Mit einem Schuss Wahnsinn

Von Für SPOX bei der Nationalmannschaft: Stefan Rommel
Löw muss zum Saisonabschluss auf sechs Spieler verzichten. Khediras Einsatz ist noch ungewiss
© Getty

Mit einem Sieg im EM-Qualifikationsspiel gegen Österreich (20.15 Uhr im LIVE-TICKER) wäre das DFB-Team in der Quali-Gruppe A kaum noch einzuholen. Doch Joachim Löw plagen Verletzungssorgen. Die Österreicher wollen mit einem simplen Rezept zum Erfolg kommen.

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Die schlechte Nachricht ist: Der deutschen Nationalmannschaft bleibt das Verletzungspech weiter treu. Am Mittwoch war Christian Träsch der sechste Spieler, der für den Saisonabschluss abgesagt hatte.

Die gute Nachricht ist: Der Fundus an hochbegabten Spielern beim Deutschen Fußball Bund ist mittlerweile so groß, dass der Auswahl von Joachim Löw selbst der Ausfall der Achse Per Mertesacker, Bastian Schweinsteiger und Miroslav Klose, sowie die Stellvertreter Sven Bender, Marco Reus und eben Träsch gar nicht mehr so viel anhaben kann.

"Österreich wird aggressiv und bissig sein"

Wenn es heute Abend im Wiener Ernst-Happel-Stadion im sechsten Spiel der EM-Qualifikationsrunde gegen Österreich darum geht, einen weiteren großen Schritt in Richtung Endrunde zu machen, wird Deutschland trotz einiger personeller Sorgen immer noch als klarer Favorit gehandelt werden.

Österreichs Spielbeobachter: "Es gibt nicht mehr viele DFB-Geheimnisse"

"Österreich liegt die Rolle des Außenseiters. Ich erwarte keinen Fußball-Leckerbissen, da es für die Österreicher um viel geht. Sie werden aggressiv und bissig sein und über die Leidenschaft und den Kampf ins Spiel kommen", vermutet Bundestrainer Joachim Löw.

"Bei uns fehlen natürlich einige Spieler und wir haben nicht so viel Vorbereitungszeit wie beispielsweise vor einer WM. Aber wir haben dennoch gut trainiert", ist Löw sicher, dass seine Mannschaft gewappnet sein wird für den "heißen Tanz vor 50.000 Zuschauern".

Entscheidung über Khedira-Einsatz kurz vor Anpfiff

Löw bleiben dafür nur noch 16 Feldspieler und drei Torhüter, von denen sehr wahrscheinlich Tim Wiese auf die Tribüne ausweichen muss. Die UEFA lässt nur 18 Spieler auf dem Mannschaftsbogen zu.

Der Aussortierte könnte aber unfreiwillig auch Sami Khedira heißen. Der Mittelfeldspieler steht zwar seit Mittwoch wieder im Mannschaftstraining, sein Einsatz entscheidet sich aber wohl erst im Laufe des Tages.

"Bei Khedira müssen wir das Abschlusstraining abwarten, bei dem er sich einem Härtetest unterziehen muss. Anschließend werde ich mich mit unseren Ärzten unterhalten und dann eine Entscheidung treffen", sagt Löw. "Sami spielt nur, wenn er hundertprozentig fit ist. Wir gehen überhaupt kein Risiko ein."

Deutschland wäre mit einem Sieg kaum mehr einzuholen

Sollte es für Khedira nicht reichen, bilden wie schon gegen Uruguay Toni Kroos und Simon Rolfes das defensive Mittelfeld. Immerhin meldete sich Lukas Podolski nach überstandenen Knöchelproblemen wieder zum Dienst, der Kölner wird im linken offensiven Mittelfeld beginnen.

Ein Sieg in Wien würde Deutschland der Endrunde in Polen und der Ukraine im kommenden Jahr einen entscheidenden Schritt näherbringen. Löws Mannschaft führt die Qualifikationsgruppe A mit fünf Siegen aus fünf Spielen unangefochten an, Österreich liegt mit sieben Punkten fast schon hoffnungslos abgeschlagen auf Rang vier.

Da sich die härtesten Verfolger Belgien und die Türkei in Brüssel zeitgleich gegenseitig die Punkte wegnehmen, wäre Deutschland mit einem Sieg bereits nach sechs von zehn gespielten Partien kaum mehr einzuholen.

Simples Rezept der Österreicher

Der heutige Gegner hat ein einleuchtend simples Rezept gegen die angeblich übermächtigen Deutschen. "Es klingt zwar blöd, aber du darfst null Respekt haben, wenn du ins Spiel hineingehst. Wir wollen nicht die kleine Schwester vom großen Bruder sein", sagte Teamchef Didi Constantini. "Du musst hoffen, dass du dein eigenes Spiel forcierst. Ich glaube, dass das ein Mittel sein könnte. Da brauchst du aber einen Schuss Wahnsinn dazu."

Mit mindestens vier Deutschland-Legionären will Constantini gegen den DFB aufwarten. Neben den Abwehrspielern Emanuel Pogatetz (Hannover 96) und Christian Fuchs (Mainz 05) sollen auch David Alaba (1899 Hoffenheim) und Martin Harnik (VfB Stuttgart) sicher starten.

Gute Chancen haben angeblich auch Stürmer Jimmy Hoffer (1. FC Kaiserslautern) und Julian Baumgartlinger, der auf einen Platz im defensiven Mittelfeld hofft. Der 23-Jährige von Austria Wien wurde in der Jugend von 1860 München ausgebildet.

Für Constantini geht's um den Job

In der österreichischen Presse mehren sich die Anzeichen auf eine Entlassung Constantinis, sollten die Gastgeber heute Abend gegen Deutschland verlieren. "Es ist nicht das Wichtigste, ob ich Teamchef bin oder nicht. Das Wichtigste ist, dass Österreich ein Nationalteam hat, das reüssiert", baut Constantini schon einmal vor.

"Wenn es dann so weit ist, kommt einer zu mir her und sagt: 'Das war's!'" Zuletzt konnte Österreich den großen Bruder 1986 bezwingen. In einem denkwürdigen Spiel in Wien siegten die Gastgeber dank je zweier Treffer von Toni Polster und Reinhard Kienast 4:1. Paul Breitners lapidarer Kommentar nach dem Spiel: "So viel Glück, dass ihr uns besiegt, werdet ihr erst wieder in 50 Jahren haben."

Die voraussichtlichen Aufstellungen

Österreich: Grazei - Klein, Scharner, Pogatetz, Fuchs - Kulovits, Baumgartlinger, Dag, Alaba - Harnik - Hoffer (Janko)

Deutschland: Neuer - Lahm, Friedrich, Hummels, Aogo - Khedira (Rolfes), Kroos - Müller, Özil, Podolski - Gomez

Schiedsrichter: Busacca (Schweiz)

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