Für Löw ist das Herz mehr wert als der Verstand

SID
Donnerstag, 06.10.2011 | 22:45 Uhr
Geht es nach Joachim Löw, sollen die Spieler auf ihr Herz und ihre Familie hören
© Getty
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Das Tauziehen um die deutschen Fußball-Talente mit türkischen Wurzeln sorgt im Vorfeld der Duelle zwischen der Türkei und Deutschland immer wieder für hitzige Diskussionen.

Hitzige Diskussionen, mitunter sogar hässliche Verbalattacken: Das Tauziehen um die deutschen Fußball-Talente mit türkischen Wurzeln hat zuletzt immer wieder zu Streiterein zwischen dem DFB und dem türkischen Verband TFF geführt. Vor allem der ehemalige Bundesligaprofi Erdal Keser und Matthias Sammer sind in diesem Sommer heftig aneinandergeraten.

Keser, Europa-Koordinator der TFF, hatte offiziell die Jagd auf die U-17-Junioren des DFB mit türkischer Abstammung eröffnet und erklärt, dass zwei, drei Spieler aus dieser Mannschaft ihm bereits zugesagt hätten, für die türkische A-Nationalmannschaft zu spielen.

DFB-Sportdirektor Sammer konterte: "Herr Keser hat schon häufiger Blödsinn erzählt. Er tut sich mit solchen Aussagen keinen Gefallen, teilweise helfen sie uns sogar."

Moderate Töne von beiden Seiten

Im Vorfeld des EM-Qualifikationsspiels zwischen der Türkei und Deutschland am Freitag in Istanbul schlugen aber beide Seiten moderate Töne an, wenngleich zwei aktuelle Fälle erneut für Diskussionsstoff sorgten.

Zum einen entschied sich der deutsche U-19-Europameister Ömer Toprak von Bayer Leverkusen angesichts des Überangebotes in der deutschen Defensive für die türkische A-Mannschaft. Auf der anderen Seite soll der Dortmunder Ilkay Gündokan am Dienstag gegen Belgien sein Debüt in der DFB-Auswahl feiern und damit sportlich an Deutschland gebunden werden.

"Wir zeigen den Spielern Perspektiven auf, machen aber keine Versprechungen", sagte Bundestrainer Joachim Löw, der rein gar nichts davon hält, wenn sich ein Spieler nur nach sportlichen Kriterien entscheidet.

"Die Spieler müssen auf ihr Herz und ihre Familie hören", sagte der 51-Jährige, denn diese Dinge würden am Ende zählen, während sich die sportliche Perspektive immer schnell ändern könne. Der DFB werde deshalb auch jede Entscheidung akzeptieren und nie in irgendeiner Form Druck ausüben.

Bierhoff: Spieler die kalkulieren mögen wir nicht

Dies unterstreicht auch Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff, der aber auch einem Trend entgegenwirken will: "Wenn Spieler die Nationalmannschaften benutzen, als ob sie Vereine wären, wenn sie vor großen Turnieren kalkulieren, bei wem sie eher drankommen - solche Spieler mögen wir nicht."

Das sieht der türkische Trainer Guus Hiddink ähnlich. "Wir sind natürlich froh, wenn sich türkische Talente für uns entscheiden. Denn bei uns muss langsam aber sicher auch ein Umbruch stattfinden. Viele junge Türken spielen im Ausland, speziell in Deutschland. Falls sie sich aber anders entscheiden, müssen wir das sportlich fair akzeptieren", sagte der Niederländer.

Wichtige Rolle der Spielerberater

Der deutsche U-21-Coach Rainer Adrion vertritt ebenfalls diesen Standpunkt, verwies aber auf einen wichtigen Aspekt, der mit dem Herzen wenig zu tun hat: "Spielerberater spielen eine besondere Rolle, weil der Marktwert eines Spielers als Mitglied einer Nationalmannschaft steigen wird - egal für welches Land. Da müssen die Spieler aufpassen, dass sie die Ratschläge richtig einordnen."

Dass auch Geld den Ausschlag geben und mitunter mehr zählen könnte als Nationalstolz, glaubt sogar der frühere Münchner Hamit Altintop, der sich gegen sein Geburtsland Deutschland entschieden hat und seit 2000 für die Türkei spielt.

Altintop kritisierte im vergangenen Jahr Mesut Özil, ebenso wie er in Gelsenkirchen geboren und mittlerweile bei Real sein Teamkollege, für seine Entscheidung pro Deutschland.

Hamit Altintop kritisiert Özil

Özil, so meinte Altintop sinngemäß, solle sich nicht als Beispiel gelungener Integration feiern lassen, für ihn sei die Wahl der Nationalmannschaft nur ein Geschäft: "Hätte er sich für die Türkei entschieden, hätte er keine WM gespielt und wäre nicht bei Real Madrid. So einfach ist das."

Nachdem 1999 Mustafa Dogan als erster Profi mit türkischen Wurzeln vom damaligen DFB-Teamchef Erich Ribbeck aufgrund von Verletzungsproblemen als Notnagel für den Confederations Cup in Mexiko nominiert worden war, ist der Wettstreit zwischen den Verbänden immer schärfer geworden.

Größtes Objekt der Begierde: Emre Can

Größtes aktuelles Objekt der Begierde ist der 17-jährige Emre Can von Bayern München, der vom DFB bewusst in eine Integrationskampagne eingebaut und zudem als bester U-17-Nachwuchsspieler ausgezeichnet wurde.

Dass Keser mit Can und dessen Familie ebenso gesprochen hat wie mit anderen türkisch-stämmigen Talenten aus der deutschen U17-Mannschaft, die im Sommer bei der WM in Mexiko Dritter wurde, ist kein Geheimnis.

Das sieht man beim DFB zwar nicht so gerne, nimmt es aber einigermaßen gelassen zur Kenntnis.

"Wenn der türkische Verband es so macht, heißt das nicht, dass wir da mitgehen müssen. Wir können doch nicht kritisieren, wenn wir es dann selbst auch so machen", sagte Bierhoff.

Emre Can im Steckbrief

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