Frankreich entscheidet

Freitag, 13.03.2015 | 18:44 Uhr
Unter Joachim Löw gewann Deutschland 80 von insgesamt 118 Partien
© getty
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Dass der DFB den Vertrag von Bundestrainer Joachim Löw vorzeitig bis ins Jahr 2018 verlängert, ist nach dem Gewinn des WM-Titels Vertrauensbeweis als auch Dank. Den Wert des neuen Arbeitspapiers bestimmt wie immer erst das nächste Turnier. Ein Kommentar von SPOX-Redakteur Jochen Tittmar.

Als der Deutsche Fußball Bund im Oktober 2013 das letzte Mal den Vertrag mit Bundestrainer Joachim Löw vorzeitig verlängerte, sendete er mit dem neuen, bis 2016 datierten Arbeitspapier allen voran das Signal aus: Die Zusammenarbeit mit Löw werde den neuralgischen Punkt überschreiten.

Das deutsche Abschneiden bei der WM in Brasilien, das schien festzustehen, werde nämlich die weitere Zukunft des Bundestrainers maßgeblich bestimmen. Der DFB erhoffte sich von der damaligen Maßnahme neben geklärten Verhältnissen auch die nötige Ruhe, um sich ohne Nebenkriegsschauplätze auf das Turnier vorbereiten zu können.

Nicht wenige waren nach der Nacht von Rio de Janeiro, als Deutschland den vorläufigen Höhepunkt unter Löw erreichte, der Überzeugung, der Bundestrainer werde seinen Posten mit dem WM-Pokal im Gepäck aus eigenen Stücken räumen.

Vertrauensbeweis und Dank

Doch der Titelgewinn schien Löws Durst nicht zu stillen. Er möchte das Erreichte auch in veränderter personeller Konstellation bestätigen.

Demnach ist die Verlängerung bis 2018 nach Löws vorheriger Ansage, den Weg auch bis zur EM 2016 in Frankreich weiterzugehen, ein schöner Vertrauensbeweis und Dank des Verbandes.

Löws Aufgabe in den kommenden dreieinhalb Jahren wird es sein, nach den Rücktritten von Lahm, Klose und Mertesacker die nächste Generation um Spieler wie Kroos, Hummels, Müller und Götze zur vollständigen Reife zu führen und dieses Ensemble an Führungsköpfen mit frischem Blut anzureichern. Die Bellarabis, Rüdigers oder Meyers stehen bereits in den Startlöchern.

Vertrag als Art Muster ohne Wert

Diese "neue" Nationalmannschaft, der in Bastian Schweinsteiger ein Relikt von Löws erster Generation vorsteht, hatte zuletzt mit den Brasilien-Nachwehen zu kämpfen, die Qualifikation für das nächste Turnier im Nachbarland lief nur schleppend an.

Daher bleibt Löws neues Arbeitspapier eine Art Muster ohne Wert. Den Wert eines solchen Vertrages bestimmt freilich wie immer erst das nächste Turnier. Frankreich entscheidet, bei gleichbleibenden Vorstellungen möglicherweise sogar der Weg dorthin, wie realistisch es ist, dass Löw sein neues Vertragsende auch wirklich erreicht.

Sollte Löw mit dem DFB-Team nämlich ein frühzeitiges Ausscheiden bei der EM erleiden, dürfte er ohnehin von sich aus den Weg für einen Neustart freimachen. Mit dem Ergebnis der Präsidiumssitzung am Freitag hat der DFB zwar am Punkt 2018 einen Pflock in die Zeitschiene geschlagen, die Weichen sind gestellt. Inwiefern der Zug aber auch tatsächlich mit Löw bis dorthin fahren wird, entscheidet sich im Land der Grande Nation.

Joachim Löw: Seine Trainerkarriere im Überblick

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