Fussball

"Das Bitterste, was einem passieren kann"

Von SPOX
Michael Ballack: 98 Länderspiele für Deutschland, 42 Tore - keine Titel
© Getty

Michael Ballack gehört nicht mehr zum Kader der deutschen Nationalmannschaft. Mit der Entscheidung von Joachim Löw endet beim DFB eine Ära. Eine Karriere zwischen Hoffnungsträger und ewigem Zweiten.

Ballacks DFB-Debüt war ein kompletter Reinfall. Inklusive Stromausfall und Spott von Günter Netzer. Vom Pleiten-Debüt in Bremen bis zum Tor des Jahres in Österreich, vom Sommermärchen bis zum Horror-Foul. SPOX fasst die wichtigsten Stationen von Michael Ballacks Nationalmannschaftskarriere zusammen.

Sein erstes Spiel

28.04.1999, Bremer Weserstadion, 0:1 gegen Schottland: Schlechter kann eine Karriere kaum beginnen. "Die Mannschaft hat so schlecht gespielt, dass die Schotten gar nicht anders konnten, als ein Tor zu schießen - die hatten das gar nicht vor!", sagte Günter Netzer im Anschluss an Michael Ballacks DFB-Debüt.

Sechs Minuten stand Ballack auf dem Platz, da kassierte Deutschland das entscheidende Gegentor. So hatte sich der damals 22-Jährige sein Debüt mit Sicherheit nicht vorgestellt. Noch viel weniger hätte er allerdings damit gerechnet, dass ihm gleich von zwei anderen Seiten die Show gestohlen wird: Und zwar von Horst Heldt und einer 63-Ampere-Sicherung.

Heldt glänzte in seinem ersten DFB-Spiel als Marco-Bode-Ersatz, die defekte 63-Ampere-Sicherung legte in der Halbzeitpause die komplette Flutlichtanlage lahm und verzögerte den Wiederanpfiff um 15 Minuten.

Für Nostalgiker die Startelf von damals: Lehmann - Matthäus, Wörns, Nowotny, Strunz - Jeremies, Hamann, Heinrich, Heldt - Neuville, Bierhoff. Wechsel: Ramelow für Jeremies, Kirsten für Bierhoff, Ballack für Hamann und Jancker für Strunz.

Erstes Turnier

EM 2000, Niederlande/Belgien: Eine ganz bittere Zeit für den deutschen Fußball - und ein denkbar unglückliches Turnier-Debüt für Ballack. Unter Erich Ribbeck geht die DFB-Elf (featuring Marko Rehmer, Dariusz Wosz und Paulo Rink) gegen Portugal sang und klanglos unter.

Die Bilanz nach drei teilweise blamablen Spielen: ein Tor, ein Punkt - und das Vorrunden-Aus als abgeschlagener Tabellenletzter. 63 Minuten stand Ballack dabei insgesamt auf dem Platz - und wurde beim verheerenden 0:3 gegen Portugals B-Elf auch noch zur Halbzeit ausgewechselt.

Die erste Sternstunde

14.11.2001, Dortmunder Westfalenstadion, 4:1 gegen die Ukraine: Neuer Trainer, neues Glück? Mit Rudi Völler an der Seitenlinie hat Ballack den ersten großen Auftritt im Nationaltrikot. Und das gleich auf der ganz großen Bühne.

Denn die Ausgangssituation hätte spannender nicht sein können: Noch nie hatte eine deutsche Auswahl aus sportlichen Gründen die WM-Teilnahme verpasst.

Bis jetzt. Denn nach Platz zwei in der Qualifikation geht es in den verhassten Playoffs gegen die Ukraine. Und die werden zur großen Ballack-Show. Schon im Hinspiel trumpft der Leverkusener auf, erzielt das wichtige 1:1 in Kiew - und legt dann in Dortmund noch einmal kräftig nach.

Ballack trieb seine Teamkollegen unentwegt an, erzielte zwei Tore und war der klare Star des Spiels.

"Es war seit langem wieder mal ein Fußballfest", sagt Ballack anschließend. Und noch viel entscheidender: Es ist die Geburtsstunde von Michael Ballack, dem Führungsspieler.

Das Bitterste, was man als Fußballer mitmachen kann

25.6.2002, Seoul, 1:0 im WM-Halbfinale gegen Südkorea: Nach der verpatzten Meisterschaft, der Niederlage im Pokal- und Champions-League-Finale mit Bayer Leverkusen soll die WM in Japan und Südkorea Ballacks Jahr retten. Und es scheint genau so zu kommen.

Der 25-Jährige ist neben Torhüter Oliver Kahn die Lebensversicherung der deutschen Mannschaft, erzielt die Siegtreffer im Viertelfinale gegen die USA und im Halbfinale gegen Südkorea. Alles sieht nach einem großen Finale aus, doch Ballack ist gelbgesperrt nicht dabei.

Kurz vor dem 1:0 unterbindet Ballack einen schnellen Gegenstoß der Koreaner mit einem Foul kurz vor dem Strafraum - und sieht Gelb. Seine zweite. "Das ist das Bitterste, was man als Fußballer mitmachen kann", sagt Ballack, während er die 0:2-Finalniederlage gegen Brasilien als Zuschauer verfolgt.

Call me Capitano!

18.8.2004, Wiener Ernst Happel Stadion, 3:1 gegen Österreich: Nach einem erneuten EM-Debakel inklusive Vorrunden-Aus tritt Rudi Völler zurück. Nachfolger Jürgen Klinsmann ernennt Ballack zum Kapitän - und der bedankt sich mit einem Sieg im ersten Spiel.

Das DFB-Team gewinnt unter seiner Regie dank dreier Treffer von Kevin Kuranyi gegen Österreich. Der Auftakt einer langen Kapitäns-Karriere: In insgesamt 55 Spielen wird Ballack die Nationalmannschaft aufs Feld führen.

Seite 2: Heim-WM, Zoff mit Bierhoff und Poldi, Boateng-Tritt

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