U 21: Deutschlands EM-Helden in der Einzelkritik

Und einer schrieb Geschichte

Von Florian Bogner
Dienstag, 30.06.2009 | 21:25 Uhr
Das Mannschaftsfoto vor dem U-21-Finale: In dieser Aufstellung holte die deutsche U 21 den EM-Titel
© Getty
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Deutschland ist zum ersten Mal in der Geschichte U-21-Europameister. Wer waren die Stützen der Mannschaft? Wer war die Entdeckung des Turniers? Wer schafft den Durchbruch auch bei Jogi Löw. Die EM-Helden in der Einzelkritik.

TOR

Manuel Neuer (23, 450 Minuten): War mit nur einem Gegentor der Keeper des Turniers - manchmal auch mit Glück. "Selbst bei abgefälschten Bällen steht er in der richtigen Ecke", sagte Trainer Hrubesch, der ihn liebevoll Manu rief. Ist der U 21 mit diesem Turnier entwachsen - jetzt heißer Kandidat für die WM 2010.

Florian Fromlowitz (22, 0 Minuten): Born to be Number 2 - trotz Ehrmann-Schule. 2006 hinter Michael Rensing EM-Bankdrücker, diesmal hinter Neuer gebencht. In Hannover sitzt ihm Robert Enke vor der Nase. Beendete seine DFB-Jugendkarriere mit einer Wasserdusche für Hrubesch und war beim Grölen bei den Feierlichkeiten erste Liga.

Tobias Sippel (21, 0 Minuten): Vom Boulevard "Beckham der Pfalz" getauft, weil mit der Schönheitskönigin Gloria Bormann liiert. Bei der EM allerdings ein typischer dritter Keeper: hinsetzen, Mund halten. Auch ein Ehrmann-Jünger, rangelt beim FCK mit dem US-Amerikaner Luis Robles um die Nummer 1. Da Neuer und Fromlowitz ausscheiden, die kommende Nummer 1 der U 21.

ABWEHR

Andreas Beck (22, 450 Minuten): Titelerprobt wie kein anderer Hrubesch-Bubi: Gewann mit dem VfB B-, A-Jugend- und Bundesliga-Meisterschaft und gilt beim DFB als kommender Mann auf der rechten Seite. Traf die Italiener im Halbfinale mit sibirischer Kälte ins Mark.

Jerome Boateng (20, 450 Minuten): Die Entdeckung des Turniers. Spielte im Abwehrzentrum robust, aber stets fair und war in der Spieleröffnung sachlich und präzise. Beim HSV gerne mal undiszipliniert, hatte sein Auftritt bei der EM fast schon was von der Abgeklärtheit eines Mertesackers.

Benedikt Höwedes (21. 450 Minuten): Köpfte die U 21 mit seinem Tor gegen Frankreich überhaupt erst zur EM und war auch hier gegen Finnland mit Hrubesch'scher Kopfballpräzision am Werk. Ansonsten kongenialer Defensivpartner von Boateng und Hrubeschs Sprachrohr auf dem Platz. Pikant: Teilte sich als Schalker ein Doppelzimmer mit dem Dortmunder Hummels.

Sebastian Boenisch (22, 218 Minuten): Verletzte sich im ersten Spiel, konnte dafür immerhin als einziger Midsommar feiern. Stand ab dem Halbfinale wieder links hinten in der Startelf. In der Defensive manchmal etwas tapsig, aber grundzuverlässig. Könnte in Zukunft allerdings für Polen spielen.

Mats Hummels (21, 84 Minuten): War fast zehn Monate verletzt, stand dann aber im Endspiel urplötzlich in der Startelf. In Dortmund als Innenverteidiger eine Hausnummer, gegen England als Mittelfeldabräumer der heimlicher Star des Finals.

BVB-Coach Klopp meinte während dessen Verletzung: "Wir werden auf ihn warten wie eine Ehefrau, die auf ihren Mann im Knast wartet."

Marcel Schmelzer (21, 233 Minuten): Mr. Alternative. In Dortmund profitierte er letzte Saison von Dedes Verletzung, bei der EM von Boenischs Malheur gegen Spanien. Solider Linksverteidiger ohne große Mätzchen. Es wird sich schon mal wieder jemand verletzen.

Daniel Schwaab (20, 21 Minuten): Der Neu-Leverkusener kann hinten rechts und innen, verlor aber vor dem Turnier seinen Stammplatz und bekam ihn auch nicht wieder. Im Finale als Entlastung eingesetzt, sonst Bankwärmer.

MITTELFELD

Sami Khedira (22, 360 Minuten): Der Kapitän sagte vorher: "Wir werden Europameister" und hielt Wort. In der Vorrunde fahrig, im Halbfinale verletzt, im Finale aber endlich die erhoffte Führungsfigur - auch dank Systemumstellung und etwas offensiverer Rolle. Im Blickfeld von Jogi Löw.

Dennis Aogo (22, 238 Minuten): Bildete in der Vorrunde mit Khedira die Doppel-Sechs, konnte dort aber nur bedingt überzeugen. Deswegen in Halbfinale und Finale nur auf der Bank. Ist mit nunmehr 25 U-21-Einsätzen der Erfahrenste.

Gonzalo Castro (22, 446 Minuten): 2006 schon dabei und mit zwei Toren absoluter England-Schreck. Spielte eine deutlich offensivere Rolle als im Verein und machte mit insgesamt vier Scorerpunkten auf sich aufmerksam. Darf sich bei Leverkusen jetzt mit Schwaab rechts hinten duellieren.

Fabian Johnson (21, 159 Minuten): In der Vorrunde Tourist im Trainingsanzug, rutschte wegen Verletzungen aber in Halbfinale und Endspiel in die Startelf und machte seine Sache trotz Störfeuer aus der Heimat durch das Wechselhickhack zwischen 1860 und Wolfsburg ordentlich.

Marko Marin (20, 204 Minuten): Zunächst von der Hängepartie seines Wechsels nach Bremen gehandicapt, später durch eine Fußverletzung fürs Finale außer Gefecht gesetzt. War ungekrönter König der von nahezu allen Spielern kultivierten Aussage: "Ich muss den Kopf frei haben." Am Ende ohne Vorlage und Tor.

Änis Ben-Hatira (20, 156 Minuten): Der Joker. Kam dreimal von der Bank und spielte nur in der Vorrunde gegen England von Beginn an im linken Mittelfeld. Technisch eher begrenzt, aber mit unglaublichem Einsatzwillen. Muss beim HSV wie in der U 21 um Einsatzzeit kämpfen.

Patrick Ebert (22, 133 Minuten): Mit seinem Tor in der Quali gegen Nordirland begann 2007 die Titelmission. Wenn er nicht gerade mit Jeromes Bruder Kevin-Prince Boateng um die Häuser zieht, ein angenehmer Zeitgenosse, der sich ohne Murren auf die Bank setzte. Stand einmal in der Startelf.

Daniel Adlung (21, 0 Minuten): Vor der letzten Saison von Fürth nach Wolfsburg gewechselt, dort aber nur Reserve-Spieler. War auch in Schweden nur eine Randnotiz.

Dennis Grote (22, 0 Minuten): Der Bochumer wollte sich für mehr Einsatzzeit im Verein bewerben, kam bei der EM aber wie zuletzt auch beim VfL auf exakt null Minuten. Kann in Zukunft wegen seines Alters nicht mehr U 21 spielen - und hat auch keine ausländischen Vorfahren.

ANGRIFF

Chinedu Ede (22, 0 Minuten): Teil der mittlerweile in alle Winde zerbröselten Hertha-Connection um die Boatengs, Ebert und Dejagah, bei der EM jedoch nicht auf dem Platz gebraucht.

Ashkan Dejagah (22, 356 Minuten): War neben Özil im Angriff gesetzt, traf gegen Finnland auf Vorlage des Bremers und nahm sich dann mit einer Schwalbe gegen Italien selbst aus dem Turnier. Der Lohn: Logenplatz fürs Finale und ein deftiger Einlauf von Hrubesch.

Mesut Özil (20, 444 Minuten): Der Schulkamerad von Neuer war mit vier Assists der Top-Vorbereiter des Turniers, hätte aber deutlich mehr als nur ein Tor erzielen können. Dennoch das Hirn der deutschen Offensive, wenn sich seine genialen Momente auch mit einigen Phasen der schöpferischen Ruhe abwechselten. Hat die Stärken am Ball und nicht vor dem Mikrofon.

Sandro Wagner (21, 99 Minuten): Zuerst von Hrubesch geschmäht, im Finale dann Fremdkörper mit einer unfassbar fahrlässig vergebenen Chance - und dann doch mit zwei Toren. Geht mit der Torquote von 1,82 Treffer pro 90 Minuten in die EM-Geschichte ein.

Horst Hrubesch (58): Vaterfigur und Motivator für die Spieler, von den Medien zuerst kritisch und später überschwänglich beurteilt.

Das Schlusswort zu Hrubesch gebührt Neuer: "Dieser Trainer war wie ein Freund. Er hat uns angeschnauzt und sofort wieder aus dem Dreck gezogen. So habe ich das noch nie erlebt." Hrubesch wird nach dem Turnier für Rainer Adrion Platz machen und nun die U 20 betreuen.

Deutschland ist Europameister - die Reaktionen auf den Triumph gegen England

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