Deutschland vs. England: Trainervergleich

Capello und Löw: Die Spiellenker

Von Für SPOX in Südafrika: Stefan Rommel
Samstag, 26.06.2010 | 11:16 Uhr
Fabio Capello (l.) und Joachim Löw im November 2008 nach Englands 2:1-Sieg in Berlin
© Imago
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Das Achtelfinal-Duell bei der WM in Südafrika zwischen Deutschland und England (So., 15.45 Uhr im LIVE-TICKER und auf SKY) ist auch das Duell zweier großer Trainer. Auf den ersten Blick könnten Fabio Capello und Joachim Löw nicht unterschiedlicher sein.

Fabio Capello stand fast nackt am Strand, als er das erste Mal die zweifelhafte Erfahrung mit dem englischen Boulevard machte. Wie immer im Juni hatte sich der Maestro auf sein Sommer-Domizil in Pantelleria südlich von Sizilien zurückgezogen.

Ausspannen, angeln, ein paar Gläser Wein. Also stand Capello da wie ein Tourist, in Badehosen und von oben bis unten bedeckt mit dem feinen Sand der Küste. Den Paparazzo der "Sun" konnte er nicht sehen.

Der Schnappschuss war das Einstandsgeschenk von Englands größter Boulevard-Zeitung an den neuen Manager der Three Lions. Der revanchierte sich mit zwei Telefonanrufen bei der FA und einer lebenslangen Akkreditierungssperre für den verantwortlichen Fotografen.

Ein großer Opportunist

Fabio Capello hat sein Revier immer schnell und ohne Rücksicht auf Verluste abgesteckt. Als er den Vertrag mit dem englischen Verband unterschrieb, war die Liste mit den Sonderklauseln länger als der eigentliche Kontrakt.

"Capello ist hart gegen sich selbst und die Leute in seinem Umfeld. Und er ist einer der größten Opportunisten, die man sich vorstellen kann", sagt Francesco Archetti von der "Gazzetta dello Sport". Jahrelang begleitete Archetti  den Trainer bei seinen Stationen in Mailand, Rom und Turin.

"Als Trainer bei Milan war dort alles perfekt und in Rom alles schlecht. Dann hat er seinen Ziehvater Berlusconi irgendwann verlassen. Er war noch keine zwei Tage bei der Roma, da fand er dort alles perfekt und in Mailand alles schlecht."

Symbiose des Glücks

Heute ist Capello der große Hoffnungsträger Englands. Nach 44 Jahren der schlimmsten Agonie soll es ein Italiener sein, der dem hochbegabten, aber in den entscheidenden Momenten schnell versagenden englischen Heroen jene Eingebung vermitteln soll, mit der man auf Vereinsebene große Titel holt.

Capello ist der Inbegriff des Erfolgs. Er ist aufgewachsen in einem Land, in dem schon immer das Ergebnis wichtiger war als die Art und Weise der Spielführung oder wie es zustande kommt. Jetzt soll es mit England die Symbiose des Glücks werden.

Viele Gemeinsamkeiten

Vieles an Capellos Werdegang und Schaffen erinnert dabei an Joachim Löw. Die beiden sind sich ähnlicher, als man auf den ersten Blick glauben mag. Als sich der Deutsche Fußball-Bund vor sechs Jahren zu Jürgen Klinsmann als neuem Bundestrainer durchringen konnte, schleifte der seine ganz persönliche Entourage mit an die Otto-Fleck-Schneise.

Darunter auch seinen Co-Trainer Joachim Löw. Der verfährt bis heute ähnlich, ist spätestens seit den geplatzten Vertragsverhandlungen gegenüber seinem Arbeitgeber in einer deutlich besseren Position. Ähnlich ist es bei Capello.

Der Italiener tauschte so gut wie alle Posten aus, besetzte sie mit seinen Landsleuten neu. Lediglich Stuart Pierce sitzt als Quoten-Engländer noch mit im Trainerteam. Capellos persönlicher Manager Franco Baldini wurde zum Teammanager erkoren. Der kümmert sich jetzt parallel um Werbeverträge für das Nationalteam und Capello.

Als es um Capellos Vergütung ging, war ihm sein ewiger Arbeitgeber näher als sein neuer. Mit vier Millionen Euro netto ist Capello der Spitzenverdiener unter den Nationaltrainern.

Um einen nicht unbeträchtlichen Teil Steuern zu sparen, hat er seinen Wohnsitz nach Campione d'Italia verlegt, nahe der Schweizer Grenze. Hier gilt der Steuersatz der Schweiz, 24 Prozent statt den 43 Prozent in Italien.

Akribisch und detailversessen

Als es neulich zum angedeuteten Aufstand von John Terry gegen ihn kam, handelte Capello ruhig und bedacht, aber doch bestimmt.

Der Machtkampf endete mit einem klaren Sieg des Trainers. So wie sich Löw in seinen Personalentscheidungen bei Torsten Frings oder Kevin Kuranyi auch gegen den Druck der Presse und gegen die öffentliche Meinung durchsetzen konnte.

In ihrer Art sind Capello und Löw fast identisch. Mit großer Akribie und Detailversessenheit erledigen sie ihren Job. Capello ist in Nordost-Italien geboren, dort sind die Menschen von einem ganz besonderen Schlag und viel unter sich. Sie haben nicht viel gemeinsam mit dem südlichen Italien; Fleiß, Arbeit oder Disziplin sind dort gefragt.

Löw ist im Schwarzwald aufgewachsen, unter ähnlichen Wertevorstellungen. Wie Capello versteht es auch der deutsche Bundestrainer, sich mit der Presse gutzustellen, ohne dabei anbiedernd zu wirken. Er setzt klare Grenzen und die gilt es zu respektieren.

Löws Gespräche, Capellos Aura

Löw erledigt viel mit Worten, er sucht viel öfter den Dialog zu seinen Spielern, als Capello es tut. "Er ist sehr kommunikativ, legt viel Wert auf Taktik, arbeitet akribisch", sagt Philipp Lahm über seinen Vorgesetzten.

Capello tickt ähnlich, wo aber Löw noch Worte finden muss, regelt er vieles mit seiner natürlichen Aura. Die und seine Erfahrung aus fast zwanzig Trainerjahren mit über einem Dutzend Titeln in Italien und Spanien sind einer der großen Unterschiede zwischen ihm und Löw.

Und ein Grund, warum im Duell der Trainer England die vermeintlich bessere Ausgangslage hat. Capello besitzt genügend Reputation und Souveränität, um eigene Fehleinschätzungen sofort zu korrigieren.

Capello findet schnell den Alternativplan

Als es vor dem Endspiel gegen Slowenien um den Einzug ins Achtelfinale auch um seine Person unruhig wurde, fand er die für den Erfolg notwendigen Mittel in einem abgewandelten Spielsystem und einigen personellen Änderungen.

Capello erfand für seine Mannschaft schnell einen Plan B, weil er gesehen hatte, dass er mit seiner angedachten Taktik in den ersten beiden Spielen gegen die USA und Algerien nicht viel Erfolg hatte. Die Flexibilität ist eine seiner großen Stärken.

Löw hielt bisher starr an seinem 4-2-3-1 und bis auf die Position auf der linken Außenbahn auch an seinem Personal fest und musste sich deswegen schon einige Kritik gefallen lassen.

Im Testspiel ausgecoacht

"Capello wird die deutsche Mannschaft sehr genau  analysieren und darauf reagieren. Und welche Optionen Löw auch immer ziehen wird - Capello wird eine Antwort darauf haben", sagt "Gazzetta"-Redakteur Archetti.

Wie schon einmal, als England im Testspiel von Berlin Ende 2008 Deutschland auf heimischen Boden 2:1 schlagen konnte. Damals standen sich zwar "nur" zwei bessere B-Mannschaften gegenüber. Die englischen Reservisten hatten aber den deutlich ausgefeilteren Plan mit auf den Weg bekommen.

Die Partie am Sonntag wird also auch zum Duell der beiden Trainer. Der unerfahrenere Löw geht dabei mit einem vermeintlichen Rückstand ins Rennen, aber immerhin ist die Erwartungshaltung nicht so groß wie die an Capello und seine Mannschaft.

In England soll der zum Heiland werden. In Italien hat er diesen Status längst erreicht. Im November 1973 hechtete der Spieler Capello in eine scharfe Hereingabe. Sein Flugkopfball von Wembley ist bis heute eine italienische Legende.

Die Squadra Azzurra siegte 1:0. Es war der erste Sieg der Italiener über England überhaupt.

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