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Abreibung für den Angstgegner

Dienstag, 29.03.2016 | 22:35 Uhr
Mario Götze erzielte das 2:0 gegen Italien
© getty
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Die deutsche Nationalmannschaft hat ihr letztes Testspiel vor der Nominierung des vorläufigen EM-Kaders gewonnen. Gegen Italien setzte sich das Team von Bundestrainer Joachim Löw mit 4:1 (2:0) durch.

Vor 62.653 Zuschauern in der Münchner Allianz Arena brachte Toni Kroos den überlegen agierenden Weltmeister in Führung (24.). Mario Götze erhöhte mit seinem 17. Tor im 50. Länderspiel kurz vor der Pause auf 2:0.

Nach der Pause traf Jonas Hector erstmals für Deutschland (59.), Mesut Özil legte per Foulelfmeter nach. Dem eingewechselten Stephan El Shaarawy gelang nur noch der Ehrentreffer (83.). Für Deutschland war es der erste Sieg über Italien seit 1995 und der höchste seit 1939 (5:2).

Das DFB-Team in der Einzelkritik: Starke Offensive - Rudy nutzt Chance

Reaktionen:

Joachim Löw (Bundestrainer): "Heute haben wir insgesamt clever gespielt, gut verteidigt und gute Angriffe nach vorne gezeigt. Mesut Özil und Toni Kroos haben ihre Sache im defensiven Mittelfeld sehr gut gemacht. Alle Spieler haben ihre Aufgabe sehr gut erfüllt."

Mats Hummels: "Heute haben wir gesehen, was passiert, wenn wir mit der richtigen Mentalität auf den Platz gehen. Das hat heute gepasst. Unsere variable Fünferkette hat gut funktioniert."

Toni Kroos: "Wir wollten aus einer kompakten Defensive kommen, das ist heute ganz gut gelungen. Sicher war es gut, dass wir ein anderes Gesicht gezeigt haben als gegen England. Freundschaftsspiel hin oder her, das interessiert mich nicht. Ich will jedes Spiel gewinnen."

Mario Götze: "Ich bin sehr glücklich. Für mich war es wichtig, wieder spielen zu können. Ich habe es vermisst. Es ist super, dass der Trainer mir das Vertrauen gegeben hat. Das war ein tolles Gefühl, wieder auf dem Platz zu stehen."

Der Spielfilm:

Vor dem Anpfiff: Löw nimmt fünf Veränderung in der Startelf im Vergleich zum 2:3 gegen England vor: ter Stegen, Mustafi, Rudy, Götze und Draxler beginnen. Müller ist Kapitän.

Auch Italien mit fünf Neuen im Vergleich zum 1:1 gegen Spanien: Zaza, Insigne, Acerbi, Montolivo und Bernadeschi sind neu in der Mannschaft.

24., 1:0, Kroos: Özil mit einem guten Ball hinter die Abwehr auf rechts zu Müller. Dessen flache Hereingabe spitzelt Bonucci ins Zentrum auf Kroos, der aus 20 Meter mit der Innenseite rechts unten einschiebt.

45., 2:0, Götze: Müller hat am rechten Strafraumeck einen Moment zu viel Platz und hebt den Ball aus der Drehung in den Strafraum. Darmian und Florenzi stehen schlecht gegen Götze, der aus acht Metern mit dem Kopf ins rechte Eck trifft.

48.: Insigne mit einem geschickten Heber in den Lauf von Montolivo. Der nimmt den Ball am Strafraum mit der Brust mit, stochert ihn aber von halbrechts aus 14 Metern mit links am Tor vorbei.

59., 3:0, Hector: Überragende Aktion von Draxler gegen drei Mann. Götze spielt mit der Hacke Doppelpass, Bonucci ist eigentlich schon am Ball, bleibt aber im Rasen hängen und Draxler hat so frei Bahn Richtung Tor. Querpass auf links im Strafraum auf Hector, der aus zehn Metern rechts unten ins leere Tor einschiebt. 1. Länderspieltor.

61.: Bonucci hat sich bei der Situation wohl im Adduktorenbereich verletzt und muss ausgewechselt werden.

68.: Motta mit dem langen Ball aus dem linken Halbfeld hinter Mustafi. Zaza nimmt den Ball gut mit und zieht im Strafraum von links aus spitzem Winkel ab - einen Meter drüber.

75., 4:0, Özil (FE): Langer Ball von Kroos in den Strafraum. Rudy nimmt ihn sehr gut mit, umkurvt Buffon und wird vom Torhüter gelegt. Den fälligen Strafstoß verwandelt Özil souverän hoch in die Mitte.

77.: Freistoß der Italiener von links. Am zweiten Pfosten kommt Jorginho an den Ball, sein Schuss geht aber knapp rechts unten vorbei.

83., 4:1, El Shaarawy: El Shaarawy hat halbrechts an der Strafraumgrenze zu viel Platz und hält einfach mal drauf. Rüdiger grätscht rein und fälscht den Schuss unhaltbar für ter Stegen ins eigene Tor ab.

Fazit: Guter Auftritt des Weltmeisters gegen eine in der ersten Halbzeit viel zu passive italienische Mannschaft.

Der Star des Spiels: Mesut Özil. Auf ungewohnter Position im zentral-defensiven Mittelfeld mit starker Leistung. Sorgte für Sicherheit im Aufbau, löste viele Situationen geschickt auf, leitete das 1:0 mit einem klugen Pass auf Müller ein und arbeitete auch diszipliniert nach hinten. Wurde mit seinem Elfmetertreffer für seinen Auftritt belohnt.

Der Flop des Spiels: Leonardo Bonucci. Nach dem bitteren Aus mit Juventus der nächste gebrauchte Abend für den Verteidiger in der Arena. Legte unglücklich das 1:0 von Kroos auf und blieb vor dem 3:0 im Rasen hängen, als er den Ball eigentlich locker hätte abfangen können. Verletzte sich zudem bei dieser Aktion.

Der Schiedsrichter: Oliver Drachta (Österreich). Souveräne Leitung ohne große Probleme in einem über weite Strecken fairen Testspiel. Ließ beim Elfmeterfoul von Buffon an Rudy Gnade vor Recht ergehen und zeigte keine Karte.

Das fiel auf:

  • Beide Mannschaften mit einer ähnlichen Grundformation im 5-4-1 defensiv, das sich in der Offensivbewegung in ein 3-4-3 verwandelte. Ohne Schweinsteiger und Khedira Deutschland dieses Mal mit Kroos und Özil im zentralen Mittelfeld. Das tat dem Aufbau der DFB-Elf gut, allerdings setzten die Italiener die deutschen Aufbauspieler auch weniger unter Druck als die Engländer am Samstag.
  • Das Zentrum machte auch den Unterschied zu den Italienern, wo Motta und Montolivo eher verwalterisch aktiv waren und das Offensivspiel nicht vernünftig lenken konnten. Dadurch hatte die Squadra große Probleme, sich vor das deutsche Tor zu kombinieren. Deutschland dagegen mit mehr Variabilität und Ballsicherheit.
  • Italien nach dem Seitenwechsel aktiver, aggressiver und mutiger. Die Deutschen konnten ihr Spiel nicht mehr so unbehelligt aufziehen, Italien gewann mehr Zweikämpfe. Allerdings dann auch mit ungewohnten einfachen Fehlern in der Defensive, wie vor dem dritten und vierten Gegentreffer.
  • Götze konnte Selbstvertrauen tanken. Der Münchner kam zwar in beiden Spielen nicht mal auf 90 Minuten Einsatzzeit, zeigte aber nach seinem Treffer, wie gut ihm dieses Erfolgserlebnis getan hat. Wirkt nach seiner Verletzungspause noch immer nicht spritzig, war aber sehr bemüht. Ließ sich tief fallen, um am Spiel teilzunehmen und ging auf Außen, um dort ins Dribbling zu kommen.

Deutschland - Italien: Daten zum Spiel

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