Der künftige DFB-Präsident im Porträt

Mit Niersbach erhält der DFB neue Akzente

SID
Mittwoch, 29.02.2012 | 13:03 Uhr
Wolfgang Niersbach wird am kommenden Freitag zum DFB-Präsidenten gewählt
© Getty
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Am kommenden Freitag wird Wolfgang Niersbach zum neuen DFB-Präsidenten gewählt. Er löst Theo Zwanziger ab. Von Niersbach verspricht man sich neue Akzente beim DFB.

Zum Spiel der Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft 1986 charterte der Deutsche Fußball-Bund (DFB) einen Hubschrauber, der aus Mexiko-City nach Queretaro flog. Mit Hermann Neuberger, dem damaligen DFB-Präsidenten, saß auch Wolfgang Niersbach mit an Bord.

Der leitende Redakteur der Nachrichtenagentur "sid" war ein Vertrauter des DFB-Chefs, nur er erhielt das Privileg der bequemen Anreise. Drei Jahre später wurde er zum Pressechef des Verbandes berufen. Wenn am Freitag im Steigenberger Airport-Hotel in Frankfurt der 61 Jahre alte Niersbach zum elften Präsidenten des DFB gewählt wird, tritt ein Mann dieses Amt an, der schon immer eine große Nähe zu den Aktiven und Funktionären pflegte.

Paradigmenwechsel beim DFB

Für den DFB, mittlerweile auf 6,7 Millionen Mitglieder angewachsen, beginnt mit der Präsidenten-Übergabe von Theo Zwanziger zu dem in Grevenbroich geborenen und in Düsseldorf aufgewachsenen Rheinländer ein Paradigmenwechsel. "Er wird andere Akzente setzen", heißt es aus seiner Umgebung.

Er strebe "keine Revolution, sondern eine Evolution" an, erklärte Niersbach, der sich ansonsten seit seiner Kandidatur mit Äußerungen bewusst zurückhielt. "Zurück zum Kerngeschäft", heißt eine seiner Devisen. Der Spielbetrieb der 26.000 DFB-Vereine mit über 100.000 Spielen an fast jedem Wochenende im Amateurbereich soll eine ebenso hohe Bedeutung erhalten wie die neue Fokussierung auf die Bundesliga und die Nationalmannschaft.

Niersbach ist der größte Fan des DFB-Teams, in den vergangenen 40 Jahren hat er kaum ein Länderspiel verpasst.

Als Junge selbst Amateurspieler

Und er kennt seit jeher die Fußball-Profis. Mit Reiner Geye, Stürmer von Fortuna Düsseldorf, machte er in den 1970er Jahren die Stadionzeitung des Vereins. Die Düsseldorfer Spieler einigten sich nach dem Gewinn des DFB-Pokals darauf, dass er die Trophäe über eine Nacht mit nach Hause nehmen sollte, bevor sie sich darum streiten würden.

Niersbach selbst spielte als Junge beim Amateurklub Düsseldorfer SC 99, um die Ecke liegt das alte Eisstadion an der Brehmstraße. Eishockey war die zweite Leidenschaft des Jungredakteurs Niersbach, der sein Abitur am Görres-Gymnasium an der Königsallee machte. Er pflegte enge Freundschaften zu Spielern wie Walter Köberle, Erich Kühnhackl, vielen anderen und Trainer Xaver Unsinn.

Bei den Fußball-Europameistern von 1972 und -Weltmeistern von 1974 konnte er es genauso gut mit der Gladbacher Fraktion um Günter Netzer wie mit den Bayern um Franz Beckenbauer. Später hielt er freundschaftlichen Kontakt zu den Düsseldorfer Allofs-Brüdern, den Stuttgarter Förster-Brüdern und dem Münchner Karl-Heinz Rummenigge. Bis heute ist Niersbach mit vielen der Ex-Spieler per "Du".

Neuberger als Vorbild

Nachdem er 1988 noch in seiner Eigenschaft als sid-Angestellter als Pressechef der Europameisterschaft in Deutschland tätig war, rückte er ein Jahr später als Mediendirektor des DFB noch näher an die Nationalelf heran. Und er brachte in den DFB, der damals mehr wie eine Behörde als ein Unternehmen arbeitete, die Kontakte zur Bundesliga ein.

Wenn Niersbach in seine neue Rolle schlüpft, wird er sich in seinem Wirken wahrscheinlich weniger an den drei Präsidenten Egidius Braun, Gerhard Mayer-Vorfelder und Theo Zwanziger, denen er gedient hat, sondern an Neuberger orientieren.

Den Saarländer, der in der Öffentlichkeit recht umstritten war, bewunderte und verehrte der künftige DFB-Präsident. Und zu Neuberger besteht durchaus eine Parallele, denn auch er war früher Sportjournalist. Nach zwei Juristen und Ex-Politikern wird der DFB mit Niersbach wieder bodenständiger.

Beckenbauer lobt Niersbach

Für den Vater zweier Töchter, die in der Schweiz studieren und in England ein College besuchen, war der Fußball immer Dreh- und Angelpunkt des Berufslebens. Wegen seiner unkomplizierten Art wird er von den Kollegen und Mitarbeitern geschätzt.

"Er muss seine Lockerheit, seine verbindliche Art behalten. Sie kommt überall sehr gut an", sagt Beckenbauer, der mit Niersbach sehr eng befreundet ist und damit seinen Einfluss im DFB noch vergrößern kann. Auffassungsschnell, effektiv arbeitend, teamorientiert wirkte Niersbach, der als unprätentiös, pragmatisch und sachbezogen beschrieben wird, zuletzt als DFB-Generalsekretär und oberster Dienstherr der 220 Angestellten.

Langatmige rhetorische Ausflüge mit philosophisch-moralischen Botschaften sind nicht seine Sache. Der DFB ist nach Niersbachs Verständnis ein Sportverband, der seinen Mitgliedern den bestmöglichen Service anzubieten hat. Predigten zu Gott, der Welt und dem Fußball a la Zwanziger sind nicht geplant.

Der Spielplan der EM 2012

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