Boateng rechnet ab

"Ballack ist mir nicht wichtig"

Von Roman Ahrens
Mittwoch, 17.02.2016 | 11:03 Uhr
Das Foul, welches Michael Ballack die WM 2010 kostete
© getty
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Kevin-Prince Boateng ist nach seinem Wechsel zum AC Milan mehr oder weniger von der deutschen Bildfläche verschwunden. Das dürfte sich mit seiner Biografie "Ich, Prince Boateng" aber wieder ändern. Darin rechnet der Ex-Schalker mit S04 ab und erkärt sein Foul gegen Michael Ballack.

Im Januar ging Boateng nach langen Hickhack von S04 zurück zu den Rossoneri. Mit seinem Buch bringt sich der 28-Jährige nun wieder auf die Bildfläche, enthält es doch gleich mehrere brisante Aussagen.

Über seinen alten Trainer, Roberto Di Matteo, sagt Boateng etwa: "Er hat einen Führungsstil gesucht, der der Mannschaft nicht gepasst hat. Es sind alles junge Spieler, die sind hungrig, sie wollen gefüttert werden. Doch er hatte nicht das richtige Fressen für uns dabei. Seine Art war nach außen einfach nicht hart genug." Di Matteo hatte Boatengs Suspendierung im Mai vergangenen Jahres mitgetragen.

Auch zu seinem alten Kapitän Benedikt Höwedes äußert sich KPB in dem Buch: "Richtig ist, dass wir uns von Anfang an nicht riechen konnten. Aber auf dem Platz haben wir trotzdem zusammen immer Gas gegeben", schreibt er über den Schalker, der zudem der erste Spieler gewesen sei, der ihm eine SMS nach seiner Suspendierung geschickt habe.

Das folgenschwere Foul

Doch nicht nur die Vereinsebene spricht Boateng an, sondern auch das Foul an Michael Ballack im Vorfeld der WM 2010. Dieses sei keinesfalls Absicht gewesen, er habe den DFB-Kapitän nie verletzen wollen.

Allerdings habe er schon seit dem ersten Aufeinandertreffen in der Bundesliga eine Abneigung gegen Ballack gehabt. Damals sei ihm der Münchner absichtlich auf den Fuß getreten und habe anschließend extrem arrogant reagiert.

Nichtsdestotrotz will Boateng das Foul nicht in diesem Zusammenhang gesehen wissen. Beim DFB sei man nach der Botschaft, dass Ballack das Turnier in Südafrika mit einem Syndesmosebandriss verpasse, teilweise sogar froh gewesen.

Boateng habe Nachrichten von Nationalspielern bekommen. "Sein Standing in der Mannschaft war weiß Gott nicht gut. Keinen freute es, dass er sich verletzt hat, mich am wenigsten, aber viele fanden 'ohne Ballack' sogar die bessere Option", heißt es in dem Buch.

Staatsfeind Nummer Eins

Die Tage und Wochen nach Boatengs Foulspiel seien besonders schlimm für ihn gewesen. "Ich habe Morddrohungen bekommen, ich bekam mehrere Briefe, in denen stand, dass man mich lynchen wolle", berichtet der ghanaische Nationalspieler. "Nigger, vergasen sollte man dich" oder "Wir vergewaltigen deine Frau" seien ebenfalls Inhalt der Briefe gewesen.

Mit dem ehemaligen DFB-Kapitän hat sich Boateng nie ausgesprochen: "Es gibt nichts zu klären. Man setzt sich nur mit jemandem zusammen, wenn es ein Freund ist oder eine Person, die einem wichtig ist". Ballack sei ihm aber nicht wichtig - und andersrum gelte dies auch.

Vor dem Abflug zum Europa-League-Spiel in Lwiw gegen Schachtjor Donezk äußere sich auch Schalke-Manager Horst Heldt: "Ich habe keine besonderen Befürchtungen. Kevin hat ein bewegendes und interessantes Leben geführt und ich hoffe, dass er auch noch lange ein so interessantes und bewegendes Leben weiteführen wird. Für mich ist nicht neu gewesen, dass er vorhat, seine Memoiren zu veröffentlichen. Im Zuge unseres friedlichen Auseinandergehens habe ich schon berücksichtigt, dass sowohl für Kevin, als auch für Schalke 04 wichtig ist, das sauber zu beenden - und keine schmutzige Wäsche zu waschen, wie es so schön heißt. Sollte es im Buch nun doch Passagen geben, wo er sich über aktuell oder ehemals handelnde Personen aus dem Verein negativ äußert, dann wird er nicht so viele Bücher verkaufen können, wie die Strafe kostet. Das wird er mit den Buchverkäufen nicht wieder hereinholen können."

Kevin-Prince Boateng im Steckbrief

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