Teil der Achse

Sonntag, 06.07.2014 | 20:25 Uhr
Auf Augenhöhe: Mats Hummels wird im Team wie Bastian Schweinsteiger als Führungsfigur akzeptiert
© getty
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Hummels ist Innenverteidiger Nummer eins und eine der prägenden Figuren des DFB-Teams bei der WM. Aber es hat lange gedauert, bis der Dortmunder und Löw zueinander gefunden haben.

Es war eine Überraschung auf den zweiten Blick. Als die Aufstellung der deutschen Nationalmannschaft im Viertelfinale gegen Frankreich bekannt wurde, stach zuerst die Besetzung des Mittelfelds ins Auge, erst danach richtete sich der Fokus auf die Innenverteidigung.

Joachim Löw hatte seinen bisher als Abwehrchef angesehenen Per Mertesacker auf die Bank gesetzt. In den sozialen Netzwerken machten schnell ein Paar Witze bezüglich Mertesackers Interview und der Eistonne die Runde.

Jerome Boateng und Mats Hummels bildeten zum ersten Mal bei diesem Turnier die Abwehrzentrale. Es gab nicht wenige Beobachter, die dieses Pärchen schon vor Beginn der WM als Ideallösung gesehen hatten, nur schien Mertesacker gesetzt und Boateng wurde erstmal auf rechts gebraucht.

Neue Hierarchie in der Abwehr

Die fünf Spiele in Brasilien haben jedoch gezeigt, dass sich die Hierarchie in der Innenverteidigung zugunsten von Hummels verschoben hat. Noch vor ein paar Wochen drehte sich die Diskussion um die Frage, ob Hummels oder Boateng Mertesackers Nebenmann wird. Jetzt ist der Dortmunder die klare Nummer eins in diesem Ranking und Boateng und Mertesacker die Kombinationsmöglichkeiten.

Die beiden Kopfballtore gegen Portugal und Frankreich haben Hummels geholfen, sich schlagartig zu verbessern.

Es war eine Mischung aus kindlicher Freude und Ungläubigkeit, die Hummels nach seinem ersten Tor gegen Portugal ausstrahlte. Er hatte sich einen Traum erfüllt, einen Treffer bei einer Weltmeisterschaft zu erzielen. Er empfand das als überwältigenden Moment.

Beim zweiten Mal war die Entschlossenheit im Jubel zu sehen, erst hinterher kehrte das Staunen zurück. "Es ist schon Wahnsinn, was bei dieser WM alles aufgeht", sagte er nach dem Sieg über Frankreich.

Lob von Löw

Treffer sind wichtig, aber es sind auch die Leistungen in seinem Hauptaufgabengebiet, die Hummels zu einem unverzichtbaren Teil der Torhüter-Abwehr-Mittelfeld-Sturm-Achse der Nationalmannschaft gemacht haben.

Hummels hat in seinen vier Spielen 62 Prozent seiner Zweikämpfe gewonnen und vor allem gegen die Franzosen immer wieder einen Fuß zur Rettungsaktion dazwischen gebracht.

"Mats war sensationell heute", sagte Löw,"die Art und Weise, wie er in die Zweikämpfe geht und sie gewinnt und wie er immer am richtigen Ort steht, ist sehr beeindruckend."

Belastete Vergangenheit

Es war nicht immer so, dass der Bundestrainer in diesem Ton über den Dortmunder Innenverteidiger sprach. Beim wilden 3:3 gegen Paraguay ging Löw in die öffentliche Einzelkritik und machte Hummels für Gegentore verantwortlich.

Das kam weder beim Betroffenen noch bei Borussia Dortmund gut an, hatte Löw doch bereits zuvor den BVB-Linksverteidiger Marcel Schmelzer öffentlich kritisiert. Die Dortmunder beschlich das Gefühl, die Führung der Nationalmannschaft komme mit ihren Spielern nicht klar. Sie würden anders behandelt als beispielsweise die Münchner Fraktion.

In diesem Zusammenhang bekommt auch Jürgen Klopps Aussage vom Samstag einen zusätzlichen Klang: "Jetzt durften mal alle sehen, wie gut er ist."

Hummels kein Allerweltsspieler

Hummels ist kein Allerweltsspieler, er hat den Anspruch auf eine Führungsrolle. Er vertritt seine Meinung innerhalb der Gruppe und auch gegenüber dem Trainerstab. Das kam zu Beginn seiner Nationalmannschaftskarriere nicht gut an.

Mit Argwohn wurde auch beäugt, dass er Philipp Lahm in einem Interview nach dem Spiel einen Stellungsfehler vor einem Gegentor ankreidete. Später sagte er in einem Interview: "Beim DFB sieht man Kritik nicht gerne."

Auch in Dortmund tauscht sich Hummels mit Klopp immer wieder aus und beide sind nicht immer einer Meinung. Es soll dabei auch laut zur Sache gehen. Dass er mit seiner Sichtweise beim DFB keine offenen Türen einrennen würde, war klar, aber er sah sich auch als Klassensprecher der Dortmunder Fraktion.

Prägende Figur bei der WM

Mittlerweile haben sich beide Seiten aufeinander eingelassen. Die Platzhirsche haben Hummels akzeptiert und der hat sich etwas zurückgenommen. "Hier haben fünf Spieler mehr als 100 Länderspiele, die sind die ersten Ansprechpartner", sagt Hummels.

Mit seiner Spielweise auf dem Platz und seinem Umgang abseits des Rasens ist er aber jetzt schon eine prägende Figur im DFB-Team. Der 25-Jährige findet nur Minuten nach Spielende die richtige Analyse, stellt sich immer als einer der Ersten den Fragen der Journalisten und spricht dabei fast druckreif.

Kein Wort zu Cathy Fischer

Der Sohn einer Sportjournalistin ist im Umgang mit den Medien ein Voll-Profi. Das zeigt auch, wie er mit der für ihn durchaus peinlichen Geschichte rund um seine Freundin Cathy Fischer umgeht. Er will zu seinem Privatleben und der Arbeit seiner Lebensgefährtin nichts sagen.

Er kann sich der öffentlichen Skepsis gegenüber Cathy Fischer nicht entziehen, eine Belastung ist dies für ihn offensichtlich nicht. Hummels strahlt eine große Ruhe aus, er hat seine Rolle gefunden. Auch wenn es Liebe auf den zweiten Blick war. Einen besseren Zeitpunkt als die WM hätte es nicht geben können.

Mats Hummels Statistiken bei der WM 2014

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