Dänemark - Deutschland

Solide Basis und amateurhafte Fehler

Von Für SPOX in Kopenhagen: Stefan Rommel / Stefan Moser
Mittwoch, 11.08.2010 | 22:25 Uhr
Mario Gomez (r.) erzielte das 1:0 nach einem schönen Pass von Thomas Hitzlsperger
© Getty
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Deutschland hat im ersten Länderspiel nach der Weltmeisterschaft eine 2:0-Führung noch hergegeben. In der Freundschaftspartie in Dänemark kam die Mannschaft von Bundestrainer Joachim Löw zu einem leistungsgerechten 2:2 (0:1).

Vor 25.000 Zuschauern im Parken-Stadion in Kopenhagen brachte der starke Mario Gomez (19.) Deutschland auf Vorarbeit von Thomas Hitzlsperger in Führung. Für den 25-Jährigen der 13. Treffer im 39. Länderspiel. Für das 2:0 sorgte Leverkusens Patrick Helmes (73.) mit seinem zweiten Tor im zwölften Spiel.

Den Anschlusstreffer für Dänemark erzielte Routinier Dennis Rommedahl in seinem 100. Länderspiel. Den Ausgleich markierte Mads Junker (87.) kurz vor Schluss.

Nach der scharfen Kritik aus der Liga am unglücklichen Termin mitten in der Vorbereitung verzichtete Löw auf etliche Stammkräfte. Insgesamt standen nur sieben WM-Fahrer im Aufgebot gegen Dänemark.

So kam schließlich Sascha Riether ab der 56. Minute zu seinem Debüt im Nationaltrikot auf der rechten Abwehrseite.

Löws Einschätzung nach der Partie: "Das war eine besondere Herausforderung in dieser Situation, nachdem einige Spieler erst wenige Tage im Training waren und die Mannschaft so noch nicht zusammengespielt hat. Es war aber ein unterhaltsames Spiel, das wir hätten gewinnen können."

Die Unkonzentriertheiten in der Abwehr gefielen dem Bundestrainer nicht, dennoch war er nicht unzufrieden: "Wir haben einige Chancen nicht genutzt und zwei Tore als Geschenk verteilt. Aber ich bin mit der Leistung und dem Spiel zu diesem Zeitpunkt zufrieden."

Nachbetrachtung:

Das erste Länderspiel der neuen Saison stand unter keinem guten Stern. Die zusammengewürfelte Mannschaft hat trotz der zwei unnötigen Gegentore insgesamt aber das Beste daraus gemacht.

Das System funktionierte nach etwas Anlaufzeit, auch wenn die Protagonisten bis auf Boateng als einzigem WM-Stammspieler völlig andere waren. Das ist eine gute Nachricht: Die Basis ist unabhängig von den jeweiligen Spielern so konstruiert, dass sie auch unter stark veränderten Vorzeichen funktioniert.

Auch wenn der Gegner selbst in der Saisonvorbereitung steckt und momentan nicht mehr zur allerersten Garde in Europa zählt, handelte es sich bei Dänemark dennoch um einen WM-Teilnehmer. Zudem hatten Mario Gomez und Patrick Helmes auf der potenziellen Problemposition im Angriff einige Lichtblicke.

Daneben hat sich Christian Träsch sofort wieder für weitere Aufgaben angeboten. Der Stuttgarter ist einfach unheimlich flexibel, dabei emsig und mannschaftsdienlich wie kaum ein Zweiter.

Was jedoch gar nicht gut war: Die Abwehrprobleme der WM bleiben. Diesmal hatten Jerome Boateng und Serdar Tasci keinen guten Tag erwischt. Durch amateurhafte individuelle Fehler schenkte die Mannschaft ein Spiel her, dass sie bis eine gute Viertelstunde vor Schluss noch voll im Griff hatte.

SPOX-Spielfilm:

Vor der Partie: Mit Boateng steht nur ein WM-Stammspieler in der Startelf, ansonsten rotiert Löw kräftig. Etwas überraschend beginnt Träsch auf der rechten offensiven Außenbahn, abgesichert von Beck. Links beginnen Marin (offensiv) und Schäfer (defensiv). Die Innenverteidigung bildet Tasci mit Boateng, im Tor steht wie angekündigt Wiese. Gomez ist die Sturmspitze.

19., 0:1, Gomez: Hitzlsperger aus dem Rückraum mit dem Flachpass auf Kroos an der Strafraumgrenze. Der Münchner kommt nicht an den Ball - dieser rollt aber zufällig weiter auf Gomez, der gedankenschneller ist als Kjaer und Agger und abgezockt aus acht Metern verwandelt.

73., 0:2, Helmes: Blitzsauber herausgespielt! Boateng in die Mitte zu Gentner, der klasse in die Spitze zu Helmes passt. Der Leverkusener lässt nichts anbrennen und vollstreckt eiskalt aus neun Metern in die untere linke Ecke.

74., 1:2, Rommedahl: Tasci hat den Ball sicher - und passt ihn direkt vor die Füße von Rommedahl, der zwei, drei Meter in die Mitte läuft, trocken abzieht - und trifft! Wiese gegen den Schuss aus 18 Metern in die linke Ecke ohne Chance.

87., 2:2, Junker: Und da ist der Ausgleich! Langer Steilpass der Dänen in die Spitze, die deutsche Deckung ist komplett entblößt. Wiese kommt raus, will den Ball irgendwie mit der Brust abwehren, aber das misslingt völlig. Der Ball tropft vor Junkers Füße, der aus 17 Metern nur noch ins leere Tor einzuschieben braucht.

Fazit: Ordentliches Testspiel, auch wenn am Ende doch die Konzentration fehlte. Insgesamt aber eine sehr unterhaltsame und kurzweilige Partie.

Star des Spiels: 85 Minuten lang war Tim Wiese bester deutscher Spieler, beim Ausgleich durch Junker aber sah der Bremer Torhüter nicht gut aus. Bester Feldspieler war Christian Gentner, der mit zunehmender Spieldauer immer mehr die Initiative im Mittelfeld übernahm und schließlich auch als cleverer Vorbereiter zum 2:0 glänzte.

Gurke des Spiels: Marcel Schäfer. Hatte in seinem achten Länderspiel auf der linken Abwehrseite doch erhebliche Probleme. Stand gegen Rommedahl und Thomsen häufig falsch und ließ sich überlaufen. Steht damit aber eher stellvertretend für die insgesamt recht wackelige deutsche Defensive. Auch Tasci leistete sich etliche Unkonzentriertheiten.

Analyse:

Mit Boateng stand nur ein WM-Stammspieler in Dänemark in der Startelf, nichtsdestotrotz ließ Löw die Mannschaft weiter im 4-2-3-1-System und mit vergleichbarer Spielidee und Ausrichtung wie in Südafrika agieren.

Im strömenden Regen von Kopenhagen schien zunächst aber nur der Gastgeber wirklich Spaß an der Veranstaltung zu finden, über das anfangs bestens aufgelegte "Wunderkind" Eriksen kam Dänemark immer wieder zu gefährlichen Szenen. Erst nach gut 15 Minuten fand die völlig neu zusammen gewürfelte deutsche Mannschaft sich selbst und damit auch die richtige Einstellung zum Spiel.

Die quirligen Marin und Beck brachten dabei Tempo und Dynamik über die Flügel, Kroos im Zentrum Linie und Rhythmus ins Spiel. Auch der aufmerksame Gentner überzeugte nach nervösem Beginn als Anspielstation im defensiven Mittelfeld. Die erste gefährliche Szene nutzte Gomez nach etwas glücklicher Vorarbeit von Hitzlsperger sehr souverän zu seinem 13. Länderspieltreffer. Im Anschluss kontrollierte die DFB-Elf das Geschehen, trotz einiger Unkonzentriertheiten, mit großer Ballsicherheit im Mittelfeld ohne größere Mühe und ging mit einer verdienten Führung in die Pause.

Nach der Pause ging durch viele Wechsel auf beiden Seiten zusehends die Struktur verloren. Dadurch blieb das Spiel durch etliche Torchancen auf beiden Seiten aber immerhin unterhaltsam. Durch einige Unkonzentriertheiten in der deutschen Defensive erhielt schließlich auch Wiese mehrere Gelegenheiten, um sich auszuzeichnen. 85 Minuten lang tat das der Bremer Torhüter recht erfolgreich, beim Ausgleich allerdings sah er unglücklich aus.

Unter dem Strich ein ordentliches Länderspiel, das jedoch wenige wirklich neue Erkenntnisse brachte. Die wichtigste: Auch die deutsche B-Elf ist in der Lage, die grundsätzliche Philosophie von Löw zu transportieren.

Neben Wiese (über 85 Minuten) und Gomez konnte im Mittelfeld Gentner überzeugen. Letzterer bereitete auch das 2:0 durch Helmes mustergültig vor. Der Leverkusener verwandelte bei seinem Comeback im Nationaltrikot gleich seinen zweiten Ballkontakt zum zweiten Länderspieltor.

Dänemark - Deutschland: Daten und Fakten zum Spiel

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