dem Tor nimmt Balotelli Maß. Der Ball fliegt aufs linke Eck, aber Neuer ist wieder da. Schön pariert!

82.: Cigarini schlägt einen Freistoß an den Elfmeter-Punkt. Dort steigt Andreolli am höchsten und köpft den Ball um Zentimeter am rechten Pfosten vorbei.

90.+2: Indirekter Freistoß aus 35 Metern. Balotelli zieht direkt ab und Neuer drischt den Ball mit dem Fuß in den Himmel. Wenn ihm der über den Schlappen rutscht, dann zählt das Tor...

Schlussfazit: Über das wie fragt später keiner mehr: Deutschland steht im Finale - wenn auch mit viel Glück...

So diskutierten die SPOX-User während des Spiels

Der Star des Spiels: Benedikt Höwedes spielt selten spektakulär - gegen die Italiener aber mit einer überragenden Vorstellung und deshalb auffälligster deutscher Feldspieler. Der Schalker riegelte zusammen mit Boateng die Mitte ab, antizipierte überragend, stopfte Löcher und stellte Passwege zu. Die wenigen Zweikämpfe, die ihm dann doch noch aufgezwungen wurden, handelte er ruhig und abgeklärt ab und blieb immer Sieger. Einfach famos.

Die Gurke des Spiels: Ashkan Dejagah. Der Wolfsburger brachte sich mit einer unnötigen Schwalbe selbst ums Finale.

Die Pfeife des Spiels: Pedro Proenca. Der Portugiese leitete die Partie umsichtig und hatte bei Dejagahs Fall auch keine andere Wahl, als Gelb zu zücken. Insgesamt eine sehr unauffällige Spielleitung - bei einem Schiedsrichter immer top.

Die Lehren des Spiels: Deutschland kultiviert seinen Minimalstil weiter und steht doch etwas überraschend im Finale. Das Team hat bisher bis auf eine Halbzeit gegen Spanien noch gar nicht überzeugt - was auf der einen Seite ein unbefriedigender Zustand ist. Andererseits aber ist es auch eine große Qualität, trotz vieler Spieler unter Normalform so weit zu kommen.

Das Dreieck Neuer, Boateng, Höwedes steht im Zentrum bombensicher und vorne hilft eine Brise Özil. Ein bisschen erinnert der Auftritt der DFB-Auswahl an den Weg Griechenlands bei der EM 2004 - und wie der endete, ist bekannt. Trotzdem bleiben zwei ganz große Baustellen bis zum Endspiel gegen England.

Das Angriffsspiel war vor allem in der ersten Halbzeit geprägt von Hektik, unzähligen Ballverlusten und technischen Fehlern. Deutschland brachte erneut kaum Linie in seine Aktionen und hatte bis auf zwei Fernschüsse keine einzige Möglichkeit.

Absolut ungenügend bleibt das Defensivverhalten bei Standards: So gut wie jeder Eckball, Freistoß oder sogar Einwurf, der in den deutschen Strafraum segelte, fand einen italienischen Abnehmer. Besonders die aufgerückten italienischen Verteidiger fanden keine Zuordnung im deutschen Team.

Nur mit Glück und Neuer allein wird das nicht noch einmal gut gehen - schon gar nicht gegen England, die gefährlichste Mannschaft des Turniers bei ruhenden Bällen.

England duselt sich ins Finale

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