Mertesacker steckt in der Krise

Von SPOX
Montag, 01.02.2010 | 13:59 Uhr
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Am 11. Juni 2010 findet in Südafrika das Eröffnungsspiel der Weltmeisterschaft statt. Der Gastgeber trifft dabei auf Mexiko. Die deutsche Nationalmannschaft startet am 13. Juni gegen Australien in das Turnier. Mitte Mai wird Bundestrainer Joachim Löw seinen Kader berufen.

Zahlreiche deutsche Profis machen sich Hoffnungen auf eine Teilnahme an den Welttitelkämpfen, jedoch dürfen nur 23 Spieler mit nach Südafrika. Wer darf mit, wer bleibt zuhause? Bis zum Endturnier auf dem schwarzen Kontinent bewertet SPOX wöchentlich die Chancen der 36 potenziellen Kandidaten.

 

Wie kommt die Bewertung zustande? Hier geht's zur Erklärung!

 

 

Dennis Aogo: War wieder viel unterwegs und schaltete sich oft mit in die Offensive ein. Sein großes Problem: brachte die entscheidenden Bälle nicht zum Mann. Seine Flanken und Standards landeten immer beim Gegner. Allerdings räumten die Wolfsburger in der Luft auch gut auf. Hinten ließ er kaum was anbrennen, nur einmal marschierte Grafite über rechts davon.

Fazit: Könnte sich zu einer echten Alternative auf links entwickeln. Macht für sein Alter einen sehr konstanten Eindruck, Ausrutscher wie gegen den BVB sind die absolute Ausnahme. Könnte als Backup für Philipp Lahm in den Kader rutschen, wenn Schäfers Form nicht wieder nach oben geht.

 

Holger Badstuber: Hatte auf der linken Seite viel Platz, den er für einige gute Flanken nutzte. Allerdings sind seine Fähigkeiten im Dribbling begrenzt, so dass er nie bis zur Grundlinie kam, um von dort in den Rücken der Abwehr zu flanken. Einer der schwächeren Zweikämpfer bei den Bayern (nur vier von zehn), wurde jedoch häufig von seinen Mitspielern gesucht (110 Ballkontakte).

Fazit: Die Zeit bis zur WM wird knapp, zumal Badstuber nicht beim Leistungstest des DFB war. Dennoch sollte er auf lange Sicht eine gute Rolle in der Nationalmannschaft spielen.

 

Andreas Beck: Spielte eine ganz schwache erste Halbzeit. Vor dem 0:1 verlor er Kuranyi aus den Augen, der so die Führung erzielte. Auch gegen Sanchez oftmals nur zweiter Sieger, sah für Trikotziehen auch die Gelbe Karte. Im zweiten Durchgang tat er viel für die Offensive, schoss drei Mal auf den Kasten und wurde von Sanchez auch im Strafraum gefoult. Der fällige Strafstoß blieb allerdings aus.

Fazit: Hängt seit Wochen durch und stagniert in seiner Entwicklung. Hat aber weiterhin gute Karten auf einen Platz im WM-Kader.

 

Jerome Boateng: Wurde wieder als Rechtsverteidiger aufgeboten. Was seine gute Leistung etwas schmälert, ist der durchwachsene Beginn, als er in einigen Situationen zu schläfrig wirkte. Ließ Gentner zum Abschluss kommen und Dzeko gefährlich auf Misimovic flanken. Doch dann steigerte er sich enorm. In der Offensive zeigte er gute Flanken aus dem Halbfeld, in der Defensive gewann er 80 Prozent seiner Zweikämpfe. 100 Ballkontakte belegen sein aktives Spiel. Wurde in der 78. Minute durch Demel ersetzt.

Fazit: Boateng dürfte seinen Platz in Jogi Löws Kader sicher haben. In die Quere kommt dem 21-Jährigen allerdings immer wieder eine gewisse Lethargie, gerade wenn es um Laufwege in der Defensive geht. Auch agiert er teils zu ungestüm.

 

Arne Friedrich: Ein richtig starker Auftritt des Berliner Kapitäns. Am zweikampfstarken  Friedrich (100 Prozent gewonnen) gab es für Bochum kein Vorbeikommen. In der Schlussphase schaltete sich der Herthaner mit überlegtem Passspiel einige Male gut in die Offensive ein.

Fazit: Gutes Bewerbungsschreiben in Richtung Löw. Wenn er diese Leistung dauerhaft abrufen kann, hat er gute Chancen auf den Platz neben Mertesacker.

 

Andreas Hinkel: Souveräne Leistung in der Defensive. Bewahrte sein Team vor einem Rückstand, als er einen Ball von der Linie köpfte. Offensiv blieben seine Flanken aber zumeist ungefährlich. Durfte dieses Mal aber wieder durchspielen.

Fazit: War nicht zum Fitnesstest eingeladen und hat im Moment wohl nur geringe Chancen auf die WM.

 

Mats Hummels: In den letzten Wochen überragend, gegen Stuttgart eher unauffällig. Rückte für den verletzten Bender ins defensive Mittelfeld. Fand wie die gesamte Dortmunder Elf in der ersten halben Stunde nur schwer ins Spiel und kam nicht wirklich in die Zweikämpfe, überzeugte aber dann durch gutes Stellungsspiel. Spielte vor dem Dortmunder Ausgleichstreffer den Pass in die Spitze auf Großkreutz, der dann auf Barrios ablegte.

Fazit: Konnte im defensiven Mittelfeld nicht an seine starken Leistungen der letzten Wochen anknüpfen. BVB-Boss Watzke forderte von Löw einen Platz für Hummels im WM-Kader. Der Bundestrainer plant mit Hummels aber wohl erst nach Südafrika.

 

Robert Huth: Spielt erst am Montagabend mit Stoke gegen Sunderland.

Fazit: Durfte wegen Premiere-League-Verpflichtungen nicht zum Leistungstest reisen, steht bei Löw aber im erweiterten WM-Kader.

 

Philipp Lahm: Bildete auf der rechten Seite ein sehr starkes Duo mit Robben, das die Mainzer Defensive immer wieder vor Probleme stellte. Lahm startete einige gute Flankenläufe und bereitete das 2:0 durch Gomez vor. 108 Ballkontakte und 94 Prozent Pässe zum Mitspieler sind herausragende Werte. In der Defensive so gut wie nicht gefordert.

Fazit: Egal ob rechts oder links, Lahm ist der beste deutsche Außenverteidiger und für Joachim Löw auch bei der WM unverzichtbar.

 

Per Mertesacker: Ließ sich von Bobadilla mehrmals düpieren, machte viele Stellungsfehler und präsentierte sich schwach im Zweikampf - er gewann nur 56 Prozent. Bei Bremens hoher Aufstellung werden auch Mertesackers enorme Schnelligkeitsdefizite deutlich.

Fazit: Ist im Moment meilenweit von seiner Bestform entfernt. Steht bei Löw aber außerhalb jeglicher Diskussion.

 

Marcel Schäfer: Hatte Hamburgs Wirbelwind Elia sehr gut im Griff. Über die linke Defensivseite bekam Wolfsburg deutlich weniger Probleme als über rechts. In der Offensive  war von Schäfer außer bei einem schwachen Freistoß aber nichts zu sehen. 39 Ballkontakte sind für einen Außenverteidiger außergewöhnlich wenig, seine Fehlpassquote von 56 Prozent ein fast unverschämt schlechter Wert.

Fazit: Bleibt als Backup-Lösung für Philipp Lahm ein ernsthafter WM-Kandidat. Seine Leistungen in dieser Saison sind allerdings um zwei Klassen schlechter als in der letzten. Es könnte auf einen Zweikampf mit Aogo hinauslaufen.

 

Serdar Tasci: Stand mit Nebenmann Niedermeier sicher in der Innenverteidigung und überzeugte auch mit guter Zweikämpfführung (80 Prozent gewonnen). Im Luftkampf gegen Barrios häufig der Sieger, aber für seine Verhältnisse mit wenig Ballkontakten (48) und besonders in der Anfangsphase unnötigen Fehlpässen (68 Prozent erfolgreiche Pässe). Sah allerdings im Verbund mit Niedermeier beim Gegentor schlecht aus, als man auf Abseits spielte und Großkreutz durchlaufen ließ.

Fazit: Spielt in den letzten Wochen eher unauffällig, erlaubt sich keine allzu großen Schnitzer. Sein WM-Ticket ist wohl sicher, weil Löw seine gute Spieleröffnung schätzt. Sein großes Plus gegenüber Friedrich und Westermann.

 

Heiko Westermann: Wegen einer OP am linken Außenmeniskus fällt Westermann mehrere Wochen aus. Wurde in der Innenverteidigung von Höwedes vertreten.

Fazit: Muss darauf hoffen, dass Löw weiter mit ihm plant, obwohl er sich in der wichtigen Phase vor dem letzten Test im März gegen Argentinien nicht zeigen kann.

 

 

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