Bisschen mulmig is' scho'!

Samstag, 08.10.2016 | 12:45 Uhr
Joachim Löw wirkt in der Vorbereitung auf das Tschechien-Spiel nachdenklich
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Für Deutschland zählt am Samstagabend im zweiten Qualifikationsspiel zur WM 2018 gegen Tschechien nur ein Sieg (20.45 Uhr im LIVETICKER). Doch Joachim Löws Warnungen vor dem Gegner kommen nicht von ungefähr - vor dem Hintergrund der Statistik ist sogar eher Demut angesagt.

Die letzten Informationen zum Spiel:

Offenes Visier gegen Tschechien: Erst sechsmal traf Deutschland in einem Länderspiel auf Tschechien. Die Bilanz im direkten Vergleich spricht zwar für das DFB-Team (vier Siege), allerdings zeigt sich auch: Eine Punkteteilung gab es noch nie. Denn die beiden anderen Partien gingen an die Tschechen. Die Historie gibt also ganz klar die Richtung vor: Offenes Visier und keine halben Sachen machen!

Jogis Angstgegner: Dass auch gegen Tschechien am 2. Spieltag der Gruppe C nur ein Sieg zählt, ist klar. Ein bisschen mulmig ist Joachim Löw bei der Erinnerung an das letzte Aufeinandertreffen mit dem Nachbarland aber sicher schon. Am 17. Oktober 2007 setzte es für Deutschland in der EM-Qualifikation eine satte 0:3-Niederlage - zu Hause in München. Man darf in späteren Legendenerzählungen also getrost von Jogis persönlichem Angstgegner sprechen. Die Pleite damals war nämlich Löws höchste als Bundestrainer. Zeit, die Statistik ein bisschen aufzupolieren.

Verlockendes Wettangebot: Eine Überraschung traut den Tschechen aktuell ohnehin kaum einer zu. In der FIFA-Weltrangliste verbesserte sich die deutsche Auswahl durch die beiden Siege gegen Finnland (2:0) und Norwegen (3:0) zuletzt von Platz vier auf Platz drei. Tschechien belegt nur den 33. Rang. Das haben auch die Buchmacher registriert. Die Wettquote eines deutschen Sieges liegt gerade einmal bei 1,20. Wer mit einem deutschen Sieg also 20 Euro herausschlagen will, müsste dafür schon 100 Euro setzen. Tschechische Optimisten dagegen könnten richtig absahnen: Wer zehn Euro auf die Gäste setzt, bekommt bei erfolgreicher Wette 150 Euro zurück. Kleiner Tipp: Es wäre wohl hinausgeschmissenes Geld.

Alle Spiele und Termine: Der DFB-Fahrplan bis zur WM 2018 in Russland

Frühstarter: Zur Qual soll die Quali aus deutscher Sicht diesmal nicht werden. Im Gegensatz zur vergangenen EM-Qualifikation übernahm Deutschland deshalb gleich am 1. Spieltag durch den Sieg in Norwegen die Tabellenführung in Gruppe C. Auf dem Weg zur EM in Frankreich hatte Löws Truppe erst am 7. Spieltag erstmals die Tabellenspitze erklommen. Wichtig seien aber nicht nur die Ergebnisse. Der Fokus liege deutlich auf der spielerischen Weiterentwicklung, machte der Bundestrainer klar. Dann zeigt mal her!

Weltmeisterliche Serie, aber...: Deutschland ist in den Qualifikationsspielen für die EM und WM seit 22 Heimspielen ungeschlagen (18 Siege, vier Remis). Wer zum DFB-Team reist, hat also schon mal gar keine Ansprüche zu stellen - außer man heißt... genau, Tschechien! Denn: Die letzte deutsche Heimniederlage in einem Qualifikations-Wettbewerb gab es vor neun Jahren gegen die Tschechen (s.o.).

Geteiltes Leid: Mangelnde Durchschlagskraft in der Offensive wirft man dem DFB-Team nicht erst seit der EM vor. Auch der Quali-Auftaktsieg gegen Norwegen beendete die Diskussion keinesfalls. Doch mit dem Problem steht Deutschland nicht alleine da: Auch die Tschechen waren zuletzt alles andere als Tormaschinen. Das stellte auch der 1. Spieltag unter Beweis, als man sich trotz spielerischer Überlegenheit (17:7 Torschüsse, 65 Prozent Ballbesitz) mit einem 0:0-Heimremis gegen Nordirland begnügen musste.

Es müllert wieder: Auf Deutschlands Torungefährlichkeit darf man sich allerdings nicht zu sehr einschießen - dank Thomas Müller. Nach einer EM zum Vergessen, als ihm sprichwörtlich die Scheiße am Schuh klebte, brach der Bayern-Stürmer in Norwegen seinen Torbann endlich wieder. Mit zwei Treffern und einer Torvorlage war er letztlich sogar der klare Matchwinner. Seine wettbewerbsübergreifende DFB-Bilanz liest sich ohnehin bärenstark: 79 Länderspiele - 34 Tore, 22 Assists.

Bayern-Block: Der FC Bayern ist auch in der Defensive am Samstagabend das große Thema. Denn: Mit Joshua Kimmich, Jerome Boateng und Mats Hummels werden vor Manuel Neuer wohl gleich drei Spieler des Rekordmeisters auflaufen. Das gab es so auch lange nicht mehr. Dafür bricht Jogi sogar mit einer alten Fußballerweisheit: Never change a winning team, heißt es doch so schön. Um Boateng wieder reinzurotieren, bleibt Höwedes gegenüber dem 3:0 in Oslo aber wohl erst einmal draußen.

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Europäischer Stammgast, globale Ausnahmeerscheinung: Die tschechische Nationalmannschaft hat sich seit ihrer Existenz (Anfang 1994) immer für die EM qualifiziert. Seit Tschechien ohne slowakische Spieler antritt, gelang aber nur in einem von fünf Fällen die WM-Qualifikation (2006 in Deutschland). Klar, wonach sich ein ganzes Land in dieser Qualifikationsphase sehnt.

Ohne den Glanz vergangener Tage: Pavel Nedved, Jan Koller, Tomas Rosicky, Milan Baros... Das war vor über einem Jahrzehnt die Zeit, in der Tschechien voller Stolz von seiner Goldenen Generation sprach. Die Reprezentace war die Mannschaft der Zukunft. 2016 ist davon wenig übrig. Selbst Petr Cech, weltweit unbestritten einer der besten Torhüter der letzten Jahre, hat vor wenigen Wochen seinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft verkündet. Es war irgendwie auch der Schlussstrich unter einer total verpatzten Ära. In diesem Sommer in Frankreich blieben die Tschechen zum ersten Mal bei einer EM sieglos. In einer Gruppe mit Spanien (0:1), Kroatien (2:2) und der Türkei (0:2) wurde man Tabellenletzter. Jetzt stehen die Tschechen am Anfang eines großen Umbruchs.

Ära Papa Jarolim: Diesen Umbruch soll Karel Jarolim einläuten. Am 1. August dieses Jahres trat der Vater des ehemaligen Bundesliga-Profis David Jarolim den Posten als Nationaltrainer der tschechischen Nationalmannschaft an. Zuvor trainierte der 60-Jährige unter anderem Slavia Prag. Er folgte auf Pavel Vrba, der nach dem Vorrunden-Aus der Tschechen bei der EM auf eigenen Wunsch als Vereinstrainer nach Russland zum Erstligisten Anschi Machatschkala gewechselt war.

Schiedsrichter-Wundertüte mit kurzer Leine: Ovidiu Hategan. Der 36-jährige Rumäne steht seit 2008 auf der Liste des Weltverbands FIFA. In diesem Jahr kam Hategan bei zwei EM-Gruppenspielen zum Einsatz und verteilte in den Begegnungen Polen - Nordirland (1:0) und Italien - Irland (0:1) neun Gelbe Karten. Hategan pfiff auch zwei Spiele bei Olympia in Rio und zog dabei 14-mal den gelben Karton. Eine Partie mit deutscher Beteiligung hat Hategan bisher aber noch nie geleitet. Premiere also.

Die voraussichtlichen Aufstellungen:

Deutschland: Neuer - Kimmich, Boateng, Hummels, Hector - Khedira, Kroos - Müller, Özil, Draxler - Götze

Tschechien: Vaclik - Gebre Selassie, Sivok, Suchy, Kaderabek - Skalak, Pavelka - Sykora, Dockal, Krejci - Schick

Schiedsrichter: Ovidiu Hategan (Rumänien)

Deutschland - Tschechien: Daten zum Spiel

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