Das deutsche Offensivkonzept

Das Passspiel und Müllers List

Von Für SPOX beim DFB-Team: Stefan Rommel
Mittwoch, 06.06.2012 | 09:34 Uhr
Die Drei sollen es bei der EM richten: Thomas Müller, Mesut Özil und Miroslav Klose (v.l.n.r.)
© Getty
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Deutschland musste sein Offensivspiel neuen Gegebenheiten anpassen. Das erfordert noch mehr Sicherheit und Variabilität in der Paradedisziplin. Die fantastischen Vier sollen es richten, auch beim ersten EM-Gruppenspiel gegen Portugal (Sa., 20.30 Uhr im LIVE-TICKER).

Die Basis des deutschen Offensivspiels

Vor zwei Jahren in Südafrika war Deutschland wie sehr viele andere Teams eine Mannschaft, die aus einer eher passiven Rolle heraus ihr Spiel vortrug.

In der Reaktion auf bestimmte Spielsituationen ging das deutsche Spiel in einen überfallartig vorgetragenen Umschaltmodus, was gegen Teams wie England und Argentinien, die kein besonders durchdachtes Defensivkonzept zur Hand hatten, hervorragend aufging.

Die Aufgabenstellung bei der EURO wird indes eine ziemlich andere sein. Die deutsche Mannschaft geht fast in jede Partie als Favorit, dementsprechend werden die Vorrundengegner dem DFB-Team größtenteils den Ball überlassen, um den deutschen Spielfluss ihrerseits mitunter auch schon früh zu stören.

"Wir werden kaum Freiräume bekommen"

Die deutschen Gegner werden in der Defensivbewegung versuchen, das Spiel langsam und damit auch ein Stück weit langweilig zu machen.

"Wir werden kaum Freiräume bekommen", weiß Joachim Löw. Hierfür braucht es ein probates Gegenmittel und das kann für Deutschland nur das saubere Passspiel sein.

Neben Spanien ist Deutschland die Mannschaft dieses Turniers, deren Fundament am meisten darauf fußen wird. "Das ist die Basis unserer Trainingsarbeit", sagt Hansi Flick.

Keine Zeit für Ruhepausen

Im Trainingslager in Tourrettes wurde bei den Pass- und Spielformen überwiegend einfach geübt - zumindest auf den ersten Blick. Auslösehandlung, Gegenbewegung, Ballan- und mitnahme, Abspiel.

Dabei ging es gar nicht darum, besonders schnell und hart und flach zu passen - obwohl das sehr wohl auch gefordert wird im "richtigen" Spiel - sondern um den individuellen Ablauf bei jedem einzelnen Spieler, der eingebettet in einen Spielablauf einen handelsüblichen Pass spielen soll.

Handlungsmuster wurden immer und immer wieder wiederholt. Das Ziel: Den Spielern klarzumachen, dass nach einem erfolgten Abspiel keine Zeit für Ruhepausen ist. Jeder ist zu jeder Zeit dafür verantwortlich, den Fluss des Balles am Laufen zu halten. Durch Bewegung ohne Ball, klar definierten Laufwegen, Täuschungsmanövern.

All diese Dinge gehören zu einem vernünftig vorgetragenen Passspiel dazu. Im Prinzip setzt es sich zusammen aus Ballsicherheit, Positionsspiel und überraschenden Ideen. Und dafür hat die deutsche Mannschaft in ihren Offensivreihen genau die richtigen Figuren.

Löw: "Ein fließendes Dreieck"

Daneben ist die Flexibilität in Mittelfeld und Angriff Deutschlands größtes Plus. Bundestrainer Joachim Löw umschreibt es für die Mittelfeldzentrale so: "Ich will drei Spieler im Zentrum haben, die flexibel sind. Die ihre Rolle sowohl defensiv als auch offensiv ausüben, die ein fließendes Dreieck bilden".

Mit Sami Khedira und Bastian Schweinsteiger hat die deutsche Mannschaft auf der Doppel-Sechs zwei Spieler, die früher offensiver zum Einsatz gekommen sind, Khedira auf der Acht, Schweinsteiger als Dribbler und mit gutem Torabschluss aus der zweiten Reihe. Auch Toni Kroos, hinter den beiden die dritte Option für die Position vor der Abwehr, hat als Spielgestalter und Flügelspieler angefangen.

Deutschlands Defensivkonzept: Chancen ohne Ballbesitz

Damit ist dem deutschen Spiel immer auch eine natürliche Vorwärtsbewegung aus der dritten Reihe gegeben. Khedira macht dabei gerne die langen Wege bis in den gegnerischen Strafraum, Schweinsteiger deckt den Halbraum vor dem Tor ab, um in die Abschlussaktion zu kommen.

Der Aufbau aus der Abwehr

Beim verpatzten Test in Basel gab es Mitte der ersten Halbzeit eine untypische Szene. Mats Hummels führte den Ball kurz vor der Mittellinie. Marcel Schmelzer nahm links außen Tempo auf, Hummels spielte einen weiten, hohen Ball.

Schmelzer lief zu langsam ein, der Ball trudelte ins Toraus. Und neben der Bank schimpfte Joachim Löw. Hummels Idee war gut, aber sie passte nicht zu dem, was eine der eisernen Regeln im DFB-Team ist: Keine hohen Bälle aus der Zentrale ohne Gegnerdruck.

Der Spielaufbau sieht immer den Flachpass vor, sollte das Risiko kalkulierbar sein, auch ein Zuspiel direkt ins offensive Mittelfeld oder gar auf die einzige Spitze. Für gewöhnlich sind aber beide Außenverteidiger mit involviert, wobei Philipp Lahm ebenso gerne wie Schweinsteiger gerne auch mal eine Spielverlagerung einstreut.

Außenverteidiger, offensiver Mittelfeldspieler und einer der beiden Sechser spielen im Dreieck, um den Ball dann auf Özil oder in die Spitze zu spielen und nachzulaufen.

Seite 2: Die Sonderstellung von Özil und Müller

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