Stern Afrikas: Kolumne von Bradley Carnell

Eine Ehre, für Nelson Mandela zu spielen

SID
Freitag, 21.11.2008 | 11:42 Uhr
Bradley Carnell im Einsatz für Südafrika, Gastgeberland der WM 2010
© Getty
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Südafrikas Nationalspieler Bradley Carnell kam 1998 über die Stationen Kaizer Chiefs Johannesburg und Wits University Johannesburg nach Deutschland zum VfB Stuttgart. Nach einem Intermezzo bei Borussia Mönchengladbach zog es den Mittelfeldspieler 2005 zum Karlsruher SC. Für SPOX berichtet der 30-Jährige ab sofort regelmäßig von den Entwicklungen rund um die WM 2010 in seinem Heimatland. Diesmal geht es um das Länderspiel Südafrikas gegen Kamerun und seinen Kumpel Benny McCarthy.

Liebe Fußball-Fans,

ich freue mich, ab sofort hier bei SPOX regelmäßig über Dinge zu berichten, die mit meinem Heimatland Südafrika und der Nationalmannschaft zu tun haben. Ich hoffe, Ihnen mein Heimatland und seine Bräuche bis zur Weltmeisterschaft 2010 näherbringen und Ihre Begeisterung für Südafrika entfachen zu können.

Am Mittwoch hatten wir unser letztes Länderspiel in diesem Jahr - ein Freundschaftsspiel gegen Kamerun. Aber was heißt hier Freundschaftsspiel: Erstens zählt Kamerun zu den besten Mannschaften Afrikas und zweitens ging es um den Nelson-Mandela-Challenge-Cup. Für uns Südafrikaner ist es immer eine Ehre, für Nelson Mandela zu spielen. Leider war er nicht im Stadion, denn es herrschte eine klasse Stimmung.

Kopanya: Offizieller Spielball des Confederations Cup

Wir haben in Rustenburg im sogenannten Olympiapark-Stadion gespielt, ein eher kleines Stadion mit nur 30.000 Zuschauern, aber dennoch eine sehr gute Atmosphäre.

Vor dem Spiel wurde ein großes Geheimnis um den Ball gemacht. Die FIFA hat in diesem Spiel ihren offiziellen Spielball "Kopanya" für den Confederations Cup vorgestellt. Wir haben das auch erst einen Tag vorm Spiel erfahren, aber durften nicht damit trainieren.

Erst beim Warmmachen haben wir ein Gefühl für den Ball entwickeln können. Im Prinzip ist es der gleiche wie der Europameisterschafts-Ball - nur mit einem anderen Muster. Auf jeden Fall ist er tausend Mal besser als der Ball, den wir beim Afrika Cup hatten. Besonders schön: Miss Südafrika hat den symbolischen Anstoß gemacht.

Joel Santana will Spaßfußball sehen

Leider musste ich das Spiel von der Bank aus verfolgen, weil sich der Trainer für die erfolgreiche Mannschaft aus dem Ghana-Spiel (2:1) entschieden hat. Frei nach dem Motto "Never change a winnig team".

Natürlich ist das eine kleine Enttäuschung für mich, aber so wie die Mannschaft gespielt hat, gab es keinen Grund zu wechseln. Ich habe ein gutes Verhältnis zur Mannschaft und zum Trainer, deshalb glaube ich, dass ich mich wieder in die Mannschaft zurückkämpfen kann. Ich sehe das im Moment ganz gelassen.

Und auch gegen Kamerun hat es wieder wunderbar funktioniert. Die Art und Weise wie wir gespielt haben zeigt, dass wir auf einem guten Weg sind. Wir haben sehr viele bewegliche, wendige Spieler und ein starkes Kurzpassspiel. Wie die meisten afrikanischen Mannschaften haben wir viele Spaßfußballer in den Reihen, die technisch sehr stark sind. In Deutschland sagt man dazu Straßenfußballer. Und genau diese Spielweise will unser Trainer Joel Santana sehen.

Auch ohne Eto'o und Co. eine starke Truppe

Gegen Kamerun haben wir eine sehr gute erste Halbzeit gespielt und haben durch zwei Standardsituationen den Ausgleich kassiert. Aber am Ende haben wir durch ein Abstaubertor doch noch gewonnen. Mit dem Sieg, der vierte Erfolg in Serie, ist uns ein ziemlich guter Abschluss für dieses Jahr gelungen.

Natürlich muss man zugeben, dass sie nicht mit ihrer besten Mannschaft angetreten sind. Unter anderem haben Samuel Eto'o, Alexandre Song, Geremi und Carlos Kameni gefehlt. Aber trotzdem hatten sie noch eine richtig gute Mannschaft auf dem Platz mit lauter Spielern, die in Europa unter Vertrag stehen. Die muss man erst mal schlagen.

Otto Pfister, der deutsche Trainer Kameruns, war hinterher auch ziemlich sauer und hat auf den südafrikanischen Verband geschimpft, dass einige Spieler kein Visum erhalten hätten und deswegen nicht dabei gewesen wären. Aber ich glaube, da wollte er nur von der Leistung seiner Mannschaft ablenken.

Guter Draht zu McCarthy

Auch bei uns musste beispielsweise Steven Pienaar verletzungsbedingt passen und Benny McCarthy hat nur die erste Hälfte gespielt.

Zu Benny habe ich im Moment den besten Draht und auch mit Aaron Mokoena und Matthew Booth verstehe ich mich sehr gut. Leider sind meine besten Kumpels aus der Bundesliga Rowen Fernandez und Delron Buckley derzeit nicht dabei. Aber wir haben generell eine sehr gute Truppe mit einem tollen Teamgeist. Es macht einfach extrem viel Spaß für Südafrika zu spielen.

Bis zum nächsten Mal.

Euer Bradley Carnell

Bradley Carnell, geboren am 21. Januar in Johannesburg, spielt seit 2005 für den Karlsruher SC und ist 2007 mit den Badenern in die erste Bundesliga aufgestiegen. Der 1,74 m große Linksfuß bestritt über 40 Länderspiele für Südafrika und nahm an der Weltmeisterschaft 2002 in Südkorea und Japan teil.

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