CDU-Politiker am Ziel

Grindel neuer DFB-Präsident

SID
Freitag, 15.04.2016 | 13:19 Uhr
Reinahrd Grindel ist der 12. DFB-Chef der Geschichte
© getty
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Als Reinhard Grindel ausgerechnet im Saal "Harmonie" zum neuen DFB-Präsidenten gewählt wurde, war der brüchige Frieden im DFB zumindest am Tag des Neustarts wiederhergestellt. Mit großer Mehrheit bestätigten die 255 Delegierten im Frankfurter Congress Center das, was seit Wochen klar war: Der CDU-Politiker Grindel soll den DFB aus der Krise führen, er ist der 12. DFB-Chef der Geschichte.

"Es gibt Aufgaben, die wichtiger sind, als wir selbst: dafür zu sorgen, dass der Fußball eine gute Zukunft hat, in der Bundesliga und in der Kreisliga", sagte der Nachfolger des im November 2015 zurückgetretenen Wolfgang Niersbach (65) während seiner Wahlrede: "Dafür setze ich mich ein. Darum geht es jetzt!" Es gab bei 250 Ja-Stimmen, vier Gegenstimmen und eine Enthaltung.

Auf den bisherigen DFB-Schatzmeister, der sein Mandat im Bundestag aufgibt und dafür beim DFB rund 14.000 Euro bekommt, wartet eine Mammutaufgabe: Er muss die Streitereien zwischen den Profi- und Amateur-Vertretern beilegen, die Reputation des DFB auf internationalem Parkett wiederherstellen, die zu erwartenden Einschläge der WM-Affäre 2006 abfedern - und, und, und.

"Wir gewinnen neues Vertrauen und werden erfolgreich sein, wenn wir zusammenhalten und die Einheit im Fußball leben. Amateurverbände und Liga, Haupt- und Ehrenamt.

EM 2024 ist das Ziel

Der neue DFB wird eine gute Zukunft haben, wenn es uns gelingt, alles zu vereinen: die sportlichen Erfolge, das äußere Erscheinungsbild, aber eben auch die inneren Werte", sagte Grindel. Aber die Zeit wird knapp: Die Amtszeit des neuen Chefs läuft zunächst bis zum Ordentlichen Bundestag am 3. und 4. November in Erfurt.

Zum neuen Schatzmeister wurde Stephan Osnabrügge (45) gewählt, Generalsekretär Friedrich Curtius (39) einstimmig bestätigt.

Das übergeordnete Ziel bleibt die Ausrichtung der Europameisterschaft 2024. "Wir werden geschlossen - Liga und Amateurverbände - unser Leuchtturmprojekt weiter mit großer Energie verfolgen, die EURO 2024 nach Deutschland zu holen", sagte Grindel. Vergeben wird das Turnier durch die UEFA nicht vor 2017.

Zuletzt hatten auch die skandinavischen Ländern ihre Interesse bekundet, ein weiter Kandidat könnte die Türkei sein.

"Wir leben die Einheit des Fußballs"

"Die tiefgreifende und nachhaltige Aufklärung der Affäre rund um das Organisationskomitee der WM 2006 war und ist die notwendige Voraussetzung, um sich mit neuer Integrität für dieses Turnier bei der UEFA bewerben zu können", sagte Grindel: "Denn organisatorisch haben wir alles, was man braucht: Wir haben die Stadien, wir haben die Infrastruktur, wir brauchen keinen Hektar neu zu versiegeln und wir brauchen nicht das große Geld, um die EURO 2024 zu stemmen."

Bewältigen muss Grindel dafür in den kommenden Wochen den Interessenkonflikt mit der Liga - den es angeblich gar nicht gibt. "Nun ist in den letzten Wochen viel geschrieben worden über das Verhältnis von Ligaverband und Amateurverbänden", sagte Grindel. Das "gute Vertrauensverhältnis" zwischen Profis und Amateuren sei aber einmalig. "Wir leben die Einheit des Fußballs", sagte Grindel.

Allerdings betonte der neue DFB-Boss, der von den Amateuren vorgeschlagen wurde, während seiner Rede immer wieder die große Bedeutung der "Kleinen" im DFB.

Wirtschaftliche Aktivitäten besser kontrolliert

"Unsere Weltmeister haben eben nicht alle bei Bayern München oder Borussia Dortmund angefangen, sondern beim FT Gern, beim TSV Pattensen oder dem SC Ronsberg", sagte er: "Es gilt bis heute: Wir können an der Spitze nur erfolgreich sein, wenn es an der Basis stimmt."

Anpassen wird der Weltmeister-Verband nach den vergangenen Horror-Monaten hoffentlich einheitlich seine Struktur. Dies werde in erster Linie die "klare Zuständigkeitsabgrenzung zwischen Haupt- und Ehrenamt" sowie die Einrichtung einer verbandseigenen Ethikkommission umfassen, kündigte Grindel an.

"Bis zum ordentlichen Bundestag müssen wir unsere Satzung anpassen und insbesondere die Vorschrift abschaffen, dass Erledigungen der laufenden Geschäfte Sache des Präsidiums sind. Das ist Aufgabe des Hauptamtes und das werden wir regeln."

Zusätzlich werde beim Generalsekretär eine Stabsstelle für Compliance und Controlling eingerichtet. Die wirtschaftlichen Aktivitäten sollen künftig in einer Tochtergesellschaft gebündelt werden, in der ein ehrenamtlicher Aufsichtsrat die Aktivitäten der Geschäftsführung kontrolliert.

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