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Fussball

Wie zu Derwalls dunklen Zeiten

In Irland setzte es für den DFB bereits die zweite Quali-Niederlage
© getty

Deutschland kassiert in Irland die zweite Niederlage auf dem Weg zur EM 2016 in Frankreich. Das gab es zuletzt vor über 30 Jahren. Die Probleme, die dem Weltmeister in Dublin zum Verhängnis wurden, ziehen sich wie ein roter Faden durch die Qualifikation.

Die Jungs im 5. Stock hatten Spaß. Es waren so an die 50 Jugendliche, die den unerwarteten Sieg ihrer Boys in Green in den Gängen des Aviva Stadiums mit lautem Getröte und Gejole ausgelassen feierten und den vor dem Fahrstuhl wartenden Journalisten deutlich machten, wie außergewöhnlich dieser Sieg über den Weltmeister für sie war.

Es war einer der mitreißendsten und lautstärksten Momente dieses Abends. Nach einem Spiel, das im Vorfeld noch als weiterer Test im nächsten Hexenkessel deklariert wurde. Und Irlands Stärken fast nur auf ihre Anhänger und Kampfkraft reduziert wurden. Aber die Iren hielten sich im Stadion doch lange sehr zurück. Kein Vergleich mit dem infernalischen Gebrüll, das die Schotten im Hampden Park den Deutschen vor gut einem Monat entgegenschmetterten.

Analyse: Long lässt Dublin beben

Erst nach dem Tor durch Shane Long und in den Schlussminuten machten die irischen Fans ihrem Ruf alle Ehre und trieben den Dezibelpegel in die Höhe. Bis dahin "haben wir das Stadion mit unserer Spielweise ruhig gehalten", sagte Mats Hummels. "Es gab wenig Anlass für die irischen Fans, sich Hoffnungen zu machen."

Hummels nimmt Schuld auf sich

Doch ausgerechnet der Dortmunder Kapitän sah wie sein linker Nebenmann Jonas Hector beim Gegentreffer nicht gut aus. "Wir sind erst gut rausgerückt, haben dann aber zu spät auf den langen Ball reagiert", sagte Hummels, der sich dabei nach der Kritik der letzten Tag auch ausdrücklich selbst belastete.

Es war diese eine Unachtsamkeit, die der DFB-Elf die Niederlage einbrockte. Da waren sich in der Nachbetrachtung alle einig. "Wir machen einen einzigen Fehler und daraus ist ein Tor entstanden", sagte Bundestrainer Joachim Löw stellvertretend. Ansonsten war viel von Kontrolle, Ballbesitz und Feldüberlegenheit die Rede.

Das Muster der gesamten Quali

Diese Argumente und Beschreibungen waren auch durchaus alle richtig sowie nachvollziehbar. Die Schuld für die Niederlage war nicht bei einem starken Gegner, sondern einzig und allein bei den Nachlässigkeiten der deutschen Mannschaft zu suchen. In der Gesamtbetrachtung der laufenden EM-Qualifikation ergibt sich aber ein wiederkehrendes Muster.

Sei es bei der Niederlage in Polen am 2. Spieltag, beim Unentschieden gegen Irland am 3. Spieltag oder beim Sieg am 8. Spieltag in Schottland, die DFB-Elf leistet bei Gegentreffern zu oft Mithilfe. Selbst gegen Gibraltar konnten gefährliche Konter nicht komplett verhindert werden.

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Die Defensive ist fehleranfällig und im Angriff fehlt vielen Spielern die Effektivität im Abschluss. "Man muss die Kaltschnäuzigkeit und Qualität besitzen, Tore zu machen", sagte Löw. Dass ausgerechnet Long, der in seiner Karriere für Cork City, Reading, West Brom, Hull City und Southampton spielte, diese Eigenschaften mit seinem einzigen Torschuss unter Beweis stellte, lässt den deutschen Angriff noch etwas schlechter dastehen.

Bei den beiden knappen Siegen über Schottland konnte sich Deutschland auf den außergewöhnlichen Thomas Müller verlassen (er schoss vier von fünf Toren und bereitete das fünfte vor). In Dublin leistete sich aber auch der Bayern-Stürmer mal einen Fehlschuss.

Erst die Basics, dann die Entwicklung

Dazu kam, dass ohne den kurzfristig ausgefallenen Kapitän Bastian Schweinsteiger im Zentrum eine ordnende Figur fehlte. Vor allem in der Phase nach der Halbzeit, in die auch das Tor fiel und Deutschland von den verteidigenden Iren genervt wirkte, hätte es eine Führungsfigur gebraucht, die die Seriosität und Struktur ins Spiel zurückbringt.

Es sind einige Ansatzpunkte, die Löw für die Entwicklung seiner Mannschaft hat und die wiederum den eigentlichen Anspruch an sein Tun zwischen den Turnieren im Moment erschweren. Der nächste Schritt mit Blick auf das kommende Turnier muss warten, solange die Basiselemente noch nicht sitzen.

Denn an der Qualifikation für die EM in Frankreich zweifelt niemand. Deutschland geht als Tabellenführer ins abschließende Spiel gegen Georgien und kann mit einem Sieg den Gruppensieg perfekt machen.

So schlecht wie unter Derwall

Trotzdem muss man festhalten, dass sich der Weltmeister durch die Qualifikation müht. Es spricht nicht gerade für die bisherigen Leistungen, dass Deutschland bei einem möglichen Dreiervergleich mit Irland und Polen die schlechteste Bilanz aufweisen würde und in diesem Fall sogar in die Playoffs müsste.

15 seiner 19 Punkte hat das DFB-Team gegen die schon gescheiterten Gibraltar, Georgien und Schottland geholt. Nur vier Zähler aus vier Spielen gegen Irland und Polen. Zu wenig für die eigenen Ansprüche des Weltmeisters.

Den Zahlen nach spielt Deutschland gerade die zweitschlechteste EM-Qualifikation seiner Geschichte. Nur in den frühen 80er-Jahren kassierte eine DFB-Elf schon einmal zwei Niederlagen auf dem Weg zum Endturnier. 1982 und 1983 unterlag das Team von Jupp Derwall Nordirland zweimal 0:1, trotzdem reichte es mit viel Glück für die Qualifikation. Es folgte das Vorrundenaus bei der EM-1984 - in Frankreich.

Irland - Deutschland: Die Statistik zum Spiel

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