Wer soll stürmen: Klose oder Cacau?

Von Für SPOX in Südafrika: Stefan Rommel
Samstag, 12.06.2010 | 09:16 Uhr
Miroslav Klose (2.v.r.) absolvierte bislang 96. Länderspiele - Cacau (r.) bringt es auf acht Einsätze
© Imago
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Vor einigen Wochen kursierten rund um die Nationalmannschaft noch gefühlt ein Dutzend Fragen im Hinblick auf die WM-Endrunde in Südafrika. Wer wird Kapitän? Wer wird Torhüter? Doch mittlerweile konzentriert sich alles auf eine Personalie: Wen lässt Bundestrainer Joachim Löw gegen Australien im Sturmzentrum beginnen?

Als Joachim Löw Anfang Mai seinen vorläufigen WM-Kader benannte, fanden sich dort sechs nominelle Angreifer wieder. Einen Tag vor dem ersten Vorrundenspiel gegen Australien (So.,19.45 Uhr im LIVE-Tickerund auf SKY) sind vier davon noch übrig geblieben.

Im Prinzip geht es im 4-2-3-1-System von Bundestrainer Joachim Löw wohl aber nur noch um eine einzelne Personalie. Es geht um die Frage: Beginnt gegen Australien Miroslav Klose oder Cacau im Sturm?

Im Laufe der langen Vorbereitung haben sich viele Fragen in Wohlgefallen aufgelöst, zumindest auf den ersten Blick. Im Tor steht Manuel Neuer. Kritische Untertöne gab es ob der Nominierung des Schalkers kaum. Im defensiven Mittelfeld räumen Bastian Schweinstiger und Sami Khedira auf. Leichte Zweifel sind angebracht.

Voting: Mit welcher Elf soll Löw beginnen?

Löw attestiert Klose Formverbesserung

Und im Sturm? Da eröffnet sich dem Bundestrainer die Qual der Wahl. Auf der einen Seite Miroslav Klose. Erfahren, aber fast ohne Spielpraxis und dem für eine Weltmeisterschaft nötigen Selbstvertrauen.

Auf der anderen Seite die Unerschrockenheit in Person. Cacau, unerfahren, mit jeder Menge Spielpraxis und dem für eine Weltmeisterschaft nötigen Selbstvertrauen.

Joachim Löw wird erneut vor eine grundsätzliche Entscheidung gestellt, die sein Wirken in den letzten Monaten nahezu durchzieht: Leistung und Form stehen Gefühl und Vertrauen gegenüber.

"Es ist zu sehen, dass sich Miro Klose viel besser fühlt als in den Tagen davor", sagte Löw auf der Pressekonferenz am Mittwoch. "Er ist sehr beweglich und schnell in seinen Aktionen. Ich habe ein gutes Gefühl, dass er die Schnelligkeit in seine Aktionen bekommt, die wir brauchen."

"Ich werde alle Tage nutzen, um meine Form zu erreichen"

Sollte Klose die Forderungen Löws wirklich erfüllen, wäre er nach Monaten zumindest auf einem Level mit seinem Widersacher Cacau.

Zuletzt wirkte der Münchener wie aus dem Spiel der deutschen Mannschaft ausgegliedert, fast wie ein Fremdkörper. Ohne Spritzigkeit und Körperspannung absolvierte Klose die Partie in Budapest gegen Ungarn, sein vermutlich schlechtestes Länderspiel überhaupt.

Gegen einen an diesem Tag drittklassigen Gegner hatte er nicht eine einzige vernünftige Szene. Eine Woche später gegen Bosnien war es dem Anschein nach auch nicht besser. Und trotzdem wirkte er da schon deutlich lebhafter, hatte mehr Zug, mehr Selbstvertrauen. Wenngleich in einer für Klose-Verhältnisse immer noch sehr geringen Dosis.

"Heute ging es schon besser", sagte er da nach dem Spiel. Nur wollte es ihm kaum jemand glauben. "Ich werde jetzt alle Tage bis zum ersten Spiel nutzen, um meine Form zu erreichen."

Flanken kommen seltener

Dabei ist nicht mehr nur Kloses Form ein mögliches Ausschlagkriterium, sondern die leicht abgewandelte Spielweise der Mannschaft selbst. Deutschland ist nicht mehr nur auf seine physische Härte angewiesen, jetzt wird Fußball mehr gespielt als gearbeitet.

Das Team kombiniert sich jetzt durch die gegnerischen Reihen, oder wie Löw es sagt: "Die Mannschaft muss in der Lage sein, den Gegner zu beherrschen und spielerisch zu bezwingen."

Flanken sind ein rares Gut geworden bei der DFB-Elf. Einem Stoßstürmer wie Klose entzieht das die Nahrungsgrundlage. Der wendigere Cacau passt da derzeit deutlich besser.

Cacau passt besser ins System

"Meine Spielweise in dieses Team passt. Joachim Löw hat mir und meinen Fähigkeiten vertraut. Das Spiel der Mannschaft kommt mir entgegen: viel Doppelpass, der Ball immer am Boden", sagt der Stuttgarter im Interview mit SPOX.

Tatsächlich bewegt sich Cacau mit dem deutschen Spielfluss. Den Mini-Spanien-Stil mit vielen kurzen (Doppel-)Pässen bekommt er problemlos hin, aus der Tiefe und aus der zweiten Reihe ist er deutlich gefährlicher als der komplette Rest seiner Sturmpartner.

"Cacau ist sehr gut drauf. Er ist ein spielender Stürmer, mit dem man sehr gut zusammenspielen kann", lobt Lukas Podolski.

Erfahrung spricht für Klose

Im Prinzip gibt es nur zwei Dinge, die gegen Cacau in der Startelf sprechen: Miro Klose hat auf absolutem Top-Level längst seine Tauglichkeit bewiesen, Löw vertraut ihm und sieht ihn - zu Recht - auf einem guten Weg.

Und im Spiel gegen die ultra-defensiv erwarteten Australier wird in Cacaus Lebensraum zwischen gegnerischer Abwehr und Mittelfeld viel zu viel Verkehr sein.

Australien wird die deutsche Mannschaft mit zwei Viererketten und dazwischen einer Doppelsechs erwarten, im Zentrum ist da schlicht kaum Platz.

Gegen Australien wohl nur mit einem Stürmer

"Deshalb müssen wir über die Flügel kommen und dort in Eins-zu-eins-Situationen Löcher reißen", sagt Marko Marin, der sich auch noch berechtigte Hoffnungen auf einen Startplatz machen kann.

Um das Spiel der Socceroos etwas auseinander zu ziehen, wird Löw deshalb wohl einen Stürmer in vorderster Linie bringen. Und der heißt Miroslav Klose.

Für Podolski ist das kein Problem - im Gegenteil. "Über Miro mache ich mir keine  Gedanken. Er hat über Jahre hinweg Leistung gebracht - und das wird er auch dieses Mal machen."

DFB-PK: Für Deutschland, nicht für Löw

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