Freitag, 11.05.2012

Elf Spieler nach Sardinien - ohne Löw

Rumpftruppe des DFB beginnt das EM-Training

Nur ein kleines Grüppchen, gerade so groß wie eine Hobby-Mannschaft, die keine Einwechselspieler gefunden hat, begann das anspruchsvolle Projekt "EM-Titelgewinn". Joachim Löw rief, aber zum Treffpunkt im Sheraton Airport Hotel am Rhein-Main-Flughafen in Frankfurt kamen nur elf Nationalspieler.

Sardinien - hier will sich Joachim Löw mit seinen Spielern auf die EM vorbereiten
© Getty
Sardinien - hier will sich Joachim Löw mit seinen Spielern auf die EM vorbereiten

16 fehlten, alle entschuldigt, als die deutsche Fußball-Nationalmannschaft am Freitag nach Sardinien aufbrach. Die Küsten des Mittelmeeres sollen für Löw und seine Spieler zum Ausgangspunkt einer sehr erfolgreichen Teilnahme an der Europameisterschaft (8. Juni bis 1. Juli). Aber nur ein Häufchen der Spieler hat Zeit für Löw, der deswegen auch einfach zu Hause blieb und die elf Aufrechten in die Obhut seiner Assistenten Hansi Flick und Andreas Köpke gab.

Im Prinzip könnte Löw auch erst in zwei Wochen mit dem EM-Training anfangen, weil alles, was einmal gut geplant war, inzwischen auf den Kopf gestellt wurde. In Porto Cervo an der Costa Smeralda hat die Rumpftruppe es aber wenigstens gut.

Aga Khan hat an einem Teil der Ostküste Sardiniens vor vielen Jahren ein Urlaubsdomizil aus dem Boden stampfen lassen, das hochklassig ist, aber eben doch nur ein Retortenort. Dort steigen im Sommer die Designer-Elite aus Mailand, Reiche und Superreiche aus Rom ab, womit die Nationalspieler am richtigen Ort wären. Aber im Hotel Romazzino, einem Luxushaus, soll gleich hart gearbeitet werden.

Drei Torleute und acht Feldspieler

Elf echte Nationalspieler bekommen Köpke und Flick nicht einmal zusammen, weil Julian Draxler und Marc-Andre ter Stegen (Gladbach) noch nie im A-Team gespielt haben. Der Schalker Draxler hat, wie er vor dem Abflug in Frankfurt erzählte, die Schulbücher mitgenommen, vor allem Mathe muss er büffeln.

"Ich kann hier nur lernen", sagte Draxler, meinte dabei aber vor allem, dass er den alten Haudegen wie Per Mertesacker (FC Arsenal) oder Lukas Podolski (Köln) was abgucken kann. Die waren auch unter den nur acht Feldspielern, die dem Mini-Team zum EM-Trainingsstart angehörten.

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Der Gladbacher ter Stegen soll Tim Wiese (Werder Bremen) und Ron-Robert Zieler (Hannover), die das beide gebrauchen können, Dampf machen, ehe Platzhirsch Manuel Neuer kommt. An weiteren Feldspielern flogen noch Cacau (Stuttgart), Andre Schürrle, Lars Bender (beide Leverkusen), Marco Reus (Mönchengladbach) und Benedikt Höwedes (Schalke) als einheimischer Betreuer für Draxler gen Süden.

Weil es interessanter ist, wenn 13 seiner EM-Kandidaten im DFB-Pokalfinale gegeneinander spielen, reiste Löw nicht nach Sardinien, sondern nach Berlin, um die acht Bayern und fünf Dortmunder zu beobachten, die sich nun gegenseitig beharken, um bald für Deutschland gemeinsam zu gewinnen.

Löw verhandelte mit Mourinho

Die Münchner haben danach vielleicht das EM-Turnier im hintersten Winkel des Hinterkopfes, denn für sie steht noch das Champions-League-Finale gegen den FC Chelsea an. Erst in das Hotel Four Seasons Terre Blanche an die Cote d'Azur im südfranzösischen Tourrettes, einer Anlage im Besitz von Dietmar Hopp, dem Mäzen des Bundesligisten 1899 Hoffenheim, werden die am 25. Mai - also mit zwei Wochen Verspätung - vorbeikommen.

Löw verhandelte am Donnerstag noch persönlich mit Jose Mourinho, dem Trainer von Real Madrid, um die kurzfristig vom spanischen Meister zwangsverpflichteten Mesut Özil und Sami Khedira frei zu bekommen für das EM-Training. Statt der nationalen Ehre zu dienen, müssen sie in Kuwaits Wüste bei einem Privatspiel für Real Geld verdienen.

"Mourinho hat zu mir gesagt, er hätte auf die beiden verzichtet, aber der Verein hat so entschieden", sagte Löw. Also kommen am Montag, wenn er selbst inzwischen auch auf Sardinien ist, nur die Dortmunder und auch noch Miroslav Klose nach seinem letzten Spiel mit Lazio Rom. Der hat es wenigstens nicht weit. Es scheint einiges doch perfekt organisiert zu sein.

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