U17-Keeper Constantin Frommann im Interview

"Das Finale war fast schon demütigend"

Von Interview: Benedikt Treuer
Montag, 25.05.2015 | 11:54 Uhr
Constantin Frommann hielt im Viertelfinale gegen Spanien zwei Elfmeter
© getty
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Zu Null ins Finale, dann aber chancenlos gegen Frankreich: Deutschlands U17-Keeper Constantin Frommann machte sich bei der EM in Bulgarien durch starke Leistungen einen Namen - das Happy End blieb aber aus. Mit SPOX spricht Freiburgs Nachwuchskeeper über seinen rasanten Aufstieg, den Hype um Felix Passlack, Christian Streichs Bedeutung für die SC-Jugend und wenig Bock auf Schule.

SPOX: Constantin, wie groß ist die Enttäuschung über den verpassten EM-Titel?

Constantin Frommann: Sehr groß, gerade wenn man bedenkt, wie wir das gesamte Turnier über gespielt haben. Wir haben wirklich gute Leistungen gebracht. Wenn man dann im Finale steht, will man das Ding natürlich auch holen. Wir brauchen jetzt ein bisschen Zeit, um wieder runterzukommen. Wenn wir dann mit etwas Abstand auf das Turnier zurückblicken, werden wir sicher auch stolz sein können. Aktuell überwiegt aber die Enttäuschung.

SPOX: Sie haben bis zum Finale kein Gegentor kassiert, waren dazu der Matchwinner im Viertelfinale gegen Spanien. Gegen Frankreich mussten Sie dann gleich viermal hinter sich greifen.

Frommann: Nachdem es vorher so perfekt gelaufen ist, war das Finale fast schon demütigend. Wir alle wollten unsere Serie natürlich auch gegen Frankreich fortsetzen. Wenn man sieht, wie die Tore gefallen sind, muss man sagen, dass das Ergebnis am Ende deutlich zu hoch ausgefallen ist. Es ist schade, aber wir geben zu, dass die Franzosen eben einen Tick besser waren und den Sieg verdient haben.

SPOX: Wird Sie der Name Odsonne Edouard noch eine Zeit lang verfolgen?

Frommann: Er hat acht Tore geschossen, was überragend ist. Allerdings hat er auch von seinen Teamkollegen profitiert, die ihn stark in Szene gesetzt haben. Ihre individuelle Qualität ist riesig. Von daher muss man anerkennen, dass Edouard wohl der Spieler des Turniers war.

SPOX: Beim Gegner stand zudem ein Zidane im Tor. Wie viel Eindruck hinterlässt allein der Name?

Frommann: Der Name Zidane ist zwar groß, das hat uns aber auf keinen Fall eingeschüchtert. Wir hatten uns vorgenommen, ihm einige Tore reinzuhauen, das hat aber leider nicht so geklappt, wie wir es uns vorgestellt haben.

SPOX: Im deutschen Team stand vor allem Felix Passlack im Fokus. Er hat eine starke EM gespielt, wurde aufgrund seiner bisherigen Leistungen aber schon vor dem Turnier zum Hoffnungsträger auserkoren. Wie nimmt man innerhalb der Mannschaft den Hype um ihn wahr?

Frommann: Felix hat es sich verdient, so im Mittelpunkt zu stehen. Er bringt immer eine gute Leistung und ist ein Spieler, der andere mitreißen kann. So jemanden im Team zu haben, motiviert einen viel mehr, als dass man in irgendeiner Art neidisch wäre oder es ihm nicht gönnen würde. Das ist bei uns überhaupt nicht der Fall.

SPOX: Christian Wück sagte gegenüber SPOX trotzdem aus, dass er den einen oder anderen Spieler manchmal wieder mit dem Lasso zurückholen müsse. Merken Sie selbst auch, wie viele Faktoren von allen Seiten auf Sie einwirken?

Christian Wück im SPOX-Interview: "Einige mit Lasso zurückholen"

Frommann: Es ist schon sehr viel, was auf uns einprasselt. Das Medieninteresse ist plötzlich riesig. Ich für meinen Teil bin aber keiner, der abhebt, ich bleibe schon auf dem Boden. Wenn man sieht, wie wir gespielt haben und dann auch Vize-Europameister geworden sind, kann man trotzdem sagen, dass wir zum jetzigen Zeitpunkt schon relativ viel erreicht haben. Natürlich haben wir das große Ganze im Blick, unsere Karrieren stehen uns noch bevor. Gemessen an unserem Alter kann sich der bisherige Erfolg aber sehen lassen. Den braucht uns auch keiner ausreden.

SPOX: Wie fühlt es sich an, nach so einem großen Turnier wieder in den Verein zurückzukehren?

Frommann: Es gibt sicher leichtere und angenehmere Dinge, als nach diesem Event wieder in den Alltag zu stoßen. Ich werde das ganze Drumherum vermissen.

SPOX: Alltag bedeutet für Sie vor allem Schule. Fällt es schwer, sich für diese Dinge wieder zu motivieren, wenn man seine Zukunft womöglich im Fußball sieht?

Frommann: Welcher Jugendliche hat schon Bock auf Schule? (lacht) Spaß beiseite, die Bildung gehört natürlich dazu und ist sehr wichtig. Ich mache im nächsten Jahr mein Abitur - das ist zumindest der Plan. Die schulische Ausbildung ist eine Absicherung für die Zukunft. Man kann nie wissen, was im Fußball passiert.

SPOX: Das konnten Sie 2013, als Sie vom SV Oberachern nach Freiburg ins Fußball-Internat gewechselt sind, wohl auch nicht. Wie hat sich Ihr Leben seitdem verändert?

Frommann: Der Fokus auf den Fußball ist viel stärker geworden. Im Internat bin ich pausenlos mit Fußball beschäftigt, ich kann ihm gar nicht ausweichen. So, wie es gelaufen ist, war es aber die richtige Entscheidung. Auch, wenn ich auf mein gewohntes Umfeld verzichten musste, hat sich vieles zum Positiven entwickelt.

SPOX: Hatten Sie vor dem Wechsel also auch Bedenken?

Frommann: Auf jeden Fall. Mir war klar, dass vor allem die schulische Laufbahn unter so einer einschneidenden Veränderung leiden kann. Ich wusste gar nicht, ob es für mich alles zu viel werden würde. Zusammen mit meinen Eltern habe ich aber beschlossen, dass dieser Schritt nicht nur wichtig, sondern notwendig war. Davon waren wir letzten Endes voll überzeugt.

Seite 1: Frommann über den Passlack-Hype und die Gefahr, abzuheben

Seite 2: Frommann über ehemalige U17-Helden und Christian Streich

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