Guido Buchwald: "Der Gruppensieg ist Pflicht"

SID
Donnerstag, 10.12.2009 | 14:12 Uhr
Guido Buchwald bestritt 76 Länderspiele für die deutsche Nationalmannschaft
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Weltmeister 1990, zweimal Deutscher Meister, 76 Länderspiele und über 500 Spiele in der Bundesliga und Liga zwei: Guido Buchwald hat in seinem Fußballer-Leben große Erfolge gefeiert. Für SPOX berichtet der 48-Jährige regelmäßig von den Entwicklungen rund ums DFB-Team. Diesmal nimmt er die deutschen WM-Gegner unter die Lupe und sagt, wie weit die deutsche Mannschaft in Südafrika kommen kann.

Hallo Fußball-Fans,

die Gruppen für die WM 2010 in Südafrika stehen also fest. Ich denke, Deutschland hat wie immer eine positive Auslosung gehabt. Klar sind unsere Gegner allesamt Ernst zu nehmen. Das gilt aber für jedes Team, das sich für eine Weltmeisterschaft qualifiziert hat. Für die DFB-Elf ist nicht nur das Weiterkommen ein Muss, sondern auch der Gewinn der Gruppe.

Australien: Am wenigsten fürchten müssen wir die Australier. Ich habe sie in der Qualifikation gegen Japan zweimal gesehen. Eigentlich hätten sie beide Male gegen die Japaner verlieren müssen. Den Ausschlag für die Socceroos hat ihre Kampfkraft gegeben. Zudem sind sie super organisiert, was nicht zuletzt an ihrem niederländischen Trainer Pim Verbeek liegt.

Sie haben mit Harry Kewell nur einen außergewöhnlichen Kicker. Ansonsten sind das alles Durchschnittsfußballer, die wohl in einem mittelmäßigen Bundesliga-Team mithalten können, aber nicht an die individuelle Qualität unserer Nationalspieler herankommen. Zudem wird es für unsere Mannschaft ein Vorteil sein, das Auftaktspiel gegen Australien als vermeintlich leichtesten Gegner zu bestreiten, um positiv ins Turnier zu starten.

Serbien: Unser zweiter und härtester Gruppengegner. Sie haben die Franzosen in der Qualifikation hinter sich gelassen. Das muss man erstmal schaffen. Wobei sich der Gruppensieg der Serben auch relativieren lässt, wenn man sieht, dass sich Frankreich nur mit großer Mühe gegen Irland durchgesetzt hat.

Dennoch: Serbien verfügt mit Subotic, Ivanovic, Pantelic, Vidic, Kacar, Kuzmanovic oder Stankovic über große individuelle Klasse. Unser Vorteil wird sein, dass wir die meisten Spieler sehr gut kennen und Löw die DFB-Elf optimal auf die Serben einstellen wird.

Ghana: Das wird ein unangenehmes Spiel. Ghana ist traditionell fußballerisch stark. Ihre Spieler verfügen über eine herausragende Technik und haben eine sehr gute Schnelligkeit in ihrem Spiel. Außerdem bringen die Westafrikaner immer wieder talentierte Nachwuchsspieler hervor. Das hat jüngst die U-20-WM gezeigt, die Ghana für sich entschieden hat.

Für sie ist es sicherlich ein großer Vorteil, auf dem eigenen Kontinent zu spielen. Im Vergleich zu den anderen afrikanischen Teams schätze ich Ghana aber nicht ganz so stark ein. Die Elfenbeinküste ist für mich derzeit die herausragende Mannschaft. Es hätte uns also auch schlimmer treffen können.

Allerdings wird auch in Südafrika die deutsche Tugend als Turniermannschaft greifen, so dass wir im dritten Spiel schon Fahrt aufgenommen haben und Ghana schlagen werden.

Meine Rechnung: drei Siege, klarer Gruppensieg

Ich gehe also von einem souveränen Gruppensieg der deutschen Mannschaft aus und rechne mit drei Siegen in der Vorrunde. Im Achtelfinale erwartet uns dann der Zweite der Gruppe C. England wird keine Probleme haben, die Gruppe zu gewinnen.

Um Platz zwei wird es einen erbitterten Kampf geben. Am unangenehmsten wäre für uns wohl die USA als Gegner im Achtelfinale, weil sie eine sehr kampfstarke Truppe sind und bisher immer bewiesen haben, dass sie bei großen Turnieren stets auf den Punkt genau vorbereitet und fit sind.

Im Viertelfinale gegen Argentinien

Lasst uns einen Blick auf die übrigen Gruppen werfen. Klar ist: Die Gruppe G ist die mit Abstand schwierigste. Mit Brasilien, Portugal und der Elfenbeinküste gibt es drei Mannschaften, die sich je nach Tagesform neutralisieren können. Einen der großen Nationen wird es also treffen.

Für das DFB-Team ist es ein klarer Vorteil, dass wir erst im Halbfinale gegen die ganz schweren Brocken wie Brasilien, Spanien oder Italien kommen können. Bis dahin müssen wir Argentinien aus dem Weg räumen.

Ich denke, dass den Gewinn des WM-Titels Deutschland, Brasilien, Portugal und England unter sich ausmachen. Dass ein Außenseiter den ganz großen Coup landet, halte ich für ausgeschlossen. Die letzten Weltmeisterschaften haben gezeigt, dass sich die großen Länder durchsetzen.

Bis zum nächsten Mal.

Euer Guido Buchwald

Guido Buchwald, geboren am 24. Januar 1961 in West-Berlin, gilt als einer der besten deutschen Abwehrspieler. Der heute 48-Jährige startete seine Profi-Karriere 1979 bei den Stuttgarter Kickers in der Zweiten Liga, bevor es ihn zum VfB Stuttgart zog, für den er elf Jahre lang in der Bundesliga kickte. Weitere Stationen waren der Karlsruher SC und Urawa Red Diamonds in Japan, wo Buchwald später auch drei Jahre als Trainer arbeitete. Seine erste und bisher einzige Trainerstation in Deutschland war Alemannia Aachen, wo er von Juni bis November 2007 im Amt stand.

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