Sonntag, 16.11.2014

Deutschland vs. Spanien: Historische Duelle

Emma, Maceda und das Tor des Jahres

Mit dem Testspiel bei seinem Vorgänger als Weltmeister beendet die deutsche Nationalmannschaft das überaus erfolgreiche Länderspieljahr 2014 (Di., 20.45 Uhr im LIVE-TICKER). Die Duelle gegen die Iberer wurden zwar erst in der jüngeren Vergangenheit zu einem Klassiker. Aber bereits vom ersten Spiel an vor fast 80 Jahren steckte in den Spielen gegen Spanien jede Menge Zündstoff. Ein Streifzug durch die Geschichte des Duells: Von fantastischen Torjägern, über Emmas majestätische Klebe und der Schmach von Paris bis zur großen Ernüchterung vor vier Jahren in Durban.

Deutschland - Spanien historisch: von Emmerich über Zickler und Völler bis Puyol und Torres
© getty
Deutschland - Spanien historisch: von Emmerich über Zickler und Völler bis Puyol und Torres

21 Mal standen sich Spanien und Deutschland bisher gegenüber, mit der Partie in Vigo am Dienstag könnte Spanien die Bilanz ausgleichen. Bisher stehen acht deutsche Siege bei sieben Niederlagen und sechs Remis in den Geschichtsbüchern, die seit fast 80 Jahren mit Geschichten und Anekdoten des Duells gefüttert werden.

Das erste Mal

12. Mai 1935, Müngersdorfer Stadion zu Köln. Die deutsche Mannschaft um Reichstrainer Otto Nerz empfängt Spanien zum ersten Vergleich beider Verbände überhaupt. Edmund Conen ist einer der ersten großen Torjäger des deutschen Fußballs, spielte damals für den GFV 03 Saarbrücken. Bei der Weltmeisterschaft ein Jahr zuvor hatte Conen gegen Belgien den ersten Hattrick der WM-Geschichte erzielt. Jetzt blieb es ihm vorbehalten, den ersten Treffer im Duell einer deutschen Mannschaft gegen Spanien zu erzielen. Am Ende triumphierten aber trotzdem die Gäste, weil deren Mittelstürmer Isidro Langara doppelt traf.

Wie Spanien über Deutschland siegte Langara im Vergleich der Torjäger auch über Conen: Der erzielte in 28 Länderspielen 27 Tore und kam damit nach Gerd Müller auf die beste Torquote der DFB-Geschichte. Langara aber war ein Phänomen: Wegen des spanischen Bürgerkriegs Mitte der 30er Jahre ging er ins Exil nach Mexiko und kam so nur auf zwölf Länderspiele für sein Heimatland. Die 17 Tore und damit eine Torquote von fast 1,5 Treffer pro Spiel sind aber bis heute unerreicht in Spanien.

Pflichtspielpremiere und Emmas Wundertor

Bei der Weltmeisterschaft 1966 in England trafen beide Verbände erstmal in einem Pflichtspiel aufeinander. Im Villa Park in Birmingham ging es im letzten Vorrundenspiel der Gruppe B um den Einzug ins Viertelfinale. Deutschland genügte ein Unentschieden, die Spanier mussten gewinnen.

Die frühe Führung durch Fuste brachte die deutsche Mannschaft von Bundestrainer Helmut Schön schwer in die Bredouille - bis Emma kam und das bis dato spektakulärste Tor der deutschen Länderspielgeschichte erzielte. Nach einem weiten Einwurf von Siggi Held kam der Dortmunder Lothar Emmerich fast an der Torauslinie an den Ball und knallte diesen hoch Richtung spanisches Tor. Keeper Iribar reagierte noch nicht einmal, so unmöglich und aussichtslos erschien der Winkel.

Der Ball zischte im linken Winkel ins Netz, Emmerich feierte den Treffer ungläubig am Boden liegend, die Mitspieler schüttelten verdutzt den Kopf. "Wenn der nich reingeht, dann sinse alle mit am Schreien", sagte der Wundertorschütze später. "Emmas majestätische Klebe" ist bis heute eins der schönsten Tore der DFB-Geschichte. Uwe Seelers Tor kurz vor dem Ende gegen in der Defensive entblößte Spanier machte den Triumph von Birmingham dann endgültig perfekt.

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Die schwarze Nacht von Paris

Bei der Europameisterschaft 1984 kommt es im letzten Gruppenspiel zum Showdown um den Einzug ins Halbfinale. Deutschland hat Spanien zwei Jahre zuvor bei deren Heim-WM aus dem Turnier geschmissen, für die Iberer ist die Zeit der Revanche gekommen. Deutschland haftet nach der Schmach von Gijon und Toni Schumachers hässlichem Foul an Patrick Battiston ein durchaus zweifelhafter Ruf an, Schumacher wird bei den Spielen in Frankreich von den Fans der Gastgeber regelrecht angefeindet und bei jeder Aktion förmlich aus dem Stadion gebuht.

Die Ausgangslage ist wie damals bei der WM in England: Den Deutschen genügt ein Remis, die Spanier brauchen einen Sieg, um neben Portugal ins Semifinale einzuziehen. Im Parc des Princes in Paris sind die Spanier die bessere Mannschaft und haben Sekunden vor dem Halbzeitpfiff die große Chance zur Führung - aber ausgerechnet das große Feindbild Schumacher hält den Foulelfmeter von Francisco Carrasco.

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Deutschland ist aber auch im zweiten Durchgang nicht besonders daran interessiert, mit einem eigenen Tor womöglich die Entscheidung herbeizuführen und verschanzt sich nur noch in der eigenen Hälfte. Die Quittung bekommt die Mannschaft dann Sekunden vor dem Abpfiff präsentiert: Quasi bei der letzten Aktion des Spiels hechtet der aufgerückte spanische Libero Antonio Maceda in eine Flanke und versenkt den Ball im Netz.

Spanien ist weiter, der Vizeweltmeister ist raus. Es wird das letzte Spiel von Bundestrainer Jupp Derwall. Der war bereits vor dem Turnier beim Boulevard und ehemaligen Spielern zur Zielscheibe geworden und mächtig unter Druck geraten. Im Hintergrund wurde längst Franz Beckenbauer als Nachfolger in Stellung gebracht. Unter dem öffentlichen Druck trat Derwall dann kurz nach dem Fiasko von Paris zurück. Es war der erste "freiwillige" Rücktritt eines Bundestrainers bis dahin.

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