Das Wichtigste ist die Gedankenschnelligkeit

SID
Dienstag, 03.01.2012 | 13:02 Uhr
Joachim Löw zeigt an, wo es lang geht
© Getty
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"Das Einfache perfekt zu beherrschen, ist die große Kunst im Fußball." Was so einfach klingt, erfordert viel Disziplin und Trainingsfleiß, wie Joachim Löw im Interview mit der Nachrichtenagentur "dapd" verrät. Und für ein Klasse-Team ist die Gedankenschnelligkeit der Spieler sogar noch wichtiger als die körperliche Schnelligkeit.

Frage: Wo liegen die Stärken Ihrer Mannschaft, mit der Sie Spanien bei der EM in diesem Jahr den Titel streitig machen wollen?

Löw: Wir haben eine gute Mischung von Kombinationsspiel, Balleroberung und schnellen Gegenstößen für unsere Mannschaft entwickelt. Wir sind nicht wie der FC Barcelona auf den ganz langen Ballbesitz aus. Ich sage meiner Mannschaft: Wenn wir den Ball gewinnen, möchte ich in acht Sekunden den Torabschluss sehen. Das ist meine Philosophie.

Frage: Sie sprachen vor kurzem davon, sich schon heute Gedanken darüber zu machen, wie Ihre Mannschaft 2014 spielen wird. Wo liegen noch Möglichkeiten zur fußballerischen Weiterentwicklung?

Löw: Was sich noch weiter verbessern lässt, ist die Persönlichkeitsentwicklung bei jungen Spielern wie Götze, Kroos und Schürrle. Entscheidend ist heute, dass man sich auf das Wesentliche fokussiert, gute Kritiken nicht zum Höhenflug verleiten und man auch weiß, was man als unwichtig ausblenden muss.

Frage: Wie lässt sich denn die Persönlichkeitsentwicklung forcieren?

Löw: In diesem Bereich haben wir noch Ansatzpunkte. Die Spieler sind schon sehr leistungsorientiert und sehr professionell in der Lebensweise. Aber sie können noch stärker daran arbeiten, was es heißt, den Beruf des Fußballprofis auszuüben. Es reicht heute ja bei weitem nicht mehr, gut Fußball zu spielen. Jeder Spieler ist sozusagen seine eigene Firma. Und gleichzeitig muss der Teamgedanke über allem stehen.

Frage: Es geht also nicht nur um die Verbesserung der körperlichen Leistungsfähigkeit?

Löw: Die Spanier sind nicht mit Aggressivität, mit Zweikampfstärke und mit Härte zu schlagen, denn man trifft sie damit nicht. Sie sind gedanklich zu schnell. Und genau das wird eine wichtige Aufgabe und Entwicklung für alle Fußballer werden: Es geht darum, gedanklich immer schneller zu sein. Denn die Räume werden immer enger, die Zeiten für Ballannahme und -mitnahme werden noch kürzer. Das Einfache müssen wir zum Besonderen erheben. Ballannahme, Ballmitnahme, Passspiel, gutes Zweikampfverhalten - das alles muss in sehr hohem Tempo weiter perfektioniert werden. Das Einfache perfekt zu beherrschen, ist die große Kunst im Fußball.

Frage: Ist die Schnelligkeit also das entscheidende Kriterium im modernen Fußball?

Löw: Die Gedankenschnelligkeit ist vielleicht noch über die körperliche Schnelligkeit zu stellen. Wenn ein Spieler eine gute Technik und eine gute Grundschnelligkeit besitzt, aber langsam im Kopf ist, kann das seinen Wert für das Team mindern.

Frage: Haben Sie in der Nationalelf genug gedankenschnelle Spieler?

Löw: Wir haben Spieler, die schnell lernen. Das ist im Fußball ein sehr wichtiges Kriterium geworden. Denn wer schnell lernen kann, der wird schneller besser. Es gibt die Spieler, mit denen ich zwei-, dreimal spreche und zwei-, dreimal trainiere, und die anschließend sagen: Alles klar. Die machen die Dinge genauso, wie sie sein sollen. Bei diesen ist die Konzentrationsfähigkeit sehr hoch. Bei denen, die nicht so schnell lernen, liegt es nicht am Willen, sondern sie brauchen einfach länger, die Vorgaben an sie umzusetzen.

Frage: Von welchen Faktoren hängt das ab? Und haben Sie seit zwei, drei Jahren nicht nur bessere Fußballer, sondern auch gedanklich schnellere Spieler zur Verfügung?

Löw: Neben der fußballerischen Ausbildung sind die Schulausbildung und das Elternhaus wichtiger geworden. Die jungen Spieler, die Dinge gedanklich schnell erfassen und lernfähig sind, entwickeln sich am besten weiter.

Zudem habe ich die vergangenen zwei, drei Jahre das Gefühl, dass die älteren wie Lahm, Schweinsteiger, Mertesacker, Klose, Podolski unsere Erwartungen auf jüngere Spieler besser übertragen können.Und bei den jungen Spielern selbst sind außerdem die fußballerischen Dinge gefestigter.

Vor der WM 2010 habe ich in der Vorbereitung gesehen, wie schnell Spieler wie Özil, Müller, Badstuber alles begriffen haben. Sie haben so schnell gelernt, das war einfach super. Ich hoffe, dass wir vor der Europameisterschaft wieder eine so gute Vorbereitung haben werden.

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