Fussball

Kommentar zum Grindel-Rücktritt: Der DFB steht vor einem Scherbenhaufen

Reinhard Grindel tritt als DFB-Präsident zurück.

Reinhard Grindel hat sich mit zahlreichen Fehlern selbst ins vorzeitige Aus manövriert. Damit sich eine solche Situation nicht nochmal wiederholt, muss der DFB Grundsätzliches ändern. Ein Kommentar.

Selbst bei seinem Abschied sorgte Reinhard Grindel noch für Irritationen. In fast schon jämmerlichem Ton entschuldigte er sich für die Annahme einer Luxusuhr durch einen ukrainischen Oligarchen, die er - als Vorsitzender der UEFA-Compliance-Kommission - nicht dem DFB gemeldet hatte.

Dabei stand Grindels Aus als DFB-Präsident bereits vor dem Bild-Bericht über das Uhrengeschenk fest. Denn der 57-Jährige hatte zuletzt dermaßen regelmäßig in sämtliche Fettnäpfchen getreten, dass er am Ende sowohl bei den Amateuren als auch bei den Profis jegliche Unterstützung verloren hatte.

Nach knapp dreijähriger Amtszeit bleibt das Bild von "Präsident Peinlich", wie der Spiegel ihn kürzlich bezeichnete: Mit verheimlichten Zusatzeinkommen, regelmäßigem Zickzack-Kurs in sportlichen und sportpolitischen Fragen, fehlendem Rückhalt in der Bundesliga und indifferentem Verhalten gegenüber Migranten und deren so wichtiger Integration durch und im Fußball.

DFB: Reinhard Grindel ist auf ganzer Linie gescheitert

Grindel hatte hier als CDU-Bundestagsabgeordneter klare Kante gegen doppelte Staatsbürgerschaft und Multikulti gezeigt, entsprechend unglaubwürdig blieb für viele seine verbale Kehrtwende als DFB-Boss. Bestätigt fühlen durften sich diese Kritiker durch seine mindestens ungeschickten Aussagen nach dem WM-Aus über Mesut Özil, den er - ob bewusst oder aus mangelndem Geschick - nicht gegen die rassistischen Angriffe zahlreicher Hohlköpfe so verteidigte, wie es nötig gewesen wäre.

Einzig die Vergabe der EM 2024 nach Deutschland konnte sich Grindel auf die Fahnen schreiben - wobei auch hier seine Gegner sicher sind, dass die erfolgreiche Bewerbung nicht wegen, sondern trotz des Niedersachsen zustande kam.

Unterm Strich ist der Nachfolger von Wolfgang Niersbach auf ganzer Linie gescheitert. Schlecht beraten, ohne Fingerspitzen- und Taktgefühl, überfordert und nie wirklich angekommen im schwierigen Amt, zerrieben zwischen den hohen Ansprüchen von Basis und Vollprofis.

Dennoch war es für die Beobachter wie für seine anfänglichen Unterstützer überraschend, wie viele Fehler der ehemalige Journalist und Berufspolitiker sowohl kommunikativ als auch taktisch und strategisch gemacht hat.

Aus von Reinhard Grindel: DFB steht vor einem Scherbenhaufen

Der DFB steht nun wie schon nach dem letzten Rücktritt von Vorgänger Wolfgang Niersbach vor dreieinhalb Jahren erneut vor einem Scherbenhaufen und steuert ausgerechnet in Zeiten der sportlichen Krise und vielen ungelösten Fragen wie der Superliga oder der Klub-WM ohne echte Führung in die Zukunft.

Die einzig sinnvolle Lösung scheint daher die Einführung eines hauptamtlichen Vorstandsvorsitzenden mit Erfahrung im Profibereich und guten Drähten zu den Amateuren zu sein. In der jetzigen Konstellation mit einem pseudo-ehrenamtlichen Präsidenten droht ansonsten wieder eine faule Kompromisslösung.

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