Erdogan-Affäre: Özil, Löw, Bierhoff, Grindel - wie geht es weiter?

Montag, 09.07.2018 | 13:04 Uhr
Die erste Aussprache im Mai: Löw, Özil, Grindel, Gündogan, Bierhoff (v.l.).
© getty
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Nach den Aussagen von Oliver Bierhoff und DFB-Präsident Reinhard Grindel schlägt die Diskussion um Mesut Özil neue Wellen. SPOX nimmt die Protagonisten der Erdogan-Affäre unter die Lupe: Wie könnte Bundestrainer Joachim Löw reagieren? Was bedeutet die Medienoffensive von Bierhoff und Grindel? Und welche Möglichkeiten bleiben Mesut Özil? Fest steht: Es wird nicht leicht...

1. Bundestrainer Joachim Löw

Dass Löw im Mai nachsichtig auf die Fotos mit dem türkischen Präsidenten reagierte, mag angesichts der Tatsache, dass er auf die gleiche Berateragentur vertraut wie Özil und Gündogan, nicht verwundern. Es sei "keine glückliche Aktion" gewesen und "eine Lehre für sie". Er habe allerdings Verständnis dafür, dass "in deren Brust auch manchmal zwei Herzen schlagen".

Die beiden Spieler deshalb nicht mit nach Russland zu nehmen, sei "in keiner Sekunde" eine Überlegung gewesen, betonte Löw damals. Die Überlegung, Özil aus sportlichen Gründen nicht zu nominieren, wie sie Bierhoff nun kolportierte, war öffentlich überhaupt kein Thema. Löw bescheinigte Özil zwar Nachholbedarf, weshalb der Regisseur in der Vorbereitung Extraschichten absolvierte. Dennoch stand er im ersten Spiel gegen Mexiko wie üblich in der Startelf. Im kicker hatte er Özil bescheinigt, "eher in der Lage" zu sein, "die Dinge komplett auszublenden und sich komplett auf den Fußball zu konzentrieren."

In Russland wollte Löw das Thema klein halten. Für ihn sei dazu alles gesagt, sagte er im Vorfeld des Mexiko-Spiels. Er werde sich auf das Sportliche konzentrieren. Mögliche Pfiffe? "Okay, dann ist das so." Löw wusste zu diesem Zeitpunkt, dass ein öffentliches Statement nicht folgen und dass sich das Thema durchs Turnier ziehen würde. Auch er wird an der Entscheidung, Özil ein Fernbleiben vom Medientag in Eppan zu ermöglichen, nicht unbeteiligt gewesen sein - das soll anderen Spielern übel aufgestoßen haben.

Während Bierhoff und Grindel nun in die Offensive gingen, weilt Löw seit der Ankündigung, dass er am Ruder bleibt, im Urlaub. Ob und wie der Umbruch ausfallen wird, ob Özil eine Zukunft im Team hat, blieb bisher offen. "Rechtzeitig bis zum Start in die neue Länderspielsaison im September" soll die WM analysiert und die richtigen Schlüsse gezogen werden.

Diskussion um Mesut Özil: Wie kann Joachim Löw reagieren?

Mit dem gleichen Agentur wie Özil im Rücken wird Löw seinem verdienten Regisseur ganz sicher nicht in den Rücken fallen und ebenfalls öffentlich ein Statement fordern. Auch eine Verteidigung Özils ist unwahrscheinlich - höchstens gegen die unverhältnismäßig bis ins Rassistische abgleitende Kritik. Aber auch das wäre eine Überraschung, zumal es bisher keine konzertierte Aktion des Verbandes gab.

Welche Möglichkeiten gibt es? Sollte Özil daran denken, sich in den nächsten Wochen doch noch zu äußern, wird Löw das frühzeitig erfahren und bis dahin schweigen. Danach könnte er seinem Star erneut den Rücken stärken.

Schweigt Özil konsequent weiter, hat Löw zwei Möglichkeiten: Er könnte Özil dennoch für die Partien gegen Frankreich und Peru nominieren, damit würde er seinen WM-Kurs konsequent fortsetzen. Gleichzeitig würde er dem Präsidium den Schwarzen Peter zuschieben: Grindel hat öffentlich ein Ultimatum ausgesprochen. Er könnte sich kraft seiner Richtlinienkompetenz gegen Özil stellen, er müsste es nach seinen letzten Aussagen geradezu. Damit würde die Mission Wiederaufbau denkbar schlecht starten und der DFB wie so oft in den letzten Wochen ein katastrophales Bild abgeben.

Alternativ könnte Löw auf Özil verzichten und ihn nicht mehr nominieren. Nicht aufgrund des Erdogan-Fotos: Gäbe er dieses als Grund an, würde er gleichzeitig einen großen Fehler zugeben, die "keine Sekunde darüber nachgedacht"-Aussage würde ihn einholen. Aus sportlichen Gründen wäre es mit Hinblick auf den Umbruch zumindest vertretbar, allerdings ist Özil erst 29 und der einzige klassische Regisseur von internationalem Format.

Ein neues System? Auf junge Spieler setzen? Löw könnte so argumentieren, es bliebe wohl aber zumindest ein fader Nachgeschmack.

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