Löw startet Phase der Experimente

SID
Montag, 05.06.2017 | 18:09 Uhr
Für Joachim Löw beginnt die große Experimentierphase
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Debütantenball in Dänemark: Für Bundestrainer Joachim Löw beginnt mit dem Länderspiel in Kopenhagen die große Experimentierphase. Sieben Spieler seines blutjungen Kaders haben noch kein Länderspiel bestritten.

Marvin Plattenhardt und Diego Demme kletterten in Kopenhagen ehrfürchtig, aber voller Vorfreude in den Mannschaftsbus des Weltmeisters. Auch Amin Younes und Sandro Wagner wirkten nach der Landung des Lufthansa-Flugs 342 gelöst: Mit dem Debütantenball in Dänemark läutet Bundestrainer Joachim Löw einen Sommer voller Experimente ein - und die Neulinge gehen die Prüfung mit großer Neugier und viel Spaß an.

"Für uns ist es ein Kaltstart", sagte Löw. Gleich sieben Profis ohne Länderspieleinsatz gehören zum 21er-Kader, der sich am Montagmorgen in Düsseldorf traf und nach einem 70-minütigen, leicht wackligen Flug im Sonnenschein landete. Timo Werner war nicht dabei. Der Leipziger Torjäger sagte aufgrund von Magen-Darm-Problemen kurzfristig ab. Der Ex-Stuttgarter soll allerdings in den nächsten Tagen wieder zum Kader stoßen. Mit Blick auf das große Ziel WM 2018 in Russland nimmt Löw seine unerfahrene Mannschaft vor der ersten Bewährungsprobe am Dienstag (20.45 Uhr/ZDF) im Bröndby-Stadion aber in die Pflicht.

"Über allem steht die WM 2018 und der erneute Titelgewinn, das ist die Vision. Eine Mission auf dem Weg dahin ist die Teilnahme am Confed Cup. Das Ziel für mich ist, drei oder vier, vielleicht sogar fünf Spieler so weit zu bekommen, über dieses Turnier und die nächste Saison, dass sie in der Lage sind, Druck zu machen auf unsere etablierten Spieler, wenn es 2018 um den Titel geht", sagte Löw im SID-Interview.

Pause für die Stars

Der 57-Jährige sucht in seinem blutjungen Talenteschuppen die Weltmeister von morgen. Denn auch er weiß: Stillstand bedeutet Rückschritt. "Was ich über die Jahre gelernt habe ist, dass man Veränderungen braucht - ob man erfolgreich ist oder nicht. Nicht immer abrupt, aber über gewisse Phasen hinweg", sagte der Weltmeistercoach.

Die Begegnung in Dänemark, das WM-Qualifikationsspiel am 10. Juni in Nürnberg gegen San Marino sowie den anschließenden Confed Cup in Russland (17. Juni bis 2. Juli) mit Gruppenspielen gegen Australien, Chile und Kamerun will Löw intensiv nutzen, um die neu formierte Mannschaft besser kennenzulernen. "Wir sind jetzt vier Wochen zusammen, haben bis zu sieben Spiele. Danach kann ich Spieler anders beurteilen, sehen, woran der eine oder andere noch arbeiten muss."

Seinen strapazierten Stars gönnt Löw unterdessen die dringend benötigte Pause. Der dänische Verband wirbt auf dem Plakat für das Spiel 25 Jahre nach dem sensationellen Finalsieg bei der EM 1992 in Schweden gegen die Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) zwar mit Mesut Özil, doch am Dienstag wird nicht nur der Spielmacher des FC Arsenal fehlen. Kein Manuel Neuer, kein Mats Hummels, kein Thomas Müller - die Liste der pausierenden bzw. verletzten Topspieler ist lang.

Die Kapitänsfrage bleibt offen

In Löws Aufgebot stehen lediglich drei Weltmeister von 2014: Julian Draxler, Shkodran Mustafi und Matthias Ginter. "Es wird eine spannende Zeit mit einer neuen Gruppe", sagte Mustafi. Der gesamte Kader hat nach Werners Ausfall ein Länderspiel weniger bestritten als Rekordnationalspieler Lothar Matthäus (150) und kommt dabei gerade einmal auf acht Tore. Torhüter Kevin Trapp, Wagner, Younes, Demme, Kerem Demirbay, Plattenhardt und Lars Stindl könnten zu ihrem ersten Länderspieleinsatz kommen. "Wir möchten Spieler auf ein anderes Niveau heben. Das zu schaffen, ist mir wichtig", sagte Löw, der die Kapitänsfrage offen ließ und sich vor der einzigen gemeinsamen Trainingseinheit auch zur möglichen Aufstellung nicht konkret äußern wollte.

Unterstützung für seinen Weg erhält er von Sami Khedira, der nach dem verlorenen Champions-League-Endspiel mit Juventus Turin gegen Real Madrid (1:4) ebenso eine Pause bekommt wie Sieger Toni Kroos. "Wir sind am Limit. Es wäre fahrlässig, wenn Joachim Löw das ignorieren würde", sagte Khedira zuletzt der Bild-Zeitung und betonte, dass die Nationalmannschaft auch ohne die geschonten Stars über einen Kader verfüge, "den viele andere Länder gerne hätten". Es sei "keine Hobby-Truppe". - Die voraussichtlichen Mannschaftsaufstellungen:

Joachim Löw im Steckbrief

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