Deutschland vor dem Irland-Spiel

Keine Angst vorm Rugby

Donnerstag, 10.10.2013 | 21:19 Uhr
Comeback: Nach acht Monaten läuft Bastian Schweinsteiger mal wieder für das DFB-Team auf
© getty
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Das Hinspiel galt als Prüfstein, das Rückspiel ist nur eine Pflichtaufgabe auf dem Weg nach Brasilien. Den deutschen und den irischen Fußball trennen Welten. Etwas könnte aber auch das DFB-Team vom Gegner lernen (20.30 Uhr im LIVE-TICKER).

Gesagt hat es dann keiner. Trotzdem wurde deutlich, dass weder Trainer noch Spieler im Lager der deutschen Nationalmannschaft mit der Art und Weise des Spielstils der irischen Nationalmannschaft etwas anfangen können.

Es gehört nicht zum guten Ton, sich vor Fußballspielen negativ über den Gegner zu äußern, um die Partie nicht schon vor Beginn unnötig anzuheizen. Und so verpackten die Akteure ihre geringe Wertschätzung für das von den Iren noch immer gepflegte Kick-and-Rush in lobende Worte.

Fußball vs. Rugby

"Wahnsinnig gut verteidigen" könnten die Männer von der grünen Insel, sagte Bundestrainer Joachim Löw am Mittwoch. Es liege quasi in ihrer Natur, das eigene Tor mit aller Macht zu verteidigen, weil sie das auch aus ihren traditionellen Sportarten wie Rugby kennen würden, meinte Löw.

Sein Assistent Hansi Flick stellte einen Tag später das körperbetonte Spiel der Iren und ihr großes Kämpferherz in den Vordergrund. Auch Sami Khedira und Mesut Özil bezogen sich auf die leidenschaftliche Spielweise des Gegners. Mehr fiel den Deutschen aber nicht ein zu ihrem Gegner.

Wie deutlich die Unterschiede beider Mannschaften sind, war allein bei Löws Charakterisierung seines Wunschspielers auf der defensiven Mittelfeldposition: "Ich habe schon immer gesagt: Einen Sechser, der nur abräumt, wird es bei mir nicht geben. Das hat im schnellen, modernen Fußball nicht mehr zu suchen."

Die Iren kommen mit einer Vielzahl dieser Abräumer nach Köln. Löw will dagegen Spieler, die technisch gut, ballsicher, beweglich sind und die nötige Spielintelligenz besitzen.

Nur die Fans sind weltklasse

Spielerische Highlights sind in der Tat von den Iren nicht zu erwarten, auch nicht nach dem vom Verband erzwungenen Abschied von Defensivkünstler Giovanni Trapattoni als Trainer, der interimsmäßig von Noel King ersetzt. Zu frisch ist auch noch der Eindruck von der EURO 2012, als Irland zwar für seine Fans außerordentliche Anerkennung erhielt, aber für seinen Fußball nur belächelt wurde.

Kämpfen allein wird auch am Freitagabend beim vorletzten WM-Qualifikationsspiel in Köln nicht reichen. Wie klar die Verhältnisse sind, haben die Deutschen beim 6:1-Sieg im Hinspiel gezeigt, als Klose, Özil, Reus und Co. hilflose Iren aus den Schuhen spielten.

Schlechte Stimmung vorm Hinspiel

364 Tage ist dieses Spiel nun her. Auch dieses Mal wird ein klarer Sieg und damit verbunden die vorzeitige Qualifikation für das Endturnier in Brasilien erwartet. Allein schon deshalb, um ein Endspiel um das WM-Ticket am kommenden Dienstag in Stockholm gegen Schweden zu vermeiden.

Trotz der spielerischen Unterlegenheit war die Stimmung vor dem Hinspiel noch deutlich anders. Deutschland kam zwar mit zwei Siegen im Gepäck nach Irland, aber vor allem der glückliche Sieg gegen Österreich in Wien hatte Zweifel an der deutschen Mannschaft genährt. Irland galt als echte Prüfung und Schlüsselspiel.

Löw hält Grundsatzrede

Das euphorische Verhältnis zwischen Fans und DFB-Team bröckelte erstmals seit der Heim-WM 2006. Die Chemie in der Mannschaft wurde ebenso in Frage gestellt wie die Qualität von Löw als Trainer und die Richtigkeit seiner Entscheidungen.

Vor allem das Verhältnis der Bayern und der Dortmunder Spieler ist noch immer ein Thema. Löw sah sich deshalb am Mittwoch zu einer Grundsatzrede genötigt.

Erstens gebe es keine Benachteiligung irgendeiner Gruppe innerhalb der Nationalmannschaft. Zweitens sei Kritik, anders als von Mats Hummels propagiert, absolut erwünscht. "Wir sind erwachsen und professionell und sogar froh über konstruktive Kritik. Wer glaubt, dass wir jemanden nicht aufstellen, weil er seine Meinung äußert, ist weit weg von der Realität."

Und drittens treffe er "völlig autark und unaufgeregt Entscheidungen. Ein Nationaltrainer sollte nicht immer wie das Fähnchen im Wind sein, sondern nach seiner eigenen Überzeugung handeln."

Kein Prüfstein für die Defensive

Die Debatten beschränken sich aktuell mal wieder auf Personalfragen und die interne Kommunikation. Mit den beiden Zu-Null-Siegen gegen Österreich und Färöer ist das Thema Defensivarbeit vorerst etwas in den Hintergrund getreten.

Auch die Iren werden nicht der richtige Prüfstein für die Defensivbewegung der Deutschen sein. Schließlich ist der Gegner kein "Weltmeister im Ballhalten", wie Löw bemerkte. Die Innenverteidiger Per Mertesacker und Jerome Boateng werden es vor allem mit langen Bällen zu tun bekommen, im Mittelfeld heißt es dann zweite Bälle gewinnen.

Ein bisschen vom Rugby lernen

Die gegnerische Offensive scheint in dieser Partie ohnehin nicht das große Problem zu sein. Die Iren wollten zwar "Nadelstiche setzen", wie Khedira sagte. "Aber es liegt nur an uns, wie dieses Spiel ausgeht." Es geht darum, wie im Hinspiel die kompakte Defensive auseinanderzuspielen und Geduld zu bewahren, sollte es nicht gleich mit Toren klappen.

Am Sieg und der damit verbundenen WM-Qualifikation zweifelt aber niemand im deutschen Lager. Spätestens in Brasilien muss Löw mit seiner Mannschaft dann zeigen, dass er seine Worte auch mit Leben füllen kann: "Ich liebe das offensive Spiel, wir wollen bedingungslos offensiv spielen, müssen aber dahin kommen, dass wir kompakt und gut verteidigen."

Denn manchmal müssen auch die Deutschen wie die Rugby-sozialisierten Iren ihr Tor verteidigen. Auch das ist ein Schlüssel zum Titelgewinn.

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