Brasiliens Neymar im Porträt

Der Ärsche-Treter

Von Thomas Gaber
Mittwoch, 10.08.2011 | 14:11 Uhr
Neymar spielt für Brasilien im Testländerspiel gegen Deutschland
© Getty
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Ein 19-Jähriger ist der ganze Stolz von Pele-Klub FC Santos und Brasiliens fast schon letzte Hoffnung auf den sechsten WM-Titel 2014. Neymar, der am Mittwoch mit der Selecao gegen Deutschland spielte, hat auch allerhand zu bieten. Wenn da nicht sein Hitzkopf wäre...

Am Montag schaffte es Neymar mal wieder auf die Titelseiten der Onlineportale der großen spanischen Sportzeitungen. Dabei handelte es sich nicht um den nächsten Akt der unendlichen Neymar-Transfer-Saga, sondern um einen Satz, der so schon vielen professionellen Fußballern über die Lippen ging.

"Der FC Barcelona hat die beste Mannschaft der Welt und mit Lionel Messi den besten Spieler." Nicht mehr, nicht weniger.

Als Wunschobjekt von Real Madrid sorgt diese Aussage aber selbstverständlich für Aufsehen. Mehrere User von "Marca.com" fügten an, wie man denn so dumm sein könne, nach Madrid wechseln zu wollen, gleichzeitig aber öffentlich den verhassten Klub aus Katalonien zu bewundern.

Hässliche Szene gegen Penarol

Neymar ist derzeit nicht zu beneiden. Nahezu täglich muss er über seinen angeblich bevorstehenden Wechsel zu Real sprechen und nebenbei die arg in der Kritik stehende brasilianische Nationalmannschaft retten. Per se schon eine Mammutaufgabe angesichts 250 Millionen Fußball verrückter Brasilianer. Der Druck wird erhöht durch die Gastgeberrolle bei der WM 2014.

Auf den 19-Jährigen stürzt derzeit viel ein. Hinzu kommen die fiesen Bilder aus dem Finale der Copa Libertadores Ende Juni zwischen Neymars Klub FC Santos und Penarol Montevideo, als Neymar sich in der Massenschlägerei nach dem Spiel verleiten ließ, einem am Boden liegenden Penarol-Spieler mit Schmackes in den Rücken zu treten.

Dabei hat Neymar fußballerisch jede Menge zu bieten, was er gegen Flamengo Rio de Janeiro eindrucksvoll demonstrierte.

Pele: Neymar besser als Messi

Neymar verbindet Schnelligkeit und Technik mit Zielstrebigkeit, was ihn von Landsmann Robinho unterscheidet. "Robinho hat seine Zeit gebraucht, um zielstrebig aufs Tor zu spielen. Er hat lieber getrickst. Neymar ist mit seinen 19 Jahren schon weiter als es Robinho mit 25 war", sagt Emerson Leao, früherer Nationaltrainer der Selecao.

Seine körperlichen Defizite (60 kg bei 1,74m) gleicht Neymar durch Tempo und perfekte Ballbeherrschung aus. Zudem hat er in den letzten Monaten dank eines speziellen Ernährungsplans und vielen Extraschichten an Körpermasse zugelegt.

Pele glaubt, dass Neymar noch besser werden kann als Lionel Messi. "Er kann mit links, sowie mit rechts gleichstark abschließen, wobei Messi wohl nur in seinen linken Fuß vertraut. Ein Spieler mit seinen Möglichkeiten, sollte nicht in Brasilien bleiben, sondern nach Europa gehen."

Dass Pele Neymar wegen dessen angeblicher Fallsucht als "Hampelmann" bezeichnete und sein legeres Auftreten in der Öffentlichkeit mit Hang zur Arroganz oft geißelte, nimmt man in Brasilien zur Kenntnis - mehr aber nicht.

Santos hat die schöneren Frauen

Pele muss keine Werbung machen für Neymar, die Interessenten stehen ohnehin Schlange.

Kein anderer Offensivspieler weckt derzeit mehr Begehrlichkeiten als Neymar. Im Grunde ist die komplette Elite des europäischen Vereinsfußballs hinter dem Teenager her.

Der FC Santos versucht mit aller Macht, Neymar zu halten. Präsident Luis Alvaro Ribeiro macht sich mittlerweile einen Spaß draus, auf die Lockrufe aus Europa zu reagieren.

"Wissen Sie, was die zwei großen Unterschiede zwischen Real Madrid und dem FC Santos sind? Wir haben in Brasilien die schöneren Frauen und wir haben Neymar. Real hat nur Kaka", sagte Ribeiro kürzlich in einer Journalistenrunde.

"Santos ist kein kleiner Klub"

Gerne echauffiert sich der Klubchef über die Arroganz der Interessenten: "Real will eine andere Lösung als mindestens 45 Millionen Euro zu bezahlen. Die können sie sich abschminken! Der FC Santos ist kein kleiner Klub."

Unter einem Angebot von 45 Millionen Euro verweigert Ribeiro ohnehin jede Verhandlungsmöglichkeit. Neymars Berater Wagner Ribeiro, der einen ausgezeichneten Draht zu Real-Präsident Florentino Perez hat, würde seinen Klienten liebend gerne in Madrid unterbringen - bei einer hohen zweistelligen Ablösesumme winkt schließlich auch eine nette Provision.

Die Fans der "Pexeis" (Fische), wie die Spieler des Santos aufgrund der Nähe zum Atlantik genannt werden, betrachten Neymar als Heiligen. Wenn er aufläuft, singen sie: "O lelê, o lalá, Neymar vem ai e o bicho vai pegar!" Was soviel bedeute wie: Neymar wird kommen und Ärsche treten.

Neymar ist noch kein König

Als nächstes sind am Mittwoch in Stuttgart Jerome Boateng und Mats Hummels dran. Die Selecao spielt gegen den Lieblingsgegner. Deutschland hat seit 18 Jahren nicht mehr gegen Brasilien gewonnen.

Doch egal, wie die Partie ausgeht: das peinliche Viertelfinal-Aus bei der Copa America, als Brasilien im Elfmeterschießen gegen Paraguay mit zwei Schüssen über und einem neben das Tor kläglich scheiterte, werden die Fans in der Heimat nicht so schnell vergessen.

Nationaltrainer Mano Menezes nimmt seine Spieler und insbesondere Neymar in die Pflicht: "Neymar hat bei der Copa America seine erste wirklich harte Feuertaufe erlebt. Er ist in der Selecao noch nicht der König."

Mano Menezes mächtig unter Druck

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