Freiburgs Matthias Ginter im Interview

"Habe noch Sympathien für den BVB"

Sonntag, 17.11.2013 | 19:40 Uhr
Matthias Ginter feierte sein U-21-Debüt beim ersten Gruppenspiel der EM in Israel
© getty
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Matthias Ginter vom SC Freiburg gehört zu den jüngsten Spielern in der deutschen U-21-Nationalmannschaft und ist dennoch bereits Stammspieler im Team von Trainer Horst Hrubesch. Im Interview spricht der 19-Jährige über seine neue Rolle im DFB-Team, die Erfahrung Doppelbelastung und seine Zeit als Fan von Borussia Dortmund.

SPOX: Herr Ginter, Sie sind derzeit mit der deutschen U 21 unterwegs, am Dienstag steht das EM-Qualifikationsspiel in Rumänien an (18 Uhr im LIVE-TICKER). Seit der EM in Israel ist nun fast ein halbes Jahr vergangen, seitdem hat sich viel getan: Neuer Trainer, neue Mannschaft, neue Hierarchien. Was hat sich seitdem verändert?

Matthias Ginter: Ich bin ja relativ spät auf den EM-Zug aufgesprungen und habe erst in Israel mein Debüt für die U 21 gefeiert. Deshalb kann ich gar keine tiefgehenden Vergleiche anstellen. Es fällt unter Horst Hrubesch aber auf, dass er viel auf den mentalen Bereich Wert legt und unsere Einstellung und Disziplin verbessern möchte. Dazu befinden wir uns immer noch im Umbruch, weil eben viele neue Spieler hinzukamen, wir uns nur selten sehen und daher noch nicht jedes Detail stimmen kann.

SPOX: Obwohl Sie als 1994er-Jahrgang weiterhin zu den Jüngsten gehören, sind Sie längst unumstrittener Stammspieler. Das dürfte auch eine neue Rolle für Sie ergeben haben.

Ginter: Vor kurzem war ich ja schon das Küken des Teams, insofern ist die jetzige Situation schon anders als zu meiner Anfangszeit vor einem halben Jahr. Ich weiß, dass ich nun mehr gefordert bin. Daher versuche ich, den neuen Spielern, die in der U 21 bislang noch wenig Erfahrung gesammelt haben, bei der Integration ins Team zu helfen und Tipps weiterzugeben. Ich verlange nun auch von mir, diese neue Rolle anzunehmen und nach und nach ideal auszufüllen.

SPOX: Dass Sie sowohl beim DFB, als auch in Freiburg einen höheren Stellenwert einnehmen, haben Sie Ihren Leistungen der letzten eineinhalb Jahre zu verdanken. Folgerichtig gab es bereits Gerüchte um Angebote von Spitzenvereinen. Beim FC Arsenal sollen Sie ja bereits den Medizincheck absolviert haben.

Ginter: Das hatte ich damals auch verwundert gelesen (lacht). Unter dem Strich ist es natürlich angenehmer, wenn man mit solchen Klubs in Verbindung gebracht wird, als wenn das Gegenteil der Fall wäre. Es ist aber keine Floskel, wenn ich sage, dass ich mich damit nicht eingehend beschäftigt habe. Auf mich ist niemand konkret zugegangen und ich habe ja selbst auch dementiert, wo es nur ging - weil ein Großteil der Gerüchte einfach nicht wahr ist.

SPOX: Wie unangenehm ist es, wenn das nicht aufhört, obwohl man längst dementiert hat?

Ginter: Leider ist es so, dass die veröffentlichten Berichte trotz der Dementis zu 90 Prozent geglaubt werden. Von daher sind dir gewissermaßen die Hände gebunden, weil man das sowieso nicht ändern kann. Unangenehm ist vielleicht die falsche Bezeichnung, aber Spaß macht das jetzt auch nicht unbedingt. Es besteht eben die Gefahr, sich zu viel mit dem Dementieren solcher Gerüchte oder anderer Kritiken zu beschäftigen und damit den Kopf unnötig zu belasten.

SPOX: Stichwort Belastung: Statt jetzt in Freiburg in Ruhe zu trainieren, mussten Sie wieder reisen. Vor- oder Nachteil?

Ginter: Die Zeit bei der Nationalmannschaft ist schon immer toll, darauf freut man sich als Spieler. Zumal wir mit der U 21 anders als in Freiburg doch öfter als klarer Favorit in die Partien gehen. Wenn ich jetzt aber meine persönliche Situation im Verein betrachte, dann wäre es gelogen, wenn ich mich nicht über eine Pause freuen würde. Es waren ja doch zahlreiche Spiele, es ging zuletzt Schlag auf Schlag. Andererseits will man ja schon lieber spielen als trainieren, von daher beklage ich mich jetzt sicherlich auch nicht.

SPOX: Wie fühlt es sich denn für Sie an, so häufig im Dreitagesrhythmus spielen zu müssen?

Ginter: Die Doppelbelastung ist einfach. Ich habe es mir wirklich anstrengender vorgestellt und dachte, der Kräfteverschleiß wäre extremer.

SPOX: Das hat Frankfurts Stefan Aigner im SPOX-Interview kürzlich auch gesagt.

Ginter: Das hat mich schon auch überrascht, ich bin durch die vielen Partien relativ gut durchgekommen. Natürlich ist die Trainingssteuerung nun eine andere als in der Vorsaison, so dass man sich schon gut erholen kann und weniger trainiert. Neu sind natürlich auch die Reisestrapazen, die zwar schon etwas zu Buche schlagen, aber wiederum auch vorhersehbar waren und sich auf lange Sicht bislang in Grenzen hielten.

SPOX: Wie viel Monotonie steckt denn im derzeitigen Wochenablauf?

Ginter: Das empfinden wir nicht als eintönig. Ich denke, ich kann da für alle beim Sportclub sprechen wenn ich sage, dass wir bisher immer in der Lage waren, uns zu 100 Prozent für jedes Spiel motivieren zu können. Ausschlaggebend sind einfach die Erfolgserlebnisse, wovon es bislang leider viel zu wenig gab. Die psychische und körperliche Belastung, auch die Stimmung innerhalb der Mannschaft - das hängt insgesamt alles extrem von den Ergebnissen ab. Sobald man gewinnt, geht vieles automatisch leichter. Es ist schwer zu erklären, warum das so ist, aber es ist so.

SPOX: Ihr Trainer Christian Streich sagte, dass sich seine Mannschaft derzeit in einem "enormen Kampf" befände, den man eigentlich ausschließlich über mehr Trainingszeiten gewinnen könne. Doch das Einspielen der Mannschaft über das Training scheint derzeit unmöglich.

Ginter: Vollkommen ausgeschlossen ist das natürlich nicht, auch wenn nun zwangsläufig mehr Wert auf die Regeneration statt auf das Training gelegt wird. Wir hatten dazu auch relativ viel Pech mit Verletzungen und Sperren, so dass es eben schwer ist, Abläufe und Automatismen zu verfeinern, wenn jede Woche eine andere Startformation ran muss. Wir hatten während der Partien schon viele richtig gute Phasen, aber auch einige, die schlechter waren. Am Ende standen wir meist mit leeren Händen da.

SPOX: Wie geht's nun weiter?

Ginter: Es war uns allen klar, dass es in dieser Saison nicht mehr so laufen wird wie im letzten Jahr. Es wäre jetzt einfach wichtig, wenn wir die sieglosen engen Spiele - und davon gab es genug - mal gewinnen würden. Das würde der Mannschaft extrem helfen, was die Sicherheit und auch das Selbstvertrauen angeht.

SPOX: Sie kennen Christian Streich schon seit vielen Jahren. Die sportliche Misere geht auch an ihm nicht spurlos vorbei, oder?

Ginter: Er arbeitet jetzt schon seit Ewigkeiten als Trainer und hat die meisten seiner Spiele gewonnen. Daher ist die Situation für eine Freiburger Mannschaft zwar nicht neu, für ihn als Bundesliga-Trainer aber schon. Er hat sich aber nicht in seiner Ansprache an die Spieler verändert und macht jetzt auch nicht auf einmal grundlegend andere Dinge, die er zuvor nie getan hätte. Diese Zeit zeigt uns jetzt allen, dass eben nicht immer alles nach Plan läuft.

SPOX: Das war in den letzten beiden Partien auch bei Borussia Dortmund der Fall. Stimmt es eigentlich, dass Sie früher Fan des BVB waren?

Ginter: Ja, ich hatte auch Trikot und Schal und war einmal mit der Familie im Stadion. Das war am 1. Spieltag der Saison 2002/2003, Dortmund wurde im Vorjahr Meister und eröffnete die Saison mit einem Spiel gegen Hertha BSC. 2:2 ging's aus. Wir haben dann dort noch übernachtet und sind am Tag darauf wieder zurück nach Freiburg gefahren.

SPOX: Welcher Spieler des BVB faszinierte Sie damals am meisten?

Ginter: Ich hatte keinen Favoriten. Da ich aber früher in der Jugend ja selbst auch noch in der Offensive gespielt habe, fand ich Tomas Rosicky, Jan Koller, Ewerthon und Marcio Amoroso besonders interessant. Die haben damals zusammen auch gut funktioniert.

SPOX: Am nächsten Samstag empfängt Dortmund den FC Bayern. Wie geht's aus?

Ginter: Ich bin ein ziemlich schlechter Tipper.

SPOX: Egal.

Ginter: Als neutraler Beobachter wäre es sicherlich angenehmer, wenn die Bayern nicht gewinnen würden. Das wäre für die Spannung in der Liga besser. Ich habe zwar durchaus noch Sympathien für den BVB, sage jetzt aber einfach mal 1:1. Es ist gerade schwer vorstellbar, dass die Münchner mal verlieren.

Matthias Ginter im Steckbrief

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