Dienstag, 03.12.2013

Bundestrainer spricht über die Erwartungen in Brasilien

Löw: "Für WM-Titel alles ausblenden"

Bundestrainer Joachim Löw fiebert der Weltmeisterschaft entgegen. In einem Interview spricht Löw über die "Urkraft" in Brasilien, über die besonderen Umstände, die Planung für das Turnier - und formuliert ein klare Botschaft an seine Stars.

In Brasilien erwarten Jogi Löw und sein Team ungewohnte Bedingungen
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In Brasilien erwarten Jogi Löw und sein Team ungewohnte Bedingungen

Wenn Joachim Löw am Mittwoch nach rund 20-stündiger Anreise im malerischen Costa do Sauipe ankommt, wird er kaum einen Blick für die Schönheiten Brasiliens übrig haben. Den Bundestrainer hat nicht nur wegen der anstehenden Auslosung der Vorrundengruppen am Freitag im brasilianischen Badeort an der Atlantikküste längst das WM-Fieber gepackt.

Schon vor der 90-minütigen Mega-Show im noblen "Resort Costa do Sauipe" und gut ein halbes Jahr vor Turnierbeginn (12. Juni bis 13. Juli 2014) richtet Löw angesichts der besonderen Umstände in Brasilien eine klare Botschaft an seine Stars.

"Wer beginnt, mit diesen Dingen zu hadern und zu lamentieren, der hat schon verloren, der vergeudet zu viel Energie. Wir wissen, dass es Unwägbarkeiten geben wird, aber mit diesen werden wir leben müssen", betonte er im Interview mit dem "SID".

Fokus auf den Fußball legen

Die Spieler um Kapitän Philipp Lahm müssten sich allein auf Fußball fokussieren, unterstrich der Bundestrainer, "und alles andere komplett ausblenden. Die Uhren ticken dort anders. Da ist es laut, da ist es heiß. Aber wer Weltmeister werden will, muss das alles verdrängen. Ich bin mir aber sicher, dass wir das bewältigen."

Seit seinem Besuch im Sommer beim Confed Cup beschäftigen den 53-Jährigen die besonderen Begebenheiten im Gastgeberland, in dem "eine Urkraft" herrsche, "eine Energie für Fußball, die ich so noch nicht erlebt habe". Das Klima sei zudem speziell. "Die Bedingungen können ständig wechseln, die Luftfeuchtigkeit kann extrem hoch sein. Die Reisezeiten, die Entfernungen, die Organisation sind ganz anders als in Europa", sagte Löw nach seinen ersten Erfahrungen.

Die Vorfreude auf die WM ist bei ihm dennoch spürbar. "Ich bin auf jeden Fall mit großer Freude in Brasilien. Das ist das Fußball-Land schlechthin. Diese Begeisterung, diese Intensität habe ich so noch nie erlebt. Das wird eine sehr emotionale WM werden", betonte er.

DFB-Delegation reist nach Brasilien

Am Dienstag machte sich der DFB-Coach von München aus über São Paulo ins rund 11.500 Flugkilometer entfernte Salvador da Bahia aufmachen. Die letzte Etappe ins 75 Kilometer entfernte Costa do Sauipe wollte die DFB-Delegation, der neben Löw noch dessen Assistent Hansi Flick, DFB-Präsident Wolfgang Niersbach, Generalsekretär Helmut Sandrock und Teammanager Oliver Bierhoff angehören, mit dem Auto bewältigen.

Die beschwerliche Anreise bot genügend Zeit, um auch noch einmal mögliche Konstellationen für die Auslosung umfassend durchzugehen. Doch Löw macht sich keine Sorgen, auch wenn eine Hammergruppe mit möglichen Gegnern wie Italien, den Niederlanden oder Portugal droht. "Nein, schlaflose Nächte bereitet mir das nicht. Jede Nation muss schon in der Gruppenphase mit gewissen Hindernissen rechnen. Das Niveau ist unglaublich hoch", sagte er gelassen.

Nach der weltweit beachteten Zeremonie sollen dann endlich auch die Planungen in Bezug auf das Basis-Quartier in Brasilien und die WM-Vorbereitung abgeschlossen werden. Löw und Co. werden noch einmal die beiden möglichen Quartiere in Salvador und São Paulo in Augenschein nehmen.

Alle Bundestrainer seit 1932: Von Nerz bis Löw
Nachfolger des ersten Bundestrainers Otto Nerz (1926-1936) war Sepp Herberger (1936-1942). Er übernahm die Mannschaft nach dem Ausscheiden bei der Olympiade 1936 und musste zur Weltmeisterschaft ein Team aus Österreichern und Deutschen zusammenstellen
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Nachfolger des ersten Bundestrainers Otto Nerz (1926-1936) war Sepp Herberger (1936-1942). Er übernahm die Mannschaft nach dem Ausscheiden bei der Olympiade 1936 und musste zur Weltmeisterschaft ein Team aus Österreichern und Deutschen zusammenstellen
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Er kehrte nach der Kriegspause zurück zur Fußballmannschaft der BRD (1950–1964) und gewann 1954 beim berühmten Wunder von Bern die Weltmeisterschaft in der Schweiz
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Er kehrte nach der Kriegspause zurück zur Fußballmannschaft der BRD (1950–1964) und gewann 1954 beim berühmten Wunder von Bern die Weltmeisterschaft in der Schweiz
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Helmut Schön (1964–1978) wurde Nachfolger von Herberger, nachdem dieser zurückgetreten war. Unter dem neuen Trainer blühte Deutschland regelrecht auf, es waren die erfolgreichsten Jahre des DFB. Höhepunkt war der Weltmeistertitel 1974 im eigenen Land
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Jupp Derwall (1978–1984) war zuvor Assistenztrainer der A-Nationalmannschaft, bekam jedoch 1978 das Amt als Chefcoach des DFB und setzte die Arbeit seines Vorgängers mit dem Gewinn der EM 1980 nahtlos fort
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Franz Beckenbauer (1984–1990) begann seine Karriere aufgrund der fehlenden Trainerlizenz als Teamchef. Dennoch führte der Kaiser die Mannschaft 1990 zum Weltmeistertitel in Italien
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Franz Beckenbauer (1984–1990) begann seine Karriere aufgrund der fehlenden Trainerlizenz als Teamchef. Dennoch führte der Kaiser die Mannschaft 1990 zum Weltmeistertitel in Italien
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Berti Vogts (1990–1998) beerbte Beckenbauer nach der WM 1990 und errang 1996 den Europameister-Titel
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Erich Ribbeck (1998–2000) hielt sich nur kurz als Bundestrainer. Nach dem katastrophalen Vorrunden-Aus in Belgien 2000 musste er bereits nach zwei Jahren seinen Platz räumen und bleibt der Trainer mit den wenigsten Pflichtspielen
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Rudi Völler (2000–2004) übernahm die Mannschaft von Ribbeck und sollte sie zurück in die Spur führen. Er erreichte überraschend das Finale der WM 2002, wo der DFB an Brasilien scheiterte. Nach der EM 2004 trat er allerdings zurück
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Jürgen Klinsmann (2004–2006) war der Macher des Sommermärchens 2006, bei dem die Deutschen bei der WM im eigenen Land bis ins Halbfinale durchmarschierten, dort allerdings am späteren Weltmeister Italien scheiterten
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Joachim Löw (seit 2006) begann nach der WM im eigenen Land mit einem langsamen, aber stetigen Umbruch der deutschen Mannschaft, der 2014 mit dem Weltmeistertitel seinen Höhepunkt fand
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Die Entscheidung sei davon abhängig, "wo spielen wir, wie sind die Anstoßzeiten?", sagte der Bundestrainer: "Wir spielen mehrere Möglichkeiten durch und werden uns dann in Ruhe entscheiden." Bis zum 18. Dezember läuft die FIFA-Frist.

Viele verletzte Spieler

Gedankenspiele gibt es bei Löw angesichts einiger verletzter Nationalspieler (Sami Khedira, Bastian Schweinsteiger, Miroslav Klose, Ilkay Gündogan, Lukas Podolski, Mario Gomez) aber auch in Bezug auf seinen WM-Kader.

Noch mache er sich keine große Sorgen, "aber ich hoffe natürlich inständig, dass unsere Leistungsträger nicht verletzt sind. Das ist schon eine wichtige Voraussetzung, wenn man die WM gewinnen will. Es ist das allerschwierigste überhaupt, Weltmeister zu werden. Da muss alles passen, gerade in Brasilien."

Trotz aller Unwägbarkeiten hat der Bundestrainer genaue Vorstellungen von seinem 112. Länderspiel. "Natürlich wäre es ein Traum, wenn dieses in Rio stattfinden würde. Und wenn wir dann schon im Finale stehen, dann wollen wir es natürlich auch gewinnen. Aber bis dahin ist es noch ein sehr, sehr weiter Weg."

Das DFB-Team im Überblick


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