"Die EM ist keine Klassenfahrt"

Dienstag, 07.07.2015 | 15:00 Uhr
Lukas Klostermann gehört zu Marcus Sorgs Stammpersonal in Griechenland
© getty
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Am Dienstag startet die U19 des DFB in die Europameisterschaft in Griechenland. Vor dem Auftaktmatch gegen Spanien (ab 20.45 Uhr im LIVE-TICKER) unterhielt sich SPOX mit Lukas Klostermann. Der Verteidiger von RB Leipzig sprach dabei über die Erwartungen vor der EM, die Stimmung im Team und seine Lieblingsposition.

SPOX: Herr Klostermann, die U19-EM in Griechenland steht an. Inwiefern spielt die wirtschaftlich und politisch angespannte Lage in dem Land eine Rolle? Macht man sich da Gedanken? Bekommt die Mannschaft davon irgendetwas mit?

Lukas Klostermann: Nein, von der aktuellen Lage bekommen wir vor Ort nichts mit. Klar hat man die politischen und wirtschaftlichen Probleme in Griechenland auf dem Schirm, aber direkt konfrontiert wird man hier nicht damit. Wir fühlen uns hier sehr wohl. Das Hotel-Personal ist sehr freundlich und zuvorkommend.

SPOX: Mit welchen Erwartungen gehen sie die Europameisterschaft an?

Klostermann: Die Vorfreude ist natürlich riesengroß, keine Frage. Es ist mein erstes großes internationales Turnier. Da möchte man sich natürlich zeigen und mit der Mannschaft erfolgreich sein. Nach der geglückten Qualifikation zählte ich quasi die Tage, bis es endlich so weit war - und jetzt geht es endlich los.

DFB-Team im Kadercheck: Offensiv zur Titelverteidigung

SPOX: Könnte die kurze Vorbereitungszeit zum Problem werden? In so kurzer Zeit fällt es doch schwer, innerhalb des Teams Automatismen einzuüben...

Klostermann: Natürlich ist die Vorbereitungszeit nicht besonders lange, dafür versuchen wir aber die Einheiten möglichst intensiv zu nutzen. Einmal eben auf dem Platz und auch viel abseits des Grüns mit vielen Videoanalysen, in denen wir sehr viel lernen und perfekt auf den Gegner vorbereitet werden. Dadurch nehmen wir viel mit. Man fühlt sich bestens eingestellt, trotz der kurzen Zeit, die wir bislang erst zusammen sind.

SPOX: Die Stimmung scheint sehr gut zu sein. Vor einigen Tagen zeigte sich die Mannschaft im Pool. Alle wirkten locker und gelöst. Täuscht das?

Klostermann: Nein, die Stimmung ist tatsächlich gut. Natürlich ist es nicht einfach die richtige Mischung zwischen Lockerheit und Anspannung zu finden, aber ich denke, das gelingt uns im Team bislang sehr gut. Uns ist in den Trainingseinheiten die Spielfreude anzumerken und ich bin guter Dinge, dass wir die auch im Turnier an den Tag legen werden.

SPOX: Besteht nicht die Gefahr, dass die Stimmung zu gut sein könnte?

Klostermann: Davon gehe ich nicht aus. Bei uns wissen alle Jungs, um was es bei der EM geht. Wir wissen, was wir hier erreichen können und gehen daher auch mit höchster Seriosität an die Aufgaben ran.

SPOX: Mit Leroy Sane hat man einen Spieler im Kader, der bereits in der Champions League getroffen hat. Timo Werner hat über 60 Bundesligaspiele. Inwieweit kann diese Erfahrung dem gesamten Team helfen?

Klostermann: Zunächst mal muss ich klar stellen, dass alle 18 Jungs richtig gute Kicker sind und zurecht in der deutschen U19-Nationalmannschaft spielen. Das Wichtigste ist, dass wir auf dem Platz als Team auftreten und dort Geschlossenheit und Zusammenhalt demonstrieren. Die bisherigen Trainingseinheiten stimmen mich dahingehend positiv, dass wir das im Turnier wirklich zeigen. Natürlich haben wir individuelle Klasse, aber wir können nur als Mannschaft erfolgreich sein.

SPOX: Ist es nicht gefährlich, wenn einige Jungs schon die CL-Hymne hörten, während manche Jungs lediglich in der Regionalliga oder in den U19-Teams zum Einsatz kamen? Gibt es Neid im Team?

Klostermann: Auf keinen Fall! Das EM-Turnier ist für alle etwas ganz Besonderes und das merkt man auch. Hier stellt sich keiner über den anderen stellen.

SPOX: Welche Rolle haben sie in dem Team? Immerhin waren Sie in der Qualifikation vereinzelt auch Kapitän...

Klostermann: Ich versuche mich mit meiner Erfahrungen, die ich im Verein im letzten Jahr gesammelt habe, einzubringen. Ich will dafür sorgen, dass eine gewisse Harmonie auf dem Platz herrscht. Nur so können wir erfolgreich sein.

SPOX: Ursprünglich hieß es, Sie würde wie Ihre Teamkollegen Davie Selke und Willi Orban auf die EM verzichten. Warum fahren Sie letztlich doch mit nach Griechenland und verpassen dadurch einen Teil der Vorbereitung bei RB Leipzig?

Klostermann: Meine vermeintliche Absage war eine Falschmeldung. Bereits nach der erfolgreichen Qualifikation war mir klar, dass ich das Turnier spielen werde. Die Spiele auf internationalem Top-Niveau bringen mich weiter und helfen mir in meiner Entwicklung. Zudem ist es auch eine Art Vorbereitung - die EM ist ja keine Klassenfahrt.

SPOX: Wie wurde diese Entscheidung von Trainer Ralf Rangnick aufgenommen?

Klostermann: Das war alles mit Herrn Rangnick abgesprochen und die Entscheidung wurde einvernehmlich getroffen. Ich habe ja auch richtig Bock auf die Europameisterschaft, zumal sich das Turnier auf sehr hohem Niveau bewegt.

SPOX: Wie stark würden Sie die Mannschaft einschätzen? Was ist das Ziel? In der Gruppe wird es mit Spanien, Russland und den Niederlanden schon happig...

Klostermann: Wie das bei einer EM zu erwarten war, sind die Gruppengegner sehr gut, aber wir brauchen uns überhaupt nicht zu verstecken. Wir haben auch eine sehr gute Mannschaft.

SPOX: Also ist das Ziel der EM-Titel?

Klostermann: Das Ziel ist jetzt erstmal das Auftaktspiel gegen Spanien ordentlich zu gestalten. Es macht keinen Sinn vor dem Turnier über das fünfte Spiel zu reden.

SPOX: Sowohl die U17, die U20 und die U21 konnten in diesem Jahr nicht den erhofften Titel holen. Spüren Sie so etwas wie Druck? Immerhin gewann die U19 im letzten Jahr das Turnier...

Klostermann: Von außerhalb spüren wir überhaupt keinen Druck. Wir haben zwar hohe Erwartungen an uns selbst. Aber wir werden nicht verkrampfen, keine Angst. Wir werden mit einer professionellen Lockerheit an den Start gehen, um bei dem Turnier erfolgreich zu sein. Unser Team ist qualitativ sehr gut aufgestellt und wir haben einen sehr ausgeglichenen Kader. Wohin der Weg führt, werden wir am Ende dann sehen.

SPOX: Kommen wir noch einmal kurz zu Ihnen persönlich. Sie sind in der Abwehrreihe vielseitig einsetzbar. Bei Ihrem Klub wurden sie sowohl auf der linken und rechten Außenverteidigerposition, als auch in der Mitte eingesetzt. Wo sehen Sie sich am stärksten?

Klostermann: Meine Lieblingsposition ist auf dem Platz (lacht). Mir ist es relativ egal, ob ich links, rechts oder in der Mitte verteidige. Ich denke, dass eine gewissen Flexibilität natürlich Vorteile mit sich bringt.

SPOX: Hat Trainer Marcus Sorg Ihnen bereits verraten, wo er Sie einsetzen wird? Auf der Außenverteidigerposition hätte der DFB derzeit Bedarf...

Klostermann: Nein, so ganz konkret hat der Trainer noch nicht mit mir gesprochen. Das wird er dann in der Teamsitzung vor dem Spiel verkünden. Aber wie gesagt, mir ist es fast egal auf welcher Position ich spiele, wichtig ist, dass wir letztlich erfolgreich sind.

Lukas Klostermann im Steckbrief

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