Vom Kopf auf die Füße

Montag, 17.11.2014 | 19:42 Uhr
Joachim Löw schaut genau hin - auch im Training
© getty
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Bundestrainer Joachim Löw plant schon für die EM 2016 und hat klare Vorstellungen von der Entwicklung seiner Mannschaft. Der FC Bayern dürfte dabei wie schon in der Vergangenheit als Leitmotiv dienen. Das Spiel gegen Spanien gibt allerdings noch keinen Aufschluss über das zukünftige Gesicht der DFB-Elf (Di., 20.45 Uhr im LIVE-TICKER). Aber für einige Spieler ist es die letzte Chance.

Toni Kroos probierte es erst einmal mit einem Scherz. "Wenn Veränderungen anstehen, hoffe ich, dass ich hinterher noch dabei bin", sagte der Mittelfeldspieler von Real Madrid auf die Frage, wie er den angekündigten Neuerungen in der deutschen Nationalmannschaft gegenüberstehe.

Natürlich muss sich Kroos erstmal keine Sorgen machen um seinen Platz in der Mannschaft. Er hat sich nach der auch aus seiner persönlichen Sicht unbefriedigenden EM 2012 festgespielt im Team von Bundestrainer Joachim Löw.

Kroos hat mindestens einen Schritt gemacht in seiner Entwicklung, er ist ein integraler Bestandteil des neuen Mittelfelds der Nationalmannschaft und war ein Schlüsselspieler beim WM-Sieg in Brasilien.

Stillstand ist Rückschritt

Am Montag hat Kroos in zielsicherer Analyse eine Phrase zum Besten gegeben, die in dieser Phase aber mehr ist: "Stillstand ist Rückschritt", sagte der 24-Jährige als er den Scherz beiseitelegte. Dass sich rund um das DFB-Team vier Monate nach dem Titelgewinn im Maracana eine Diskussion über die zukünftige Ausrichtung der Mannschaft entwickelt hat, ist Löw ganz recht.

Er hat auf seiner ersten Pressekonferenz vor den beiden Länderspielen gegen Gibraltar und Spanien schon angekündigt, dass er sich "in unserer Winterpause Gedanken machen" und dann einige Anpassungen vornehmen will.

In Vigo fügte Bundestrainer hinzu: "Die nächsten eineinhalb Jahre stehen im Zeichen der Entwicklung der Mannschaft." Der Blick liegt also auf dem EM-Turnier 2016 in Frankreich. Ungeachtet der haarigen Situation in der EM-Qualifikation strahlen alle Beteiligten noch immer das gerechtfertigte Selbstvertrauen aus, an der EURO 2016 auch sicher teilzunehmen.

Spanien als negatives Beispiel

Zwar hatte Löw nach dem Höhepunkt in Brasilien "Schwierigkeiten" erwartet, aber "nicht so krass". Sowohl Löw als auch Kroos machten neben dem normalen Spannungsabfall vor allem die enorme Anzahl an verletzten Spielern für die Probleme verantwortlich.

Wenn Spieler wie Bastian Schweinsteiger, Ilkay Gündogan und Marco Reus im kommenden Jahr aber zurückkehren, will Löw die Maschine wieder hochfahren. "Wir müssen uns weiterentwickeln", sagt Löw.

Vielleicht dient ihm in dieser Hinsicht auch der kommende Gegner Spanien als Vorbild. Schon seit er unter Jürgen Klinsmann als Co-Trainer anfing, ging der Blick zu den Iberern. Das Spiel, der Teamgeist und die Siegermentalität waren Leitmotive der Löw'schen Ära.

Im Nachhinein muss man sagen, dass die Spanier wahrscheinliche einen Tick zu lange an ihren erfolgreichen Mustern festgehalten und den Neuanfang verpasst haben. "Was vor vier Jahren noch Spitze war, ist es in diesem Jahr nicht mehr", sagte Kroos. "Auch als Weltmeister muss man sich hinterfragen."

Die Rückkehr der Dreierkette

Die Rücktritte und Verletzungen haben dazu geführt, dass "wir zwangsläufig die Positionen anders besetzen müssen als bei der WM", meinte Kroos. Jetzt gelte es rauszufinden, "was für die Mannschaft mit diesen Spieler am besten ist". Klar sei nur: "Wir werden nicht alles auf den Kopf stellen."

Im Moment hat es auch vielmehr den Anschein, als müsste man einige Dinge vom Kopf erst wieder auf die Füße stellen. Denkverbote wird Löw seinem Team um Assistent Thomas Schneider und Scout Urs Siegenthaler keine erteilen. Denn der Fußball "hat sich wahnsinnig entwickelt und wird das weiterhin tun".

Die von Pep Guardiola beim FC Bayern etablierte Dreierkette ist eine Möglichkeit, die der Bundestrainer zukünftig nicht nur notdürftig gegen Gibraltar zusammenstellen wird. Im Moment fehlen ihm dazu sicher die Spieler. Aber mit Mats Hummels und Holger Badstuber fehlen zwei Spieler verletzt, die in dieser Formation ihre Stärken im Spielaufbau einbringen können.

Es ist schon fast vergessen, dass Löw vor drei Jahren bei einem Testspiel in der Ukraine genau die Formation Hummels/Badstuber/Boateng aufs Feld schickte.

Erst van Gaal, jetzt Guardiola

Es liegt in der Natur der Sache, dass der Fußball auf Vereinsebene immer mindestens einen oder zwei Schritte voraus ist. Und so wird sich Löw auch bei den kommenden Entscheidungen wieder von den Marktführern der Branche leiten lassen. Sein Blick geht daher in erster Linie nach München.

Löw hat das schon so gemacht, als Louis van Gaal seine Arbeit beim FC Bayern verrichtete und damit das Spiel der Münchner sowie der Nationalmannschaft revolutionierte. Jetzt eben Guardiola, der die Dreierkette und ein noch flexibleres Positionsspiel auf allen Ebenen eingeführt hat.

Neue Chance für die Spieler

Gegen Spanien wir davon noch nicht viel zu sehen sein. Erstens ist der Kader viel zu ausgedünnt und zweitens hat Löw die Tage nach dem Spiel gegen Gibraltar freigegeben. Er hatte nicht das Gefühl, dass er in dieser Phase des Länderspieljahres "im Training noch Akzente setzen" könne.

Eine größere Bedeutung misst Löw dem Duell mit dem Europameister, der ebenfalls auf wichtige Spieler verzichten muss und im Umbruch steckt, nicht zu. "Das Ergebnis spielt keine Rolle", sagte er.

Dafür verspricht er sich "Erkenntnisse über einzelne Spieler, die wir auch 2015 gebrauchen können". Die Partie in Vigo sei eine Chance, näher an die Mannschaft heranzurücken. Die Spieler sind aufgefordert, dieses Angebot besser wahrzunehmen als am Freitag gegen Gibraltar. Für einige könnte es die letzte Chance sein.

Die Spiele der deutschen Nationalmannschaft

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