Du bist dran, Mats

Freitag, 18.07.2014 | 14:39 Uhr
Philipp Lahm (r.) bestritt alle 113 Länderspiele als Startelf-Spieler
© getty
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Mit Philipp Lahm verliert der Deutsche Fußball-Bund seinen wichtigsten, mächtigsten und einflussreichsten Fußballer der letzten Jahre. Lahm muss nicht nur als Spieler und Kapitän ersetzt werden, sondern auch als Figur eines hierarchischen Konstrukts. Aber der Rücktritt ist auch eine Chance für den einen oder anderen. Der SPOX-Kommentar.

Am Freitag kam die Gewissheit.

Sie überraschte nicht, weil die Spekulationen nicht überbordend waren. Aber dennoch war sie wichtig. Deutschland wird bis 2017 von Angela Merkel regiert. Das gab die Kanzlerin auf einer Pressekonferenz bekannt. Das deutsche Volk könne sich darauf verlassen, sagte sie.

Ein großer Teil des Volkes wird sich freuen. Zum einen wurde sie von den meisten gewählt, sie genießt immer noch das Vertrauen und zum anderen sind Planungssicherheit, Kontinuität und Stabilität wichtige Merkmale für ein Land.

Stimmen: "Gibt kaum einen besseren Abschied"

Nun wäre es wohl leicht übertrieben zu behaupten, dass der deutsche Fußball komplett auseinander fallen wird, weil ein Fußballer, der als absolute Führungsfigur für Planungssicherheit, Kontinuität und Stabilität steht, seine Karriere in der Nationalmannschaft beendet.

Aber die Verkündung Philipp Lahms, der diese wenige Stunden vor Merkels Bekanntgabe publik machte, kann nicht einfach nur zur Kenntnis genommen werden. Der Deutsche Fußball-Bund hat seinen wichtigsten, mächtigsten und einflussreichsten Fußballer der letzten Jahre verloren - und das am Höhepunkt dessen Schaffens.

Gratulation an Lahm

Man muss Lahm für seine Entschlussfreudigkeit zu diesem Zeitpunkt gratulieren. Nicht vielen Fußballern gelang ein ähnlich triumphaler Absprung. Lahm hätte locker die EM 2016 in Frankreich gespielt - und eigentlich auch die WM 2018 in Russland. Aber er zog es vor, jetzt - am absoluten Höhepunkt einer jeden Fußballer-Karriere - einen ersten Schnitt zu machen. Lahm hat in seiner Karriere fast nur richtige Entscheidung getroffen - das war eine von vielen.

Lahm gewann in seiner Karriere unzählige Titel, er ist sowohl auf Klub- als auch auf Verbandsebene Weltmeister, er hat die Champions League gewonnen und sammelte nationale Titel wie sonst keiner.

Dass er auf eine EM verzichtet, wird ihm nicht wehtun. Vielmehr kann er sich auf seinen FC Bayern konzentrieren, für den er noch vier Jahre spielen will. Danach wird er auch dort seine Karriere beenden.

Lahms Rückzug ist ein Problem für den DFB, der sich nach dessen Weggang erst einmal neu ausrichten muss und eine neue Hierarchie braucht. Bastian Schweinsteiger gilt als logischer Nachfolger für die Rolle als Kapitän und als Leader. Ihm ist aber mit Lahm ein ewiger Begleiter und Unterstützer abhandengekommen. Eine Konstellation, die nicht zu unterschätzen ist.

Eine Chance für Hummels

Ambitionierte Spieler wie Sami Khedira oder Mats Hummels werden die neue Situation nicht ignorieren und sich positionieren. Für sie ist der Lahm-Rücktritt eine Chance, um den nächsten Schritt zu machen. Ein Schritt, den sie nach dem WM-Titel auch machen müssen.

Insbesondere Hummels hat bei Borussia Dortmund bewiesen, dass er eine Mannschaft führen kann. Er hat die richtige Ausstrahlung, er ist der perfekte Vertreter des Fußballers von heute und zudem hat er unter Löw nun auch endlich sportlich eine wichtige Rolle eingenommen.

Die Situation erinnert an 2010, als Michael Ballack Abschied nahm (oder nehmen musste) - die Gunst der Stunde nutzte Lahm und wurde zum mächtigsten Spieler des Landes. Jetzt muss ein neuer Lahm her.

Philipp Lahm im Profil

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