Fussball

Erfolgreiche Jungunternehmer

Von Stefan Rommel
Andre Schürrle (M.) versenkt den Ball kurz vor Schluss zum entscheidenden 3:1 für Deutschland
© Getty

Bundestrainer Joachim Löw schickt in Baku die jüngste Mannschaft aller Zeiten in ein Pflichtspiel und wird trotzdem nicht enttäuscht - oder gerade deshalb nicht. Die Nationalmannschaft geht jetzt mit sieben Siegen aus sieben EM-Qualifikationsspielen in die Sommerpause.

Wie wütend der Sommerurlaub an die Türen der deutschen Spieler klopfte, konnte man in der 89. Minute im Tofik-Bachramow-Stadion in Baku erkennen.

Benedikt Höwedes, diese Saison 48 Pflichtspiele schwer, konnte eine Flanke nicht konsequent unterbinden. Manuel Neuer, mit 62 Spielen in den Knochen, ging halbherzig raus und wischte die Flanke nur unzureichend weg.

Dann zeigte sich Mats Hummels überrascht. Der Dortmunder hat 49 Partien absolviert. Den Abpraller köpfte Holger Badstuber dann dem Gegner vor die Füße. Der Münchener, mit 40 Spielen in der Saison am "wenigsten" belastet, hätte den Ball stattdessen besser kontrolliert und mit dem Fuß sauber weggespielt.

Spannung war nicht mehr da

So durften die 25.000 Fans im Stadion doch noch ihre Bengalos hervorkramen und zumindest diesen einen Treffer von Murad Huseynov kurz vor Schluss bejubeln.

Deutschland führte da nach Toren von Mesut Özil und Mario Gomez bereits mit 2:0, zur allgemeinen Müdigkeit gesellte sich auch noch eine gewisse Nachlässigkeit, die Konzentration und Konsequenz waren im Kollektiv dahin.

Es sind normale Reaktionen einer Fußballmannschaft, die dieses deutsche Team offenbarte, als es die Partie längst unter Dach und Fach hatte und die Spannung für ein paar Augenblicke verlorenging.

Jüngstes Team aller Zeiten

Dabei lag es nun wahrlich nicht daran, dass sich die Elf binnen der 90 Minuten von Baku um fast ein Jahr selbst verjüngte. Beim Anpfiff der Partie notierten die Statistiker ein Durchschnittsalter von 23,9 Jahren und riefen begeistert die jüngste DFB-Auswahl aus, die je ein Pflichtspiel bestritten hat.

Später kamen Spielerwechsel von Podolski zu Schürrle, Özil zu Götze und Müller zu Holtby dazu, was die elf Spieler beim Gegentor im Schnitt 23 Jahre jung machte. Exakt so alt wie das Team der Gastgeber übrigens.

Es lag eher daran, dass sich die Beteiligten schon im Urlaub wähnten - und wer wollte es ihnen verdanken nach einer langen und sehr strapaziösen Saison, in die die meisten mit nur wenig Erholung gegangen waren nach einer glanzvollen Weltmeisterschaft.

"Großes Kompliment an die Mannschaft"

"Es war heute der 24. Tag nach dem letzten Spiel in der Bundesliga. Natürlich hat man gemerkt, dass die Spieler irgendwie nach einer langen Saison mit WM auch am Limit sind", wollte dann auch Joachim Löw nicht meckern wegen des vermeidbaren Gegentores kurz vor Schluss.

"Es ist schwierig das Tempo, das wir zeitweise im letzten Herbst hatten, aufrechtzuerhalten. Das ist irgendwie auch klar", sagte der Bundestrainer dann noch.

"Aber wir hatten jetzt drei Spiele und haben drei Spiele gewonnen. Wir haben Großartiges geleistet mit sieben Siegen und 21 Punkten. Da muss ich der Mannschaft ein großes Kompliment machen."

Lahm sieht perfekte Saison

Die beiden entscheidenden Erkenntnisse des Abends fasste Kapitän Philipp Lahm (27) treffend zusammen. "Es war ein komisches Gefühl, als Ältester auf dem Platz zu stehen, aber das zeigt, wie viel Qualität wir in Deutschland haben. Wichtig war, dass wir auch heute gewonnen und die Saison mit dem siebten Sieg beendet haben. Es war eine perfekte Saison."

Deutschland hat jetzt zehn Punkte Vorsprung vor Verfolger Belgien und elf vor der Türkei - allerdings haben die Türken ein Spiel weniger absolviert. Demnach kann Belgien der Löw-Mannschaft jetzt schon nicht mehr gefährlich werden.

Bereits im September beim Heimspiel gegen Österreich kann Deutschland mit einem Sieg die Qualifikation als Gruppenerster endgültig perfekt machen, im Zweifelsfall genügt auch ein Punktgewinn beim vorletzten Gruppenspiel in Istanbul gegen die Türkei.

Alle sind glücklich

Gegen Aserbaidschan stellte Löw seine Viererkette verletzungsbedingt erneut um.

In den zwölf Spielen nach der WM bot der Bundestrainer damit zum neunten Mal eine andere Abwehrformation auf, diese in Baku erreichte ein Durchschnittsalter von 22,75 Jahren.

"Wenn Philipp Lahm mit 27 Jahren der älteste Spieler auf dem Platz ist, weiß man, was los ist", erkannte Thomas Müller, selbst erst 21 Jahre jung. "Es ist sehr positiv für den deutschen Fußball, dass wir so viele junge Spieler haben. Das kann uns nur glücklich machen."

Die jungen Spunde zeigten am Ende sogar noch eine respektable Reaktion. Die Ferien bereits vor Augen, starteten sie einen letzten Angriff, Aserbaidschan hatte die Abwehr ein wenig entblößt.

Die Badstuber-Götze-Gomez-Schürrle-Kombination endete im 1:3, das Unternehmen wurde erfolgreich beendet. Die Ferien können jetzt kommen.

Aserbaidschan - Deutschland: Daten und Fakten zum Spiel

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