DFB-Team: Das Problem auf den Außen

Für die erste und zweite Reihe

Von Für SPOX in Bremen: Stefan Rommel
Mittwoch, 29.02.2012 | 13:25 Uhr
Dennis Aogo (r.) und Jerome Boateng (M.) sind zwei Kandidaten für die defensiven Außen
© Getty
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Der Test gegen Frankreich ist für die deutsche Nationalmannschaft einmal mehr auch ein Experimentierfeld für die Besetzung der beiden defensiven Außenbahnen. Fünf Spieler streiten sich um drei Positionen.

Es gibt den einen Franck Ribery. Der, den der FC Bayern in seiner schwierigen Phase momentan so dringend benötigt wie kaum einen anderen und der seinen Verein nicht im Stich lässt. Sondern in dieser Saison mit Weltklasseleistungen in allen drei Wettbewerben hält und bei den Münchenern in Abwesenheit von Bastian Schweinsteiger der Chef ist.

Und dann gibt es noch den anderen, der in der französischen Nationalmannschaft seltsam gehemmt wirkt, nicht jene Lockerheit und Freude hat in seinem eigenen Spiel und sich deshalb immer wieder scharfe Kritik der heimischen Presse gefallen lassen muss.

Boateng freut sich auf Ribery

Das ist vielleicht eine tröstliche Aussicht für die deutsche Nationalmannschaft, wenn sie am Mittwoch (20.30 Uhr im LIVE-TICKER) in Bremen auf die Grande Nation trifft. Denn einen Ribery in Bayern-Form will man momentan als Gegenspieler auf dem Platz kaum vor sich haben. Auch nicht, wenn man Jerome Boateng heißt und den Franzosen bestens kennt.

Und trotzdem würde Boateng im Weserstadion nur zu gerne gegen den Kollegen antreten. "Franck ist ein super Typ, er ist immer positiv, immer locker. Und er ist einer der besten Fußballer der Welt. Ich würde mich freuen, wenn ich gegen ihn spielen dürfte", sagt Boateng.

Was damit zu tun haben dürfte, dass es zwischen Boateng und dem Schalker Benedikt Höwedes ein Gerangel um eine der letzten vakanten Positionen im deutschen Team gibt und jedes Spiel als Chance zu sehen ist, sich gegenüber dem anderen einen kleinen Vorteil zu erspielen.

Kein gelernter Rechtsverteidiger

Die deutsche Nationalmannschaft hat sich in den letzten beiden Jahren entwickelt, sie hat neue Gesichter hervorgebracht, sich noch einmal verjüngt, verbessert, verfeinert. Aber sie hat auch in den gelungenen Monaten nach der WM 2010 eine Baustelle nicht zuschütten können, die schon damals auf der Agenda gelistet war: das Problem auf den beiden Außenbahnen.

Rechts in der Viererkette war Philipp Lahm lange gesetzt, sein Wechsel zurück auf die linke Seite hat das Problem nur wieder verlagert, aber nicht gelöst. An speziell dafür ausgebildetem Personal mangelt es in Deutschland, das auf anderen Positionen Spieler fast im Überfluss produziert hat in den letzten Jahren.

Für die rechte Abwehrseite hat Bundestrainer Joachim Löw die ehemals große Hoffnung Gonzalo Castro etwas aus den Augen verloren, dafür aber neben dem gelernten Innenverteidiger Boateng noch den gelernten Innenverteidiger Höwedes und den gelernten defensiven Mittelfeldspieler Christian Träsch im Repertoire.

Boateng als Rollenspieler

Für Letztere gilt immerhin, dass sie seit geraumer Zeit in ihren Klubs auf der rechten Außenbahn spielen können, vielleicht auch spielen müssen. Dann kann man dazu lernen, sich Abläufe im täglichen Trainings- und wöchentlichen Spielbetrieb aneignen und findet Altbekanntes wieder.

"Es ist immer gut, wenn man sich auf einer Position einspielen kann. Rhythmus und Sicherheit kommen dann fast von ganz alleine. Ich fühle mich von Spiel zu Spiel besser, das Gespür für die Position wächst", sagt Boateng.

Nur meint er das bezogen auf seine neue Rolle in der Innenverteidigung der Bayern. In der Nationalmannschaft stehen seine Chancen auf einen Platz in der ersten Elf rechts in der Viererkette besser. Boateng hat von allen Kandidaten die größte Hürden zu nehmen, wird ständig von rechts in die Mitte und wieder zurückgeschoben.

Wirklich beschwert hat er sich darüber nur einmal, seine zurückhaltende und stoische Art verbietet es ihm, daraus eine grundsätzliche Debatte zu entfachen.

Spanien auch hier als "Vorbild"

Löw hat hier die erste Garde zu entdecken, die Position ist nicht final besetzt. Und sie wird, egal wer nachher in der Startelf stehen wird, auch nie optimal besetzt sein. Dass das für eine Mannschaft aber zu kompensieren ist, haben nicht zuletzt die Spanier demonstriert, die mit dem soliden, aber nicht überragenden Joan Capdevilla links in der Viererkette sowohl Europa- als auch Weltmeister wurden.

"Für das Spiel gegen Frankreich und für Franck Ribery müssen wir uns etwas einfallen lassen. Egal, ob dann Jerome Boateng, Benny Höwedes oder Christian Träsch spielen: Wir werden sie versuchen, gut einzustellen - damit sie gegen Ribery auch bestehen können", sagte Co-Trainer Hansi Flick am Dienstag.

Links geht es um den Lahm-Backup

Auf der anderen Seite ist die erste Reihe durch Lahm besetzt. Dahinter bleiben mit Dennis Aogo und Marcel Schmelzer zwei Kandidaten für eine Position. Auch wenn das Trainerteam Aogo auch minimale Chancen bescheinigt, als defensiver Mittelfeldspieler in den EM-Kader zu rutschen, sieht der Hamburger sein Aufgabengebiet links in der Viererkette und schätzt seine Lage realistisch ein.

"Ich weiß, dass Philipp seit Jahren auf einem unglaublich hohen Niveau spielt. Er ist völlig zu Recht Kapitän dieser Mannschaft. Allein schon aufgrund seiner Verdienste hat er mir viele Dinge voraus, auf diesem Level bin ich noch nicht. Das bringt mich in die Rolle des Wartenden", sagt er.

"Für mich geht es darum, dem Bundestrainer zu zeigen, dass er keine Bauchschmerzen haben muss, wenn der Fall X eintreten und ihm Philipp nicht zur Verfügung stehen sollte. Ich spüre da keine große Ungeduld. Natürlich will kein Spieler zweite Wahl sein, aber es ist auch wichtig, dass man seinen Stellenwert realistisch einschätzen kann."

Vorsprung durch Wissen

In Bremen hofft Aogo auf eine neuerliche Bewährung, das Spiel gegen Frankreich "ist eine Chance. Ich werde versuchen, die Dinge umzusetzen, die mir der Bundestrainer vorgibt."

Allerdings hat der Dortmunder Schmelzer wohl größere Chancen auf einen Startplatz auf der umkämpften Position.

Acht Defensivspieler hatte Löw für das erste Länderspiel des Jahres nominiert, mit Lahm musste der erfahrenste unter ihnen absagen. Den 85 Länderspielen des Kapitäns stehen zusammengerechnet 79 seiner Kollegen gegenüber.

Ein Nachteil muss das nicht unbedingt sein. Immerhin haben Aogo, Schmelzer, Boateng, Höwedes und Mats Hummels dem Großteil des restlichen Kaders eines schon voraus: Sie wissen, wie man Europameister wird. 2009 standen alle fünf gemeinsam mit Mesut Özil im Finale der U-21-EM und besiegten England mit 4:0.

Die voraussichtlichen Aufstellungen

Deutschland: Wiese - Höwedes, Hummels, Badstuber, Schmelzer - Khedira, Kroos - Müller, Özil, Schürrle - Klose

Frankreich: Lloris - Debuchy, Rami, Mexes, Abidal - M'Vila, Cabaye - Amalfitano, Martin, Ribery - Giroud

Schiedsrichter: Tagliavento (Italien)

Die EM im Überblick

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