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Fussball

Argentinien fertigt den Weltmeister ab

Deutschlands letzte Niederlage datierte vom 2. Juni 2013 beim 3:4 gegen die USA
© getty

In der Neuauflage des WM-Finals 2014 hat Argentinien 52 Tage nach dem verlorenen Endspiel im Maracana die DFB-Elf deutlich mit 4:2 (2:0) geschlagen. Für Deutschland bedeutet dies die erste Niederlage nach zuvor 18 ungeschlagenen Spielen.

Vor 51.132 Zuschauern in der ausverkauften Esprit-Arena in Düsseldorf ging Argentinien durch Sergio Agüero in Führung (20.). Fünf Minuten vor der Pause erhöhte Erik Lamela auf 2:0 für die Gäste.

Zu Beginn der zweiten 45 Minuten gab es ein wahres Torfestival zu bestaunen: Zunächst gelang der Albiceleste durch Federico Fernandez (47.) und Angel di Maria (50.) ein schneller Doppelschlag, dann traf Andre Schürrle für Deutschland (52.). Mario Götze verkürzte in der 78. Minute auf 2:4.

Durch die erste deutsche Niederlage seit Juni 2013 (3:4 gegen die USA) griff auch das Gesetz der Serie: Denn während Bundestrainer Joachim Löw mit seinem Team beide WM-Spiele gegen die Südamerikaner (Finale 2014, Viertelfinale 2010: 4:0) gewann, verlor Deutschland die beiden letzten Testspiele gegen Argentinien (2010: 0:1, 2012: 1:3).

Julian Draxler wurde noch im Laufe der ersten Halbzeit vorsichtshalber gegen Lukas Podolski ausgewechselt. Der Schalker hatte sich bei einem Luftzweikampf am rechten Oberschenkel weh getan und fällt wie Mats Hummels sowie Mesut Özil für das EM-Qualifikationsspiel gegen Schottland am Sonntag aus.

Reaktionen:

Joachim Löw (Bundestrainer): "Wir haben in der Defensive den einen oder anderen Fehler gemacht, und diese Fehler wurden direkt bestraft. Viele Spieler haben so noch nie zusammengespielt und daher muss man das so akzeptieren. Man hat gesehen, wie eng die Weltspitze zusammen ist. Argentinien ist eine Weltklasse-Mannschaft. Sonntag geht es für uns los, dann müssen wir gewinnen. Ich muss noch den einen oder anderen Spieler nachnominieren. Ich denke, dass Mats Hummels möglicherweise nicht ganz fit wird."

Lukas Podolski: "Wir sind natürlich enttäuscht, ganz klar. Viele Spieler sind noch nicht so lange im Training. Wir wollten aber unbedingt gewinnen. Aber wichtiger wird das Spiel gegen Schottland. Jetzt müssen wir uns auf die Partie in der EM-Qualifikation vorbereiten."

Mario Gomez: "Für mich war es nach dieser langen Zeit schön, wieder dabei zu sein. Es ist immer eine große Ehre, für Deutschland zu spielen. Daher bin ich motiviert ins Spiel gegangen. Wir haben zwei ausgeglichene Mannschaften gesehen. Am Ende haben wir zwei Tore gemacht, es hätten noch zwei mehr sein können. Im Fußball geht es immer weiter, auch für mich. Ich werde jetzt versuchen, in den zwei nächsten Jahren möglichst viel zu spielen."

Der SPOX-Spielfilm:

Vor dem Anpfiff: Deutschland mit nur einem Bayern-Spieler in der Startelf - Neuer steht im Tor. Die Viererkette besteht aus drei Dortmundern: Durm verteidigt links, Großkreutz rechts und Ginter neben Höwedes in der Mitte. Im Sturm feiert Gomez nach über einem Jahr Abstinenz (zuletzt im August 2013 beim 3:3 gegen Paraguay dabei) sein DFB-Comeback.

Der neue Argentinien-Coach Gerardo Martino verändert die Startelf im Vergleich zum WM-Finale auf vier Positionen: Statt Garay, Lavezzi, Messi (Adduktorenprobleme) und Higuain beginnen Fernandez, Di Maria, Agüero und Lamela.

7.: Konter Argentinien nach einer deutschen Ecke. Di Maria lässt Durm aussteigen und geht in Richtung Strafraum, legt sich aber den Ball zu weit vor. Neuer kommt raus und schnappt sich das Leder.

7.: Im Gegenzug lupft Kramer Gomez halbrechts im Strafraum frei. Der hat freie Bahn, scheitert mit seinem Schuss aber am gut reagierenden Romero.

20., 0:1, Agüero: Von halbrechts chippt Di Maria den Ball ohne Bedrängnis in den Strafraum. Ginter und Großkreutz haben den entwischten Agüero nicht im Auge, der aus kurzer Distanz volley einschießt.

22.: Demichelis verliert den Ball links außen leichtfertig an Reus. Der passt sofort in die Mitte zu Kroos. Der Madrilene fackelt nicht lange und schießt flach mit links - knapp rechts neben das Tor.

28.: Riesenchance! Kramer erobert frühzeitig die Kugel und geht dann ins Duell mit Demichelis. Dort dribbelt er sich mangels Anspielpartner gekonnt frei und steckt dann durch zum aufgerückten Reus, der wiederum Gomez bedient. Der Stürmer scheitert aber frei vor dem Tor erneut an Romero.

39.: Kroos schlenzt einen Freistoß von halbrechts in Richtung langes Eck. Dort springt Rojo unter dem Ball durch, so dass Schürrle an diesen kommt. Dessen Schuss streicht aber über die Querlatte.

40., 0:2, Lamela: Argentinien kombiniert sich über die linke deutsche Seite bis zur Grundlinie. Von dort flankt Di Maria butterweich in die Mitte. Lamela steht völlig blank und versenkt die Kugel sehenswert per Direktabnahme unter dem Giebel.

45.: Ballgewinn Deutschland, Kroos spielt Reus frei. Der versucht es aus der Distanz. Romero lässt zu Gomez abklatschen, doch der tritt mit links leicht über den Ball - Chance vertan.

47., 0:3, Fernandez: Di Maria mit dem Freistoß von links. Am langen Pfosten ist Ginter nicht nah genug an Fernandez dran, der eingewechselte Weidenfeller kommt nicht richtig aus dem Kasten. Kopfball, Tor.

50., 0:4, Di Maria: Mit wenigen Kontakten spielt sich Argentinien auf rechts durch, so dass Di Maria mit Tempo in den Strafraum ziehen kann. Vor Weidenfeller lupft er den Ball über den Keeper hinweg ins Tor.

52., 1:4, Schürrle: Eckball Deutschland von links durch Reus. Am Fünfer steht Schürrle blank, versucht's mit links, scheitert und verwertet dann den Rebound.

76.: Reus und Götze spielen im Strafraum Doppelpass. Reus kommt von halblinks zum Abschluss und trifft dabei nur den rechten Innenpfosten. Der starke Romero war zuvor noch leicht am Ball.

78., 2:4, Götze: Podolski wird im Strafraum an die linke Grundlinie geschickt. Seine Hereingabe fälscht Romero auf Götze ab. Der nimmt den Ball zentral vor dem Kasten volley. Er trifft Fernandez, von dem der Ball ins Tor springt.

Fazit: Aufgrund einer schwachen Defensivleistung eine verdiente Pleite für den Weltmeister. Deutschland zwar durchgehend bemüht, Argentinien mit einem spielfreudigen Di Maria aber eiskalt vor dem Tor.

Der Star des Spiels: Angel Di Maria. Die deutschen Fans werden nach dieser Vorstellung wohl erleichtert aufatmen, dass Di Maria das WM-Finale verpasste. War zu keinem Zeitpunkt der Partie von den Deutschen in den Griff zu bekommen. Seine Mitspieler suchten den Neuzugang von ManUnited, der aus dem rechten Halbraum kommend enorme Gefahr mit hoher Geschwindigkeit paarte, bei jedem Angriff. Bereitete die ersten drei Treffer seines Teams vor und netzte dann selbst noch.

Der Flop des Spiels: Erik Durm. Der Bundestrainer legte sich am Dienstag fest, die Baustelle auf der linken Außenverteidigerposition künftig mit dem Dortmunder schließen zu wollen. Durms Start geriet allerdings völlig daneben. Stand mehrfach schlecht gegen den Ball, weil er sich bisweilen zu leicht herauslocken ließ. Auch er fand gegen Di Maria überhaupt keinen Zugriff. Hing bei drei Gegentoren dick mit drin.

Der Schiedsrichter: Björn Kuipers (Niederlande) hatte mit der fairen Partie kaum Probleme. Holte bei den ersten ernsteren Fouls aber gleich den gelben Karton heraus. Bewertete dazu die wenigen strittigen Aktionen im argentinischen Strafraum korrekt.

Das fiel auf:

  • Licht und Schatten im deutschen Spiel: Die DFB-Elf agierte gegen den Ball in einer Mischung aus 4-3-3 (mit einem zurückfallenden Draxler) und 4-4-2 (mit einem zurückfallenden Schürrle) und orientierte sich dabei am Aufrücken der gegnerischen Außenverteidiger. Auch aufgrund mancher Fahrlässigkeit im argentinischen Spielaufbau eroberte man so früh den Ball und stieß mit Tempo ins vordere Drittel.
  • Deutschland nach dem Ballgewinn aber auch oft nicht konsequent genug, den Abschluss zu suchen. Mehrere Male entschied man sich trotz guter Schussposition für einen weiteren Querpass.
  • Hatte Löws Mannschaft den Ball, zog sich die Albiceleste weit zurück und ließ lediglich Agüero vorne stehen. Im Unterschied zum Spielstil während der WM wurde das Angriffsspiel aber flüssiger und kreativer vorgetragen, Di Maria war Dreh- und Angelpunkt im Spielaufbau.
  • Im Gegensatz zur Endrunde in Brasilien agierte Deutschland wieder mit zwei "echten", wenn auch nicht gelernten Außenverteidigern - und hatte damit gehörig Probleme. Argentinien kombinierte sich ausschließlich über die Flügel nach vorne und schaffte es mehrfach, in den Rücken von Großkreutz und Durm zu kommen. Generell war beim DFB-Team die Abstimmung innerhalb der neu formierten Viererkette zu bemängeln: Herausrücken und gemeinsam verschieben funktionierte höchst selten.
  • Nachdem die Standardsituationen bei der WM zu einem echten Faustpfand wurden, war davon in Düsseldorf nichts zu sehen. Kroos und vor allem auch Reus fanden zu selten eine Abnehmer für ihre Hereingaben.

Deutschland - Argentinien: Die Statistik zum Spiel

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