"Lahm wäre für Real sehr wertvoll"

Von Für SPOX bei der Nationalmannschaft: Stefan Rommel
Freitag, 15.06.2012 | 21:44 Uhr
Mesut Özil (l.) mit Mario Gomez beim 2:0-Sieg gegen die Niederlande
© Getty
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Die deutsche Nationalmannschaft steht mit einem Bein im Viertelfinale und keinen geringen Anteil daran hat Mesut Özil. Im Interview spricht Özil darüber, was sich alles verändert hat seit er für Real Madrid spielt, welches Team bislang die größte Überraschung der EM ist und was er von einem Wechsel von Philipp Lahm nach Madrid halten würde.

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Frage: Seit zwei Jahren sind sie Stammspieler bei Real Madrid und in der Nationalelf - wie sehr hat sich dadurch Ihr Selbstbewusstsein verändert?

Mesut Özil: Ich freue mich natürlich über diese Erfolge und auch über den Start bei dieser EM. Aber persönlich hat mich das nicht verändert. Ich bin immer noch der alte Mesut, der Spaß am Fußball hat.

Frage: Was ist für Sie auf dem Platz neu? 2010 waren Sie noch nicht so bekannt, heute achten doch alle Verteidiger genau auf Sie.

Özil: Das ist in der spanischen Primera Division so, und eigentlich war es auch in der Bundesliga nicht anders. Klar, durch die vergangene WM bin ich populärer geworden, vor allem in Madrid, aber ich musste nichts an meiner Spielweise ändern. Ob mich da jetzt zwei oder drei Gegenspieler ausschalten wollen, darauf achte ich nicht. Eigentlich merke ich das gar nicht. Die Nationalelf und Real Madrid sind ohnehin Teams, gegen die sich die Gegner besonders anstrengen.

Frage: Wie viel spanischer Fußball steckt dank Real Madrid jetzt in Mesut Özil?

Özil: Ich habe mich körperlich entwickelt und durch Krafttraining drei bis viel Kilogramm zugenommen. Mehr sollte es aber nicht sein, damit ich nicht an Geschwindigkeit verliere. Ansonsten kommt es auch in Spanien auf die gleichen Dinge an wie in der Bundesliga. Auch hier wollen die kleineren Mannschaften besonders gegen ein Team wie Real Madrid glänzen. Wenn man so will, war meine Spielweise auch schon vor Real Madrid etwas spanisch, das konnte man auch schon bei Werder Bremen sehen.

Frage: Und außerhalb des Platzes? Sie sind jetzt auch Werbeträger.

Özil: Große Werbeverträge ehren mich natürlich. Aber ich will mich nicht zu viel damit befassen, das macht mein Vater für mich. Ich will mich nur auf Fußball konzentrieren. Auch wenn ich weiß, dass Werbekampagnen dazu gehören. Aber das muss sich dem Fußball unterordnen, dafür muss ich die Zeit haben. Und dann mache ich das auch gerne.

Frage: Es wird bei dieser EM sehr viel auf den Wert der Abwehr gelegt. Wie gefällt das einem Offensivspieler wie Ihnen?

Özil: Es ist eben unser Konzept, sehr kompakt zu stehen. Das fängt schon vorne bei Mario Gomez an. Das haben wir in den ersten beiden Spielen ja auch gut hinbekommen, gegen sehr starke Mannschaften. Und darauf kommt es an. Und dass alle defensiv mitarbeiten, das geht heutzutage nicht mehr anders. Jeder Spieler muss seine Defensivarbeit machen, und das tue auch ich.

Frage: Und Ihr eigentlicher Job, die Offensive?

Özil: Da habe ich natürlich viele Freiheiten, ich bin ja auch Spielmacher. Ich kann mich vorne rechts und links bewegen, wie ich will - muss aber eben auch immer an die Abwehr denken. Ich weiß aber, dass ich mich noch verbessern muss, vor allem muss ich torgefährlicher werden. Aber bisher habe ich keine schlechten EM-Spiele gemacht, finde ich. Portugal war defensiv sehr stark, und gegen Holland hatte ich mit einem Pfostenschuss ein bisschen Pech. Ich bin sicher, ich werde in den nächsten Spielen noch besser werden.

Frage: Jose Mourinho sagt, Sie seien aktuell der beste Zehner der Welt. Widersprechen Sie da?

Özil: Als mein Vereinstrainer weiß er, was ich kann. Und Mourinho widerspricht man lieber nicht.

Frage: Wenn Sie eine tolle und erfolgreiche EM spielen, winkt in diesem Jahr sogar der Titel des Weltfußballers.

Özil: Davon träumt jeder Spieler. Aber ehrlich, meine Gedanken gelten jetzt ausschließlich Dänemark, unserem nächsten Gegner.

Frage: Cristiano Ronaldo findet, Sie seien besonders witzig. Womit bringen Sie den zum Lachen?

Özil: Ich wirke vielleicht nach außen ruhig, aber in der Mannschaft und vor allem bei Real Madrid mache ich viele Späße. Ich ärgere die Leute gerne, und man kann die Spanier und Portugiesen bei Real schon mit der Ankündigung ärgern, dass wir sie bei der EM schlagen werden. Ich muss mir natürlich auch einiges anhören von Ihnen, und dabei entwickeln sich dann witzige Wortgefechte. Das meint Cristiano wohl.

Frage: Haben Sie während der EM Kontakt zu ihren Kollegen von Real?

Özil: Mit Sergio Ramos, klar, uns verbindet ein freundschaftliches Verhältnis. Aber ich schreibe nicht nur ihm SMS, sondern auch Karim Benzema von den Franzosen oder Ronaldo. Wir gratulieren uns gegenseitig zu unseren Erfolgen.

Frage: Würden Sie sich freuen, wenn Philipp Lahm auch noch zu Real kommen würde?

Özil: Philipp ist ein Weltklassespieler. Er wäre für sehr viele Klubs wertvoll, auch für uns. Wenn er zu Real wechseln würde, würde uns das sehr freuen. Aber ich spreche mit ihm jetzt nicht über dieses Thema.

Frage: Wer hat Sie bei dieser EM bislang überrascht?

Özil: Die Russen. Sie sind sehr konterstark, können schnell nach vorne spielen und haben so viele Möglichkeiten. Und sie haben ja auch schon viele Tore geschossen.

Frage: Sie spielen in der Freizeit hier auch an der Playstation. Teilen Sie Lionel Messis Einschätzung, als Spieler dabei noch zu lernen?

Özil: Da ist schon was dran. Der Kopf wird tatsächlich gefordert. Man muss auf die Schritte achten und darauf, was der Gegner macht - da kann man sich als Spieler schon weiter entwickeln.

Frage: Ist Ihre Familie denn auch da?

Özil: Ja, darüber freue ich mich riesig, auch wenn mein Vater beim ersten Spiel nicht dabei sein konnte, weil er seinen Reisepass vergessen hat. Dabei haben sich alle gefreut, ein Spiel der Nationalmannschaft mal vor Ort zu sehen. Jetzt sind sie aber wieder abgereist, sie müssen ja arbeiten.

Mesut Özil im Steckbrief

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