Fussball

Holland als Feuerprobe: Kroos’ Kampf gegen die Entbehrlichkeit

Toni Kroos ist Deutschlands Fußballer des Jahres 2018.

Joachim Löw hält vor dem ersten EM-Qualifikationsspiel gegen die Niederlande (So., 20.45 Uhr im LIVETICKER) ein Plädoyer für Toni Kroos. Für den in der Kritik stehenden Mittelfeldspieler von Real Madrid ist das Duell mit dem Nachbarn trotzdem eine bedeutende Standortbestimmung. Seine Konkurrenten scharren mit den Hufen.

Toni Kroos blickte kurz zu Boden, als wolle er seine Gedanken sortieren, dann lächelte er. "Das ist doch normal", sagte Kroos schließlich auf die Frage zu der wachsenden Kritik, "wenn man so lange Erfolg hatte wie es persönlich bei mir oder bei Real Madrid war, findet man als Presse oder Ähnliches kaum negative Sachen. In solchen Momenten wie jetzt kann man dann eben losfeuern."

Neben der spanischen Presse hatte sich zuletzt auch Bernd Schuster spöttisch zu der in dieser Saison nicht mehr ganz so frischen Verfassung des Weltmeisters von 2014 geäußert. Einen müde vor sich her trabenden, ausgelaugten "Dieseltraktor" nannte der ehemalige Real-Trainer etwa seinen Landsmann Ende Februar nach dem verlorenen Clasico gegen den FC Barcelona im spanischen Pokal. "Wer?", fragte Kroos anschließend auf Twitter süffisant, als würde er Schuster nicht kennen.

Dieseltraktor-Kritik: Toni Kroos legt gegen Bernd Schuster nach

Am Samstag auf der Pressekonferenz vor dem Duell mit Oranje legte der Mittelfeldspieler gegen Schuster nach. Er habe dessen Worte nicht als konstruktive Kritik, sondern schlichtweg als "Quatsch" aufgefasst. Seine Spielweise werde er nicht verändern. "Sie war immer die gleiche", stellte Kroos eindringlich klar, "ich war nie der, der 90 Minuten über den Platz gesprintet ist oder 28 Grätschen gemacht hat."

Er sei zwar durchaus offen für konstruktive Kritik. "Es wird aber keiner mehr in meinem Fußball-Leben hinbekommen, dass ich Selbstzweifel bekomme", proklamierte Kroos mit der Überzeugung eines viermaligen Champions-League-Siegers.

Joachim Löw und Zinedine Zidane planen mit Toni Kroos

Joachim Löw gibt dem 29-Jährigen auch keinen Grund zu Selbstzweifeln. Anders als die fast gleichaltrigen Jerome Boateng, Mats Hummels und Thomas Müller ist Kroos nach Ansicht des Bundestrainers immer noch gut genug, um den allmählich vonstatten gehenden Umbruch aktiv mitzugestalten. Auch der zu Real zurückgekehrte Trainer Zinedine Zidane plant trotz einiger geplanter Millionen-Investitionen im kommenden Sommer nach Informationen von SPOX und Goal weiterhin mit dem bis 2022 vertraglich an den spanischen Rekordmeister gebundenen Kroos.

"Ich habe das Gefühl, dass er sich wieder etwas gefangen hat. Vielleicht hat der Trainerwechsel in Madrid auch etwas dazu beigetragen", mutmaßte Löw, der kurz nach Kroos die Fragen der Medienvertreter in der Johan-Cruyff-Arena beantwortete.

DFB-Team: Ilkay Gündogan und Leon Goretzka drängen sich auf

Überhaupt sei Kroos "mit seiner Ballkontrolle, seiner Fähigkeit, ein Spiel zu lenken, seiner Übersicht" für jede Mannschaft "ein unheimlicher Gewinn", betonte Löw und nahm an dieser Stelle auch das Wort "unverzichtbar" in den Mund. Nicht grundlos habe er dem Real-Star zuletzt auch die eine oder andere Ruhepause zugestanden wie zum Beispiel beim 1:1 gegen Serbien unter der Woche.

Gerade da drängten sich vor den Augen des Bundestrainers aber auch andere Spieler auf, die durchaus häufiger an der Seite des ebenfalls im defensiven Mittelfeld gesetzten Joshua Kimmich agieren könnten. Ilkay Gündogan zum Beispiel. Oder Leon Goretzka. Jüngere Spieler, die auf dem Platz mit Leistung vorangehen und sich aufgrund ihrer Rollen bei ihren Vereinen mittlerweile erlauben können, Stammplatzansprüche in der Nationalelf anzumelden.

Toni Kroos: "Will 2020 auf absolutem Top-Niveau sein"

Dessen ist sich auch Kroos bewusst. Er gibt sich nach einem Jahr zum Vergessen, begonnen mit dem WM-Fiasko in Russland und auf die Spitze getrieben mit den Pleiten der entzauberten Galaktischen aus Madrid, noch ein bisschen Zeit, um wieder der Alte zu werden.

"2020", zum Start der EM, erklärte der Rechtsfuß am Samstag, wolle er wieder "auf absolutem Top-Niveau" sein. Das Spiel bei den hungrigen Holländern darf er trotzdem als richtungsweisende Standortbestimmung verstanden wissen. Als Feuerprobe. Denn speziell nach den Ausbootungen von Boateng, Hummels und Müller sollte klar sein: Unverzichtbarkeit ist beim DFB schnell vergänglich.

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