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Das neue, ungute Gefühl

Mittwoch, 16.11.2016 | 14:38 Uhr
Die deutsche Nationalmannschaft schied im EM-Halbfinale aus

Deutschland präsentierte sich in diesem Jahr gefestigt wie selten und dominiert die EM. Dennoch steht die Löw-Elf am Ende mit leeren Händen da. Ein Gefühl, dass das Team so noch nicht kannte. Bei der WM 2018 soll ein Deja-vu tunlichst vermieden werden. Dafür werden derzeit sämtliche Weichen gestellt. Ein Fazit des DFB-Länderspieljahres 2016.

Sportliches Fazit: Die Krönung bleibt aus

Beim kurzen Blick auf die Zahlen sieht das Jahr 2016 für den DFB durchaus erfolgreich aus. Insgesamt 16 Spiele absolvierte die Löw-Elf, alleine elf Mal hieß der Sieger der Partie am Ende Deutschland. Neben den zwei Unentschieden gab es zudem lediglich drei Pleiten: Zum Jahresauftakt gegen England (2:3), bei der Wasserschlacht gegen die Slowakei (1:3) und jenes bittere EM-Spiel am 7. Juli im Stade Velodrome in Marseille (0:2). Die ersten beiden Spiele waren Testspiele, in der teilweise experimentiert wurde oder unter regelwidrigen Bedingungen gespielt wurde. Doch vor allem die Pleite im EM-Halbfinale verhagelt die komplette Jahresstatistik.

Die deutsche Mannschaft erspielte sich gegen Gastgeber Frankreich ein deutliches Übergewicht, einzig der Ball wollte nicht über die Linie. Trotz der aus deutscher Sicht beeindruckenden Dominanz stand am Ende das Aus. Ein Gefühl, das die Mannschaft bisher so nicht kannte. "Wir hatten nicht das notwendige Glück. Als wir 2010 und 2012 ausgeschieden sind, hatten uns die Mannschaften etwas voraus. Heute hatten wir den Franzosen etwas voraus", erklärte der Bundestrainer Joachim Löw.

Von sämtlichen Seiten war deshalb von einem "sehr guten", aber eben nicht von einem "perfekten" Jahr die Rede. "Im Fußball steht das Ergebnis über allem. Dementsprechend können wir nicht hundertprozentig zufrieden sein. Es war gemessen an den Erfolgen kein toller Sommer", sagte auch Thomas Müller zum Abschluss des Länderspieljahres.

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Der Stachel nach dem verlorenen Halbfinale saß vor allem beim Bundestrainer tief. "Massiv enttäuscht" sei er gewesen. Deshalb zog sich der 56-Jährige nach dem Turnier komplett aus der Öffentlichkeit zurück und versuchte, die Akkus wieder aufzuladen. Als er zum ersten WM-Quali-Spiel in Norwegen wieder auftauchte, wirkte alles noch unausgegoren. Das Turnier wurde taktisch und spielerisch noch nicht analysiert, sodass Löw zugeben musste, dass das Team "ein bisschen aus der kalten Hose" spiele.

Dennoch hob er den Zeigefinger und setzte seine Mannschaft unter Druck: "Dieses Mal möchte ich nicht so eine durchwachsene Quali haben, wie es die letzte vielleicht war. Unsere Erwartungen sind klar an die Mannschaft gerichtet". Das Team lieferte. Denn anders als nach dem WM-Sieg 2014 blieb der deutsche Turnierkater komplett aus. Damals hatte Deutschland nach drei Spieltagen lediglich magere vier Punkte auf dem Konto. In der Quali zur WM 2016 pflügt sie derzeit in erfrischend dominanter Manier durch die Gruppe: vier Spiele, vier Siege, ein Torverhältnis von 16:0.

Auch bei noch sechs offenen Partien ist den Deutschen der Gruppensieg eigentlich nicht mehr zu nehmen. "Vor allem der Start nach der EM macht unglaublich Freude. Es war ein neuer Zug drin", erklärte Mats Hummels den Erfolg. Diese Überlegenheit bringt enorme Vorteile mit sich. Löw kann ohne Druck neue Systeme und junge Talente testen. Denn beim DFB sind bereits jetzt alle Augen auf die Titelverteidigung gerichtet.

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