Mittwoch, 15.10.2014
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Mats Hummels im Interview

"Da waren unfassbare Dinger dabei"

Der Last-Minute-Schock gegen Irland sitzt tief und setzt die deutsche Nationalmannschaft in der vermeintlich leichten Gruppe D unter Zugzwang. Abwehrchef Mats Hummels spricht im Interview über die konfuse Schlussphase, überzogene Erwartungen und den Faktor Zufall.

Mats Hummels kommt in der 94. Minute gegen John O'Shea einen Augenblick zu spät
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Mats Hummels kommt in der 94. Minute gegen John O'Shea einen Augenblick zu spät

Frage: Herr Hummels, wie bewerten Sie das Remis gegen Irland?

Mats Hummels: Wenn das Tor in der letzten Sekunde nicht fällt, sagen alle: 'Alles richtig gemacht, abgezockt!' So ist es zu wenig. Wir haben defensiv fast nichts zugelassen, bis auf zwei Szenen in der Schlussphase. Einmal blockt Erik (Durm, Anm. d. Red.) und dann eben das Gegentor. Wir haben einen extrem tiefstehenden Gegner konsequent bespielt. Zwar ohne die ganz großen Chancen herauszuzaubern, das ist uns nicht so gelungen. Aber wir haben das Tor gemacht und eigentlich müssen wir das dann einfach nur souverän herunterspielen.

Frage: Warum hat das in der Schlussphase überhaupt nicht mehr funktioniert?

Hummels: Wir hätten den Ball am Fuß behalten und ohne Befreiungsschläge agieren müssen. Dann war klar, dass die Iren weite Bälle nach vorne spielen und da mit fünf, sechs Spielern lauern. Dann wird es immer gefährlich gegen einen Gegner mit dieser körperlichen Wucht und Stärke im Zweikampf.

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Frage: Wie konnte die Mannschaft plötzlich so den Kopf verlieren?

Hummels: Das war wirklich erstaunlich, da waren unfassbare Dinger dabei. Bedingt dadurch haben wir die nachfolgenden Situationen nicht mehr gut ausgespielt, haben uns nicht mehr gezeigt. Es war schon auffällig, dass Spieler, die sich hätten anbieten können, auch nicht unbedingt den Ball haben wollten.

Frage: Auf den Zuschauerrängen war es erstaunlich still, die Anfeuerungen der deutschen Fans fielen gerade in den schwierigen Phasen der Partie sehr verhalten aus. Wie haben die Spieler das wahrgenommen?

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Hummels: Wir haben heute vor dem Spiel am Hotel noch Autogramme gegeben, als ein Fan auf mich zukam und meinte, dass heute ein 7:0 gegen Irland ein angemessenes Ergebnis wäre. Das ist mittlerweile die Erwartungshaltung, die die Leute an uns haben. Das hat sich in den letzten Jahren ein wenig so entwickelt, natürlich auch auf Grund guter Leistungen. Aber wie sagt Jürgen Klopp immer: 'Wenn man es sich einfach vorstellt, wird es nicht einfach.' Wir müssen uns bewusst darüber sein, dass eine Mannschaft, die mit neun oder zehn Spielern verteidigt, nicht einfach so auszuspielen ist. Da muss man hart arbeiten und versuchen, konsequent und oft abzuschließen. Das haben wir nicht oft gemacht, aber in dieser einen Szene beim Tor dann eben doch.

Frage: Wie haben Sie das Gegentor erlebt? Sie waren ja am Torschützen O'Shea noch fast dran.

Hummels: Man wird mir wieder die Schuld geben. Aber meiner Meinung nach kann ich auch nur noch versuchen zu retten.

Frage: Wie war die Stimmung in der Kabine nach dem Schock in letzter Sekunde?

Hummels: Es waren natürlich alle enttäuscht, aber es gab jetzt keinen, der wild rumgebrüllt hätte. Wir Spieler waren sauer, aber das muss nach so einer Partie auch so sein.

Nur ein Punkt nach spätem Schock
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Frage: Wie sehen Sie die Lage in der Qualifikationsgruppe?

Hummels: Wir haben uns jetzt viel Druck aufgebürdet. Das muss man einfach sagen nach vier Punkten aus drei Spielen. Aber wir wissen auch, dass wir die nötige Qualität haben. Und wenn wir die in den restlichen Spielen auch abrufen, dann können wir das zu unseren Gunsten entscheiden. Der Rückstand beträgt nur drei Punkte, es ist also alles noch aus eigener Kraft möglich.

Frage: Nach der WM gab es aus vier Spielen zwei Niederlagen, ein Remis und nur einen Sieg. Ist bei der Mannschaft der Wurm drin?

Hummels: Natürlich bleiben die Zauberspiele hängen. Aber nüchtern betrachtet war es auch bei der WM in fünf von sieben Spielen knallharte Arbeit, die uns die Siege beschert hat. Alles raushauen, was geht und am Ende auch ein wenig Glück haben. Das darf man nicht vergessen. Das hatten wir in den letzten beiden Spielen nicht. Bei der WM war es schon auch so, dass Algerien oder Argentinien nicht getroffen hatten, obwohl sie dreimal oder viermal die Chance dazu hatten. Es wird in der Bewertung nicht gerne gesehen, dass Glück und Pech oder diese kleinen Zufälle eine große Rolle spielen. Aber bei einem Sport wie Fußball, in dem wenige Tore fallen, sind diese kleinen Sachen oft entscheidend.

Deutschland - Irland: Daten zum Spiel

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Stefan Rommel(Redakteur)

Stefan Rommel, Jahrgang 1975, ist Nationalmannschaftsreporter bei SPOX.com (momentan in Elternteilzeit). Studium der Sportwissenschaften in Augsburg, DFB-Lizenz Trainer-C-Leistungsfußball. Redakteur bei Sport1.de von 2001 bis 2007. SPOX-Redakteur der ersten Stunde und tätig im Fußball-Ressort, u.a. für Bremen, Stuttgart und Augsburg. Analysiert von Zeit zu Zeit die Spielstile großer und kleinerer Mannschaften.


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