Sonntag, 09.11.2014

Vor den abschließenden Länderspielen des Jahres

Löw: "Froh, wenn das Jahr vorbei ist"

Joachim Löw hat das erfolgreichste Jahr seiner Zeit als Bundestrainer beinahe hinter sich. Vor den beiden letzten Länderspielen des Jahres blickt er zurück und stellt fest, dass die vergangenen Monate nicht spurlos an ihm vorübergegangen sind.

Joachim Löws Augenmerk liegt vorrangig auf der Stabilisierung der Verteidigung
© getty
Joachim Löws Augenmerk liegt vorrangig auf der Stabilisierung der Verteidigung

"Ich merke, dass Erfolg genauso viel Zeit braucht wie ein Misserfolg, um alles zu verarbeiten. Aber ich bin auch froh, wenn das Jahr vorbei ist", sagte Löw der "Bild".

Die Zukunft steht für die deutsche Nationalmannschaft im Mittelpunkt, nicht mehr die vergangenen Erfolge: "Es geht jetzt darum, weiterzumachen, nach vorn zu blicken. Und mit der EM 2016 neue Reizpunkte zu setzen."

Eine Hauptaufgabe für die Zukunft werde sein, die Lücken zu schließen, die Spieler wie Philipp Lahm, Per Mertesacker und Miroslav Klose in der Mannschaft hinterlassen haben. Dafür erwartet Löw von allen Profis eine entsprechende Einstellung.

Löw fordert totale Professionalität

Die Belastung sei nach der WM groß gewesen für die Spieler, Beschwerden lässt er aber nur begrenzt zu: "Es gibt viele Möglichkeiten der körperlichen und der geistigen Regeneration. Die muss ich als Spieler heutzutage schon alle Nutzen. Es geht darum, total professionell zu leben, da darf ich mir keine Nachlässigkeiten erlauben."

Gleichzeitig sei mit dem derzeitigen Terminkalender die Grenze der Belastbarkeit für die Spieler erreicht. "Mehr Termine darf es nicht geben, sonst überdrehen wir das Rad", stellte Löw klar.

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"Teamgeist wurde gelebt - wie nie zuvor"

Die Emotionen und Gefühle beim Titelgewinn in Brasilien sind auch für den Bundestrainer noch präsent. Den Hauptgrund für den Titelgewinn sieht Löw im besonderen Verhältnis der Spieler untereinander. "Das war unsere Stärke, für einen Moment, für ein Ziel alle Eigeninteressen hinten anzustellen. Der Teamgeist wurde gelebt - wie wohl nie zuvor."

Dadurch konnte er auch etwas zur künftigen Mannschaftszusammenstellung lernen. "Für einen Trainer ist es entscheidend, welche Spielercharaktere er aussucht."

Auch zu den schweren Momenten in Brasilien äußert sich Löw. Insbesondere die Versetzung von Per Mertesacker auf die Ersatzbank fiel ihm schwer. Der Verteidiger stellte sich jedoch in den Dienst der Mannschaft. "Ich habe ungeheuren Respekt vor Per, wie er das hingenommen und gesagt hat: 'Trainer, ich weiß, dass das schwer ist für Sie. Aber ich weiß, wie ich die Mannschaft trotzdem unterstützen kann - und das werde ich tun!'"

"Werde mal mit Reus reden"

Mit Gibraltar, dem kommenden Gegner in der EM-Qualifikation wird sich Löw nicht weiter auseinandersetzen. "Ich werde kein Wort über Gibraltar verlieren", sagte Löw. Es ginge am Freitag vielmehr darum, eigene Fehler abzustellen und sich weiter zu verbessern - insbesondere in der Defensive. Nach der WM gab es gegen Argentinien, Schottland, Irland und Polen insgesamt acht Gegentreffer.

Dabei kann Löw nach längerem Ausfall wieder auf Marco Reus zählen. Die Transfergerüchte um seine Person beschäftigen auch den Bundestrainer. "Ich werde auch mal mit ihm reden, um zu hören: Wie sind seine Gedankengänge, wie plant er? Bei einem überragenden Spieler wie ihm, ist es doch logisch, dass es Begehrlichkeiten gibt." Reus wird immer wieder mit dem FC Bayern in Erinnerung gebracht.

Trotz der Dominanz der Münchner hält Löw die Bundesliga dennoch nicht für eintönig. Für ihn als Bundestrainer sei ein starker FC Bayern hilfreich, zudem seien die Plätze hinter den Bayern "hart umkämpft, auch unten - da stelle ich nicht fest, dass es eine Langeweile geben könnte."

Die deutsche Gruppe D in der Übersicht

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